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Nach diversen Serials wurde „Howard the Duck“ der erste Marvel-Kinofilm, produziert von George Lucas, der schon nach „American Graffiti“ die Idee einer Adaption hatte, auch wenn sein Freund und Studienkollege Willard Huyck schließlich Regie führte.
Der von Lucasfilm produzierte Boxoffice-Flop zitiert auch reichlich Produktionen des eigenen Studios (etwa wenn ein nach „Raiders of the Lost Ark“ gestaltetes Filmposter „Breeders of the Lost Stork“ bewirbt) und die Popkultur im Allgemeinen, wenn er die humanoide Ente Howard auf seinem Heimatplaneten zeigt. Howard will sich gerade in Ruhe die neuste Ausgabe von „Playduck“ zu Gemüte führen, als ihn eine seltsame Kraft aus seinem Sessel und auf die Erde reißt, womit dann der schräge Humor und die reichlich ausgestellten Effekte etwas gedrosselt werden, mit denen der phantasievolle Prolog aufwarten konnte.
Dort rettet er kurz nach seiner Ankunft die punkige Sängerin Beverly Switzler (Lea Thompson) mit seinen Künsten im Quack Fu vor ein paar Straßenschlägern und bekommt von ihr zum Dank kurzzeitig Obdach gewährt. Beverlys Kumpel Phil Blumburtt (Tim Robbins), wissenschaftlich begabt, aber nur Hausmeister in einem Forschungszentrum, versucht Howard zu seinem Heimatplaneten zurückzuschicken, doch das misslingt, woraufhin der Film sich zeitweilig an fish-out-of-water-Comedy versucht, wenn Howard sich ans Erdenleben gewöhnen möchte und etwa einen Job in einem Wellnesscenter annimmt, den der vorlaute Erpel aber bald wieder verliert.

Allerdings kam bei dem Versuch der Rücksendung Howards ein anderes Wesen auf die Erde, ein Dark Overlord of the Universe, der von dem Forscher Dr. Walter Jenning (Jeffrey Jones) Besitz ergreift. Und der hat weniger nette Pläne auf der Erde als Howard, will er doch weitere Wesen seiner Art nachholen und die Herrschaft an sich reißen…
Man kann nur vermuten, dass der Erfolg von Universals eigenem „E.T.“ dazu führte, dass man „Howard the Duck“ grünes Licht erteilte. Was zu einem seltsamen Zwitter führte, der einerseits noch genug Spuren der satirisch-rabiaten Comicvorlage in sich trägt, andererseits aber auch ein Film für die ganze Familie sein will und daher keine der beiden Zielgruppen so richtig bedient. Am besten ist „Howard the Duck“ sicher dann, wenn er sich tatsächlich auf den Appeal seiner großmäuligen Hauptfigur einlässt, sei es nun der schräge Prolog auf dessen Heimatplaneten, seine Versuche hier Fuß zu fassen oder sein erwachendes libidinöses Interesse an Beverly, was der Film in einigen Szenen mit Doppeldeutigkeiten untermauert, die man so gut es ging ins Family-Entertainment hineingeschmuggelt hat. Denn tatsächlich läuft die Paarfindung auf Erpel und Sängerin hinaus, während die menschlich-männliche Hauptfigur lediglich als Partner von einer Band-Kollegin Beverlys eingeführt wird.
Tim Robbins stand damals auch noch am Anfang seiner Karriere, verkörpert den sympathischen Schussel durchaus gut, wird aber vom Drehbuch kaum gefordert, während Lea Thompson da schon mehr zeigen darf, interagiert sie doch viel mit dem Erpel und sang sogar die Songs selbst. Wenn ein Darsteller jedoch einprägsam ist, dann ist es Jeffrey Jones: Sowohl den harmlosen Wissenschaftler als auch dessen vom Bösen besetzte dunkle Version verkörpert er überzeugend, macht den Wandel ohne große Special Effects sichtbar – auch wenn spätere Effekte ihn natürlich dabei unterstützen.

Denn auch hier zeigt die Firma Lucasfilm sich als Macher des phantasievollen Eventkinos der 1980er, die von kommerziellen Hits wie der „Indiana Jones“-Reihe über mäßig erfolgreiche Filme wie „Willow“ bis zu dem Superflop „Howard the Duck“ alles mit Elan gestaltete. So ist die finale Enthüllung der wahren Form des Dark Overlord schon ein ziemlicher Knaller, der Entenplanet zu Beginn überzeugt durch viele eingestreute Details und auch wenn Howard selbst, teilweise dargestellt von einem Kleinwüchsigen in einem entsprechenden Anzug, vielleicht nicht die Creme de la Creme der Eighties-Effekt darstellt, so ist auch der Erpel durchaus überzeugend gestaltet worden.
Doch die handwerklichen Stärken und die teilweise ziemlich gelungenen, manchmal überraschend freizügigen Gags können nicht darüber hinwegtäuschen, wie banal und egal der erzählerische Rahmen für all das ist: Howards Heimatsdrang wird so lasch dargestellt, dass es dem Zuschauer egal ist, ob er denn nun heimkehrt oder nicht, der Plan des Dark Overlords wird nie richtig bedrohlich dargestellt und auch sonst besitzt „Howard the Duck“ einfach wenig Drive. Eine Flugeinlage mit einem propellergetriebenen Gleiter soll vielleicht für die Kinder im Publikum aufregend sein, nervt aber irgendwann mit ihrer Überlänge und auch insgesamt bleibt der Film eher eine Ansammlung von Episödchen, die mit dem spät eingeführt Dark Overlord erst ein bisschen was von einer erzählerischen Stoßrichtung bekommen – aufregend wird das Ganze dadurch trotzdem nicht.

Die große Katastrophe, welche diverse goldene Himbeeren oder mancher hämischer Bericht angesichts des kommerziellen Misserfolgs aus „Howard the Duck“ machen wollen, ist die Lucasfilm-Produktion nicht, aber ein uninspirierter Versuch irgendwo zwischen satirisch-schlüpfrigem Humor und familienfreundlichem Abenteuerkino zu balancieren ist schon dabei herausgekommen, lustlos erzählt. Da sind auch die meisten gelungenen Tricks und die Momente, in denen der anarchische Humor der Vorlage zu spüren sind, nur teilweise ein Trost.

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