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"Wenn ich Glück habe wird die Tat, die ich im Augenblick plane, den Mächtigen zeigen, dass selbst das kleinste Körnchen Sand die Macht besitzt sie zu zerstören."

„Attentat auf Richard Nixon“ basiert auf einer wahren Begebenheit. Im Februar 1974 vollzog Samuel Joseph Byck einen Anschlag auf das Weiße Haus und dem damaligen Präsidenten Richard Nixon. Sein Plan wurde aber noch im Passagierflugzeug, welches er entführen wollte, verhindert und so geriet er in Vergessenheit.

In der Rolle des Sam Bicke spielt Sean Penn die Zeit kurz vor der Planung und Ausführung des Attentats nach. Bicke ist ein ehrlicher und gutherziger, aber leider auch geistig etwas zurück gebliebener und sehr unsicherer Mensch. So wie Andere möchte er ein zufriedenes Leben führen und sich einen teil des amerikanischen Traumes sichern. Allerdings durchlebt er eine Zeit, in der seine Prinzipien und Wünsche nicht erfüllt werden. Seine Ehe mit Marie (Naomi Watts) ist am scheitern, sein neuer Job als Verkäufer von Büromöbeln lässt ihn gegen seine Prinzipien, immer die Wahrheit zu sagen, handeln und die Idee einer mobilen Autowerkstatt gemeinsam mit seinem farbigen Freund Bonny (Don Cheadle) hängt an einem nicht genehmigten Kredit. Immer öfter lässt Bicke seinen Aggressionen freien Lauf und fixiert sich auf den größten Lügner seiner Zeit: Präsident Richard Nixon.

Der noch recht unerfahrene Regisseur Niels Mueller legt bereits zu Beginn seiner Karriere einen wahren Meilenstein ab. Die geniale Charakterstudie eines sanftmütigen, mittelständigem Arbeiters der langsam aber beständig zum wahnsinnigen Terroristen mutiert, wirkt sehr durchdacht und gut dokumentiert.
Der durchgängig depressiv gehaltene Plot ist voll und ganz auf seinen Hauptcharakter ausgelegt. Seine Gedankengänge werden ständig offenbart, sodass man immer nachvollziehen kann was Bicke gerade durch den Kopf geht und wie er sich fühlt. Somit wird ein ständiger Bezug zur sich wandelnden Hauptfigur hergestellt.

Der Film ist anspruchsvoll und unterhält genau genommen keine Minute. Stattdessen regt das Psychogramm über den werdenen Attentäter zum nachdenken an. Zu keiner Zeit wird Partei ergriffen, der Stoff ist möglichst neutral ausgearbeitet, wodurch sich Sympathie zur Person entwickelt. Häufige Fragestellungen und Aussagen über die Gesellschaftsordnung, wie beispielsweise die Aussage: "Die Erde wird nie von den sanftmütigen gehören. Die Erde gehört diesen Rüpeln, denen es egal ist wie sie an die Spitze gelangen, hauptsache sie kommen dort an.", geben ebenso Möglichkeit zum interpretieren und unterstreichen die Handlungen von Bicke.
Die im Hintergrund gehaltene, musikalische Untermalung im klassischen Stil passt zum ebenso ruhigen Verlauf der Handlung und seinem melancholischen Unterton.
Auf Action wird, mal vom drastischen Finale abgesehen, verzichtet. Trotzdem kommt selten Langeweile auf. Einzig ein paar Längen bei der Vorbereitung des Attentats gegen Ende trüben den Gesamteindruck.

Sean Penn, der mit “Mystic River“ seinen verdienten Oscar gewann, steigert sich nochmals mit dieser Rolle. Alleine schon seine Leistung macht „Attentat auf Richard Nixon“ sehenswert und beeindruckt von Minute zu Minute. Neben ihm stehen noch Naomi Watts ("King Kong", "The Ring") als gestresste Ex-Frau und Don Cheadle als Automechaniker und einziger Freund.

Durch eine intensive, publikumsnahe Präsentation, einen tollen Sean Penn und die passende pessimistische Atmosphäre gelingt die Aufführung des brisanten und nach wie vor aktuellen Themas. Einzig ein paar Längen und der recht unspektakuläre Ablauf verhindern dem Werk eine höhere Wertung.

7 / 10

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