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Entgegen seinem sonstigen Stil versuchte sich Mel Brooks Anfang der 90er an einer sozialkritischen Komödie mit bemerkenswert ernstem Unterton. „Das Leben stinkt“ ist bis heute der einzige Brooks-Film der keine überdrehte Parodie ist und umso überraschender erscheint es das der berühmte Regisseur hier eins seiner besten Werke geschaffen hat.

In der Hauptrolle besetzte sich Brooks selbst und er legt eine wahre Gala-Vorstellung hin, seine Darstellung zeigt all das schauspielerische Können des Multitalents. Natürlich schrieb er auch am Drehbuch mit und fungierte als Produzent. Doch auch sämtliche Nebendarsteller können überzeugen und wirken hervorragend besetzt. Charmant ist vor allem die sehr menschliche und warmherzige Portraitierung der Obdachlosen, dies ist eine der größten Stärken des Films.

Ein wenig erinnert der Plot an die Kult-Komödie „Die Glücksritter“ von John Landis, Brooks findet aber seinen eigenen Stil und inszeniert sein Werk überaus frisch, abwechslungsreich und sehr unterhaltsam. Auch wenn das Ende recht vorhersehbar erscheint und die Moral von der Geschichte sich auch früh erahnen lässt kann die dichte Gag-Rate garantiert für Lacher sorgen. Zum märchenhaften Grundton passt auch die romantische Liebesgeschichte zwischen Brooks und Lasley Ann Warren, die als Obdachlose Molly ebenfalls eine hervorragende Leistung bietet.

So wirkt „Das Leben stinkt“ nicht kitschig, obwohl durchaus verklärende Sequenzen vorhanden sind, spitze Seitenhiebe gegen die Sozial-Fürsorge und die allgemeine Wirtschaftspolitik Amerikas (und dem Rest der Welt) sind mehr als genug vorhanden und gerade die gekonnte Überzeichnung der gierigen Bonzen ist mehr als gelungen. Dazu kommt ein scharfzüngiger Wortwitz, der vor intelligenten Dialogen nur so sprüht und perfekt die gut dosierte Situationskomik ergänzt. Alles in Allem gelang Mel Brooks eine stimmige Melange aus romantischer Komödie und sarkastischer Satire und gleichzeitig eine ungewohnt radikale Abkehr von seinem gewohnten Stil.

Auch die emotionale Glaubwürdigkeit stimmt in den tragischen Szenen und man merkt einfach, dass die Mixtur stimmt. Brooks lässt niemals über das Schicksal der Obdachlosen lachen und zeigt ihr trostloses Dasein überraschend realistisch und gleichzeitig warmherzig und ohne penetrante Klischees.

Fazit: Mal was anderes vom Meister der Parodie und dazu noch sehr gelungen. Bedenkt man die hohe Qualität des Films und die abnehmende Qualität der darauf folgenden Werke wie „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ oder „Dracula – Tot aber glücklich“ fragt man sich doch warum es Mel Brooks nicht noch mal mit einer etwas seriöseren Komödie versucht hat. Eine klare Empfehlung für jeden Komödien-Fan.

8,5 / 10

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