Review

Erfrischend, dass aus Großbritannien immer noch komödiantische Beiträge kommen, die ihre typisch bitterböse Art untermauern. Auch wenn das Debüt von Christian James als Independent Produktion mit äußerst geringem Budget einzustufen ist, macht sich das nur selten bemerkbar und offenbart vor allem viel Herzblut seitens der Beteiligten. Nicht selten erinnert das Werk an Tromas „Toxic Avenger“: Tiefschwarzer Humor, liebevoll ausgearbeitete Situationskomik und vor allem groteske Momente bestimmen hier das Geschehen.

Entsprechend des Titels stehen drei Freaks im Vordergrund. Merv, der Filmfreak, der seine Behausung mit Postern aller neuzeitlichen Horrorstreifen tapeziert hat und sich scheinbar ausschließlich seinem Hobby hingibt. Dann sein bester Freund Onkey, der erfolglos in einem ebenso erfolglos laufenden Bowlingcenter arbeitet und letztlich der Ultra-Freak. Looney wurde als Kind nämlich gehänselt, weil er Vegetarier ist, kurz darauf weggesperrt, woraufhin ihm nach 13 Jahren die Flucht gelingt. Prompt trifft er der als erstes auf Merv, der den Typen mit Leinensack über dem Kopf für einen Serienkiller hält, der Looney jedoch gar nicht ist. Merv und Onkey wittern allerdings ein gehöriges Vermarktungspotential und trainieren ihn zum Serienkiller.

Als eine weitere Ausgabe von „Scary Movie“ sollte dieser Streifen gewiss nicht verstanden werden, auch wenn er im Verlauf zahlreiche bekannte Horrorstreifen persifliert. Dabei legt man sich nicht so sehr auf bestimmte Filme fest, sondern bewegt sich immerzu im globalen Sumpf des konventionellen Slashers. Nur am Rande wird aus „Salems Lot“ Salems Slot, einer „Evil Dead“ Sequenz nachgeeifert und festgelegt, dass Namen bekannter Serienkiller vorzugsweise aus vier Silben bestehen (Freddy Krüger, Jason Vorhees,…). Schauplätze wie ein leerstehendes Einkaufszentrum („Zombie“ und „The Intruder“) sorgen dabei stets für einen relativ hohen Wiedererkennungswert. Zudem werden auch populäre Filme außerhalb des Genres untergebracht, von „Jumanji“ bis zu „Karate Kid“ („Auftragen – Polieren“).

Vielmehr aber punktet der leichtfüßige Trash Faktor, der sich aus dem Zusammenspiel sympathisch überdrehter Charaktere innerhalb grotesker Situationen ergibt. Etwa, wenn der Killer im dunklen Wald auf seine Opfer wartet, ihm jedoch etwas mulmig wird und er anschließend angsterfüllt wegrennt. Oder wenn im Fernsehen nach Larry Hagman als verdächtiger Räuber gefahndet wird, während sich die wahren Täter munter vor der Kamera tummeln. Dazu kommen Szenen, die Ausschnitte eines typischen Horrorstreifens zeigen. Da nähert sich etwas dem Haus des Opfers, Musik erklingt dramatisch, die Kamera fährt in Windeseile zur Eingangstür, es klingelt, man öffnet, - aber da wird mit Sicherheit nicht ein Killer stehen. Manchmal sind es auch nur die kleinen Gags am Rande, die für Heiterkeit sorgen. Wie in einer Szene, als Merv bemerkt“ Oh, dreckige Hände!“ Kurz darauf befindet er sich unter der Dusche und hält auch eine Rasur für notwendig.

Kaum eine Pointe wirkt hier bemüht, nur könnte die Gagdichte ein wenig intensiver sein, denn zuweilen hält man sich etwas zu lange mit unnötigen Personen oder wenig ansprechendem Getue gegenüber dem anderen Geschlecht auf. Auch der „Killer“, dessen Gesicht man zu keiner Zeit sieht (trägt erst Kartoffelsack, später Eishockeymaske), nervt zuweilen ein wenig. Er lispelt und wurde ziemlich schrill synchronisiert, singt dämliche Lieder und gibt ansonsten nur platte Sätze von sich, die schon annähernd dem albernen Killer eines Jochen Taubert Werkes in „Tod der Schmetterlinge“ gleichkommen. Dieses Niveau will sich nicht so recht dem ansonsten gut durchdacht, pointiertem Ablauf anpassen.

Schließlich mordet der Bemitleidenswerte auch, obgleich sein Tatwerkzeug hauptsächlich aus einem Bratenwender besteht. Die Effekte äußern sich in einem angenehm übertriebenem Maße, so dass kein unbedarfter Zuschauer Übelkeit erwarten müsste, - der Braindead-Effekt also. Und die FX können sich für Amateurniveau mehr als sehen lassen.

Darüber hinaus performen die weitgehend unbekannten Darsteller ordentlich und fallen allenfalls durch angemessen trashiges Overacting auf. Gleiches gilt für die Musik, die in sämtlichen Situationen treffsicher eingesetzt wird. Zudem erweitern ein paar Songs, die nicht von Ungefähr nach Achtziger klingen, den Unterhaltungswert. Da wird aus Michael Sembellos „Maniac“ ein Zaniac und klingt dennoch genauso hohl, doch tanzbar wie damals.

Ja, es ist schon ein sympathisches Filmchen, das Christian James mit seiner Crew im Zeitraum von vier Jahren zusammengeschustert hat. Trash Freunde werden ohnehin nicht nach Sinn und Aussagekraft der Story fragen, so dass einem geneigten Anhänger diverser Troma Filme die ein oder andere dramaturgische Schwäche nicht so sehr auffallen wird. Es geht nicht immer voll zur Sache, nur im letzten Drittel ist spürbar höheres Tempo drin. Doch darüber hinaus punktet in ruhigeren Momenten durchdachter Humor, denn, kennt man als Horrorfilmfreak auf Anhieb wirklich den Unterschied zwischen Frankenstein und Frankensteins Monster? Dazu kommen selten blöde Sprüche wie: „Ich habe eine Party in meiner Buxe und du bist eingeladen“, die so scheiße klingen, dass sie schon wieder gut sind.

Wer sich also gerne grotesken Situationen hingibt und dabei nicht allzu sehr auf einen roten Faden oder gar einem tieferen Sinn hinter der Sache pocht, sollte sich „Freak Out“ einmal zu Gemüte führen.
7,5 von 10

Details
Ähnliche Filme