Was wäre Chuck Norris ohne die Schmiede von Menahem Golan und Yoram Globus geworden? Die "Missing in Action" Trilogie, die beiden "Delta Force" Filme und besonders "Invasion U.S.A." sind dem Actionfan ein Begriff. Bei "Hitman" war Cannon schon in den letzten Zügen, nach "Hellbound" im Jahr 1994 war dann entgültig Feierabend. Der Hauptgeldgeber war weg, somit wollte sich Norris im jugendfreien Sektor etablieren, was mit "Sidekicks" gnadenlos in die Hose geht. Drei Jahre später folgte mit "Top Dog" ein weiterer Versuch, etwas besser aber trotzdem ein Fehlschlag. Chucks Bruder Aaron Norris (Platoon Leader, Delta Force 2) inszenierte diesen schwachen "Karate Kid" Abklatsch, der aufgrund seines kindgerechten Humors für die sonstigen Norris-Fans ein echtes Martyrium darstellt.
Barry Gabrewski (Jonathan Brandis) ist ein Tagträumer, hat Asthma und ist bei seinen Mitschülern unbeliebt. Doch in seiner Scheinwelt besteht er zusammen mit seinem Idol Chuck Norris zahlreiche Kämpfe. Nun erhält Barry tatsächlich eine Chance Kampfsport zu erlernen. Denn Lee (Mako), der Onkel seiner Lehrerin Noreen Chan (Julia Nickson), beherrscht die Kunst des Kampfsportes und verwandelt Loser Barry in einen selbstbewussten Sportler. Dies hat er auch bitter nötig, denn auf einem bevorstehenden Wettkampf will er sich mit Widersacher Randy Cellini (John Buchanan) und dessen fiesen Kampfsportlehrer Kelly Stone (Joe Piscopo) messen. Auch Chuck Norris ist anwesend und kämpft sogar in Barrys Team. Barry steht seine bisher größte Herausforderung bevor, womit er auch das Herz seiner Mitschülerin Lauren (Danica McKellar) für sich gewinnen könnte.
Im Film sieht das immer so einfach aus, sich vom Loser zum Helden zu mausern. "Karate Kid" machte es erfolgreich vor, "Sidekicks" ist nur eine klischeeträchtige Blaupause ohne Pepp. Der junge Zuschauer kann sich natürlich gut mit Barry identifizieren, da dieser Asthma hat, mit Vater Jerry (Beau Bridges) nur noch einen Elternteil und obendrein noch von allen gehänselt wird. Also flüchtet Barry in eine Scheinwelt, wo er zusammen mit Idol Chuck Norris zahlreiche Abenteuer besteht. Sei es in Japan als Ninja, im wilden Westen als Lone Some Ranger, in Vietnam als Veteran oder im hier und jetzt um Lauren oder seine Lehrerin aus den Klauen fieser Vögel zu befreien. Den Großteil von Barrys abgehobenen Träumen müssen wir im ersten Drittel über uns ergehen lassen, natürlich mit einigem Stock Footage aus Chucks früheren Filmen. Doch ganz besonders hier fällt der kindgerechte Stil negativ auf, denn mit dem klamaukigen Humor und dem Overacten der Darsteller können alle über zwölf Jahre nicht viel anfangen. Die restliche Geschichte strotzt nur so vor Klischees und ist damit immer vorhersehbar. Hinzu kommen weitere Peinlichkeiten wie die Rocker im Restaurant, welche von Lee schließlich verscheucht werden, oder bekloppte Dialoge wie "Mr. Knödelkopf" oder der überzogene Kelly Stone mit seiner falschen Philosophie vom Kampfsport.
Da darf auch die obligatorische Lovestory nicht fehlen, denn Lauren die eigentliche Freundin von Rivale Randy verguckt sich immer mehr in Barry. Und Lehrerin Noreen knöpft sich derweil Barrys Vater Jerry vor, das triefige Happy End ist schon mal in trockenen Tüchern. Natürlich muss Barry auch fleißig trainieren und sich den Respekt der Mitschüler und seines Sportlehrers zu verdienen. Bei allem hilft ihm der imaginäre Chuck Norris, der zum finalen Kampfsporttunier als er selbst auftauchen darf, um Kelly Stone die Leviten zu lesen. Doch außer Barrys Visionen hat "Sidekicks" so gar nichts zu bieten, geschweige denn gute Kampfszenen. Selbst der Kampf zwischen Norris und Stone hat keinerlei spektakuläre Moves zu bieten, ansonsten werden ein paar Betonplatten zertrümmert und die Sache ist gegessen. Am besten bei der ganzen Chose kommt noch Mako (Balance of Power, Die Wiege der Sonne) weg, welcher als Onkel Lee eine sympathische Vorstellung gibt. Chuck Norris hingegen ist eine Lachnummer, dem die Milde aus jeder Pore quillt und als Prominenter den absoluten Kumpeltyp gibt. Joe Piscopo (Dead Heat, Vater wieder Willen) macht sich mit seinem extrem überzogenen Schausspiel nur lächerlich, während Jonathan Brandis, Beau Bridges und Julia Nickson mit ihren Rollen unterfordert sind.
Chuck Norris liefert eine erbärmliche Vorstellung und größtenteils ist dieser "Karate Kid" Klon einfach nur belanglos und langweilig. Man stottert nur die üblichen Klischees ab, kein Darsteller will richtig in Erinnerung bleiben. Nicht mal die wenigen Kampfszenen bieten brauchbares Augenfutter und der kindliche Humor gibt "Sidekicks" den Rest. Ein gewisser Unterhaltungswert ist dennoch vorhanden, weswegen knappe 3 Punkte noch drin sind.