Welchem Umstand verdanken wir nur dieses zweifelhafte Vergnügen, dieser eher weniger gelungenen Selbstdarstellung des einst großen Chuck Norris Zeuge zu werden?
Eben dem, das die Cannon-Filmstudios gen Pleite zusteuerten, und der Norris Mann mit nun familienkompatibler Ware, der noch Top Dog und der Wald Krieger folgen sollten, wieder mehr Leute in die Kinos locken soll.
Ganz so schien dem Publikum die Idee des Films dennoch nicht geschmeckt zu haben.
Da haben wir den unbeliebten Außenseiter Barry (Jonathan Brandis), der ein rießen Chuck Norris Fan ist, nie das Haus ohne offizieller Norris Zeitschrift verlässt, und selbstverständlich Karate können möchte.
Doch bei seiner körperlichen Verfassung trifft der Asthmatiker nur auf spöttisches Gelächter; selbst der strenge Schul Coach ist nicht gerade ein zu guten Leistungen ermutigender Zeitgenosse, zudem ist der arme Junge auch noch unglücklich verliebt.
Enttäuscht und gelangweilt von dieser Welt flieht er bei jeder Gelegenheit, bei der er mal nicht gerade schikaniert und rumgeschubst wird, ins Land der Träume und trifft dort stets auf den Lebensermutigenden und motivierenden Sympathiebolzen Chuck Norris.
Hier durchstreift Barry zusammen mit seinem großen Vorbild die Kulissen früherer Norris-Klassiker wie Hitman oder Missing in Action; selbst an die passenden Outfits wurde gedacht.
Für Norris war das sicherlich ein nostalgischer Spass.
Nun denn, ewig kann Barry sich ja nicht die perfekte Heldenwelt zusammen träumen, und beschließt endlich eine Karateschule aufzusuchen.
Leider die Falsche, denn der dortige Karatelehrer ist (mal wieder) abgrundtief böse, der seine Schüler zu blutrünstigen Kampfmaschinen ausbilden will, und zu allem Übel auch noch Chuck Norris für ein Weichei hält.
Nicht der ideale Aufenthaltsort für unseren Helden Barry, doch die Hoffnung stirbt zuletzt, denn (und jetzt wird’s originell) ein gewisser, asiatischer Restaurantbesitzer ist zufälligerweise auch Karatekundig und (wer hätte das gedacht) weiht unseren Barry in die Künste des japanischen Nahkampfes ein, und unterzieht ihn einem Allroundtraining (wo gibt’s denn so was?).
Im Laufe der Zeit kann sich unser Held immer mehr Respekt aneignen, seine umschwärmte Lauren wird auch nun auf ihn aufmerksam, und (wie hätte es auch anders kommen sollen) im finalen Karateturnier kann er des bösen Karate Lehrers bösen Schüler bei der Königsdisziplin „Brennende Ziegelsteine zerschlagen“ so Einiges vormachen.
Norris Fans, welche nach wie vor die Hauptzielgruppe dieses Filmes sein dürften, wären bis zu dieser Stelle jedoch zu kurz gekommen, also taucht Norris überraschend als Gaststar im Karateturnier auf (diesmal nicht im Traum, sondern in echt), zaubert Barry funkelnde Augen ins Gesicht, tritt kurzerhand dessen Team bei, und nutzt diese Gelegenheit dem Erzschurken, nämlich dem bösen Karatelehrer nach allen Regeln der chuckschen Kunst zu zerfalten.
Doch trotz unseres Ex-Karate-Weltmeisters kann sich die Action nicht vor einer eher durchschnittlichen und lahmen Choreographie retten.
Einen Höhepunkt gibt es dann trotzdem, nämlich Chucks an sich relativ harmlosen Kick, welcher jedoch seinen Kontrahenten furchtbar trashig mehrmals um die eigene Achse vertikal rotieren lässt.
Wie scheiße ist das denn?
Hong Kong kriegt solche Szenen ohne Schnitte und aus der Totalen gezeigt hin…auch wenn da die Anzahl der Drehungen nicht ganz so hoch ist ;)
Die müde Action jedoch ist nur das eine Problem, schlimmer ist doch einfach die Tatsache, dass man es hier letztlich (ich wiederhole mich, MAL WIEDER) mit einem Karate Kid Klon zu tun hat, wie es ihn schon soooooo unzählige Male gab, dass dieser hier lediglich durch die Präsenz unseres Norrisschsten aller Chucks seine Existenzberechtigung hat.
Doch wem schon die Klischees aus Karate Tiger zu Berge gestiegen sind, der sollte sich das hier gleich ganz schenken.
Den blonden Schmalzbuben bei seinen täglichen Übungen zuzusehen ist auch nicht unbedingt viel interessanter als aus dem Fenster zu gucken.
Nunja, was mich betrifft, irgendwie kann jeder Karate Kid Klon ein gewisses Maß an Unterhaltung mit sich bringen, da die Klischees, gerade weil sie so doof und oft gesehen sind, immer wieder aufs Neue witzig wirken.
Unbeliebter Schüler mit Arschkarte, Böser Karatelehrer, guter asiatischer, Kampfkunstopa, und ganz neu, Norris als er Selbst….irgendwie machts Spass…
Und Kleine Kinder motiviert das doch eh, also was solls? ;)