Wie oft ich "Armee der Finsternis" seit meinen 13. Lebensjahr nunmehr gesehen habe lässt sich schwer nachvollziehen, aber ich denke oft genug, um die populäre Formulierung "Bis zum Erbrechen" mit Fug und Recht nutzen zu können. In den vier Jahren, in der ich in den Schatten meines aufkeimenden Nerdseins auf eine ungeschnitten Kopie des ersten Teiles lauert habe ich den Mittelalter-Ableger der "Evil Dead" - Trilogie unzählige Male geschaut, da er zum einen der einzige frei erhältliche Teil der Reihe und zum anderen eine Alternative zu der anderen Möglichkeit war, mit dem Franchise in Kontakt zu kommen. Und die wäre gewesen, mich mit meinem Assi Kumpel in seinem dreckigen Zimmer zwischen verkrusteten Esstellern und vollgefurzten Shorts durch seine frisch aus dem Kaufhaus um die Ecke gezockter Kopie des PS2-Schnetzlers "A Fistfull of Boombstick" zu daddeln. Beim besten Willen war es mir dieses Spiel mitsamt seiner halbgaren Story nicht wert, mich von der ungewaschenen Präsenz meines Besties vergiften zu lassen, nur um von Bruce Campbell zugegeben herrlicher Stimme ein paar Oneliner vorkauen zu lassen. Ironischerweise kannte besagter Kumpel den Film nicht und wusste auch sonst einen Scheiß über Ash und seine tanzenden Teufel.
Ich allerdings dafür umso mehr: als 2000 die im Sterben liegende Playstation 1 einen spielbaren Ableger der Horrortrilogie als Grabbeigabe spendiert bekam war ich 10 und von den wenigen Filmbildern und kargen Infos in den einschlägigen Videospielzeutschriften begeistert. Und auch, wenn ich meine Eltern nie danach fragen brauchte wurde kurz darauf jeder familiäre Trödelmarkttrip, bei dem ich das VHS-Cover zu Gesicht bekam, automatisch zum Highlight, regte mich doch das Titelbild alleine bereits zum Zurechtspinnen meiner eigenen Evil Dead-Reihe zusammen. Man, war ich ein harter Kerl! Und noch härter, als ich den Film mit 13 dann endlich sah.
Aber bei meiner Härte, nichts und niemand schlägt Bruce Campbell, auch kein Zeitriss. Ein Ash, der mitsamt Auto aus gefühlt 100 Metern aus dem Himmel auf den kargen Boden der Tatsachen kracht, ohne einen einzigen Kratzer davontragen ist schon eine coole Art, eine Geschichte zu beginnen. Blöderweise ist das mittelalterliche Fußvolk, dem er nach seiner Landung begegnet nicht wirklich erbaut über dessen mysteriöse Ankunft und das Todesurteil wartet. Zumindest so lange, bis unser Held den Endboss-Deadite in der brackwässrigen Todesgrube mit Flinte und Kettensäge zurechtstutzt, den König in die Schranken weißt und die hübsche Jungfer Sheila für sich gewinnt. Ab da ist er Bartel auf der Suche nach Most, der auserwählte, der krasseste Ficker auf dem Schulhof. Und Wiederbeschaffungsbeauftragter in Sachen Okkultliteratur, denn das Nekronomikon hat auch in der Vergangenheit bereits gewütet und muss nun im Aufträge einen zausligen alten Zauberers zurückgeholt werden.
Der Weg zur Wiederbeschaffung ist ein steiniger und der Kader der Antagonisten abwechslungsreicher denn je, wenn Ash mit bösen Doppelgängern aller Größen kämpft, in bester Reihentradition von der wild gewordenen Schüttelkamera angegriffen wird und am Ende mittels anachronistischem Erfindergeistes und guter Truppenführung eine Finalachlacht gegen die Macht des Blöden.. Ähem... BÖSEN!!! für die Menschheit entscheiden musst. Ewiger Ruhm und ein Rückticket in die Heimat warten schon.
Arschlecken, rasieren! Auf Splatter und einen Zweitreihen-Charakter hatten zu dem Zeitpunkt der Entstehung weder Raimi noch Campbell so richtig Lust und unter anderem deshalb absolvierte Ash den Actionheldenabschluss ilzur Entstehung des Filmes im Blitzverfahren. Statt hier eine Dose passierte Tomaten nach der anderen zu köpfen und über den Cast zu gießen geht die Reise nun mehr Richtung Kostümfilm und die Gewalt nimmt fast kindgerechte Züge an. Von der Freundeaclique, die über Jahre hinweg an Wochenenden einen Film drehen ist hier kaum noch eine Spur, alles ist aufwändiger, realistischer, edler. Merksatz der frühen 90er: Du weißt, dass du es geschafft hast, wenn Danny Elfman die Score für deine Film schreibt.
Auch altbackene Stopmotion und das Unterkellern der Peinlichkeitsgrenze der Oneliner hinterlassen an diesem Film keinen nennenswerten Schaden. Es hat seine Grund, warum ich das Teil seit über 22 Jahren mitasprechen und im Schlaf nachsynchronisieren kann. Der Grund heißt Bruce Campbell und hat eine undakbare Karriere, da sein Potenzial von Hollywood bis heute nicht richtig gewürdigt wird. Wie kann man einen gut aussehenden, kernigen Typen mit einem gottgegebenen Comedytalent und dem schärfsten Kinn der modernen Filmgeschichte so verheizen!? Diese Zeilen schreibe ich bar jeder Ironie und in der tatsächlichen Überzeugung, dass der archetypische Schreikönig des US-Horrors, unser aller Conventionliebling und Final Guy der Herzen das Zeug zum Comedygenie, wenn nicht sogar zum ernstzunehmenden Dramakönig hätte, würde man ihn denn lassen. Stattdessen begnügt man sich mit Bruces Besetzungs in zu früh abgesetzten Sitcoms, B-Filmen und gelegentlich einigen alles andere entschädigenden Kompensationsrollen wie der des Ex-Navy Seals Sam Axe in der Serie "Burnt Notice" und der grandiosen Serienrückkehr "Ash vs. Evil Dead" einzusetzen. Ätzend, diese Talentverschwendung!
Anzahl der Sichtung ist wie bereits erwähnt mit "Ad Nauseam", wie der Lateiner sagt, zu beziffern. Besagtes Erbrechen kam jedoch nie. Auch, wenn sich nach wiederholten Sehen im letzten Filmdrittel das interne Zeit-Raum-Gefüge des Filmes am Dehnungsverhalten eines halbversteinerten Kaugummis orientiert kann ich immer noch mehr als herzhaft über die ersten beiden Drittel lachenund mich an der Produktionsqualität erfreuen. Definitiv DER un chronologische Einsteigertipp sind die Reihe, wenn es darum geht, neue Akolythen für die Deadite-Jagd zu rekrutieren. Danach kann man die Reise immer noch rückwärts antreten oder direkt mit der Serie fortführen. 10 von 10 in ausnahmslos allen Belangen und nochmal 20 von 10 weil's verfickt nochmal Bruce Campbell ist: lch liebe den Kerl!