Ein charismatischer Muskelprotz! Eine Alibi-Handlung! Jede Menge beinharter Old School-Action! Das hört sich doch ganz nach "Phantom Kommando" an. Doch wir befinden uns nicht mehr in den 80ern, sondern in der Gegenwart, und der Film heißt "Direct Action". Und da Arnie zur Zeit den politischen Zampano spielt, wird besagter Muskelprotz hier von Dolph Lundgren (Universal Soldier) verkörpert. Zwar ebenso ein Relikt der 80er und frühen 90er Jahre wie Arnie, liefert Lundgren genau wie Kollege Jean-Claude Van Damme wieder eine ordentliche Show ab. Beide scheinen gecheckt zu haben, dass es schlecht mit der Rente aussieht und haben sich daher aufgerafft, um ihre Fans von Old School-Action zufrieden zu stellen. Van Damme ist dies mit "Wake of Death" gelungen, und auch Lundgren ist mit seiner zweiten Regiearbeit "The Mechanik" und eben "Direct Action" auf dem richtigen Weg. Schön zu sehen, dass unsere Action-Lieblinge alter Tage gemerkt haben, dass sich mit billig heruntergekurbelten Ostblock-Produkten (Seagals "The Foreigner" dürfte dafür ein Paradebeispiel sein) die Rentenkasse nicht füllen lässt. Lediglich Seagal scheint noch dieser Ansicht zu sein.
Frank Gannon (Dolph Lundgren) arbeitet seit Jahren als Cop für die Direct Action Task Force. Desillusioniert von der zunehmenden Korruption innerhalb der Polizei sagt er kurz vor seiner Pensionierung gegen bestechliche Kollegen aus. Die schwören Rache und stellen ihm eine mörderische Falle: Franks letzte Schicht soll ihm das Leben kosten. Ausgerechnet an diesem Tag wird ihm die noch völlig unerfahrene Polizistin Billie Ross (Polly Shannon) zugeteilt. Auf Frank wartet der härteste Dienst seiner ganzen Karriere, denn dieses Mal lauert der Feind in den eigenen Reihen...
Dolph Lundgren ist noch ein echter Kerl, neben dem Orlando Bloom, Josh Hartnett und Paul Walker wie bemitleidenswerte Milchbubis wirken. Wesentlich fitter in Form als Seagal macht Lundgren eine beachtliche Actionperformance, da er nicht nur etliche Wummen sprechen lässt, sondern auch diverse Knochen derbe und eindrucksvoll bricht. So wünscht man sich das von einem Actionstar vergangener Tage. Ihm zur Seite hat man die sehr attraktive Polly Shannon (Harvard Man) gestellt, die nicht nur mit dem Tavor CTAR-21-Maschinengewehr eine gute Figur macht. Warum werden nicht mehr B-Movies mit solchen sexy Sidekicks verschönert? Die von Conrad Dunn (Mit stählerner Faust) angeführte Schurkenriege geht auch in Ordnung, wenngleich keiner wirklich aus dem Cast hervorragen kann.
Bei "Direct Action" ist der Titel Programm, da Lundgren hier selten lange fackelt und direkt zur Tat schreitet, statt irgendwelche pseudocoolen Sprüche zu klopfen. Hart und kompromisslos drescht er sämtliche böse Buben zusammen. Der Schusswaffengebrauch ist auch groß, und Lundgren sowie Shannon lassen mehr als einmal das Tavor CTAR-21-Maschinengewehr zum Einsatz kommen. Aber auch anderer Projektilwaffen wie der Pumpgun und der Beretta wird sich bedient. Dementsprechend gibt es zahlreiche blutige Shootouts. Auch eine passable C4-Explosion in einer Fabrikhalle war im Budget drin gewesen. Nur beim Beschuss von Fahrzeugen wird im Actionbezirk das geringe Budget sichtbar, da hier einfache Effektfunken Abpraller darstellen sollen und Einschusslöcher so gut wie gar nicht vorkommen. Damit er im Actionbereich voll auf die Kacke hauen durfte, musste Regisseur Sidney J. Furie (Lethal Point) natürlich finanzielle Abstriche bezüglich Kulissen und Statisten machen. So riecht die Polizeistation zu Beginn eher nach Abstelllager und einfacher Tiefgarage, statt nach einer echten Bullenstation. Auch was die von Furie erdachte Handlung angeht, bleibt davon nicht mehr als eine x-beliebige "Training Day"- und "Dark Blue"-Kopie übrig. So wirken auch die beiden CIA-Agenten als Subcast irgendwie unmotiviert. Das ist aber nicht weiterhin schlimm, da die tolle Action und Lundgren selbst als Lückenfüller mehr als entschädigen können. Lediglich Lundgrens Outfit hätte man besser wählen können, da er oftmals wie ein Jogger auf dem Weg zum Kiosk aussieht. Doch im Kampfeinsatz ist bequeme Kleidung ja eh erforderlich. Die Mucke ist größtenteils gut ausgewählt worden und unterstützt den handlungsarmen Streifen noch zusätzlich.
Somit dürfte "Direct Action" nichts für intellektuelle Cineasten sein, sondern vielmehr was für Freunde von Old School-Actionern wie "Phantom Kommando", "City Cobra" und "Harte Ziele". Dolph Lundgren jedenfalls hat als Actiondarsteller auch in fortgeschrittenem Alter noch einiges drauf, von dem sich jüngere Möchtegern-Helden noch eine Scheibe abschneiden könnten.