Inhalt:
China, im Jahre 1457. Die seit 1368 regierende Ming-Dynastie befindet sich in einer tiefen Krise. Der Kaiser ist durch die Clique der Palast-Eunuchen quasi entmachtet.
An deren Spitze befindet sich Ober-Eunuch Tsao Shao Chin (Pai Ying), und dieser kann seine Macht auf 2 Organisationen stützen: Den Geheimdienst der sogenannten "Ost-Agentur" mit ihrem Chef, dem skrupellosen Pi Shao-Tung (Miao Tien), sowie die kaiserliche Garde mit deren Anführer, General Mao Tsun Hsien (Han Ying-Chieh).
Um seine Macht weiter auszubauen, lässt Tsao den rechtschaffenen Verteidigungsminister, General Yü Chien eiskalt hinrichten.
Dass dessen Kinder, darunter seine Tochter (Hsu Feng), ebenfalls sterben müssen, ist beschlossene Sache.
Auf ihrem Weg in die Verbannung, sollen diese Nachkommen Yü´s erbarmungslos getötet werden.
Dies sollen Pi und Mao mit ihren Männern bewerkstelligen. In der Herberge zum Drachentor, im Grenzgebiet, quartieren sich diese Männer ein, um den Treck mit den Gefangenen abzufangen.
Doch patriotische Kräfte um den unter Yü dienenden General Wu Ning (Cho Kin), wollen die Nachkommen des Hingerichteten retten: Der Schwertkämpfer Hsiao Shao-Tzu (Shih Chun), der sich ebenfalls in der Herberge einquartieren kann, sowie die Geschwister Chu, dies sind der hitzköpfige Chu Chi (Sit Hon) und seine Schwester, die Amazone Chu Huei (Polly Shang Kuan).
Ihnen schließen sich später noch 2 Kämpfer der Gegenseite an.
Durch geschicktes Fintieren und ihre Schwertkunst, können diese Kämpfer ihren Gegnern die Stirn bieten. Es kommt zu ersten Kämpfen, und die Kinder Yü´s können in Sicherheit gebracht werden.
So nimmt sich Tsao Shao Chin schließlich der Sache selbst an. In den Bergen kommt es zum finalen Kampf, zum Show-Down um Leben oder Tod......
Fazit:
Meine kleine Reihe über Werke des höchst ambitioniert-renommierten Regisseurs King Hu geht mit einem berühmten Streifen von ihm, "Dragon Inn" ("Die Herberge zum Drachentor") weiter..., obwohl ich dafür eigentlich nicht der richtige Mann bin.
Da ich nun mehr auf kommerzielle Eastern stehe, und die Werke Hu´s denn eher was für "Cineasten" sind.
Doch will man hier als Fan des Genres dieses denn hier in allen Facetten beleuchtet sehen, kommt man an King Hu nicht vorbei.
Und muss sich auch mal durch dessen oft langweilige Filme beißen. Schließlich gelten viele von diesen als "Kultklassiker" des Genres, als stilbildende, als prägende Streifen dieser Gattung. Na ja.
"Dragon Inn" entstand im Jahre 1967, ein Jahr nach "Come drink with me" ("Das Schwert der gelben Tigerin", siehe mein Review auf dieser website), den Hu für die Shaw Brothers dirigierte. Hu wechselte zu "Union Film International Film Production" nach Taiwan.
Raus aus dem engen Hongkong, den noch engeren Shaw-Studios.., um auf Taiwan sein Auge für das Visuelle noch besser zu entfalten. Na ja, vielleicht liegt es ja an der mir vorliegenden Fassung (DVD von "starmedia"), dass der Film im TV-Look rüberkommt. Und somit die entsprechende, nüchterne Atmosphäre hat, die Farben eher blass sind, und die Landschaft in weiten Phasen des Films nicht so imposant rüber kommt. Das TV-Feeling verstärkt sich hier noch durch die Synchronisation, die offenbar wirklich für das deutsche Fernsehen entstand, da der Film offensichtlich nicht in deutschen Kinos gezeigt wurde. Die Synchronisation kann zwar im wesentlichen überzeugen, aber den Ex-"Tagesschau"-Sprecher Joachim "Jo" Brauner hier als Off-Sprecher zu hören, ist schon ein bisschen skurril.
King Hu bemüht sich, seinen Film, der letztendlich eine einfache Story hat, subtil und gemächlich aufzubauen. Die Storyline kommt fast schleppend in Gang, was den Film phasenweise langatmig macht, ja langweilig. Das muss ich als eher orthodoxer Eastern-Fan, der das Tempo und kernige Action liebt, leider wieder so konstatieren. "Sorry", muss ich den Cineasten da mal wieder sagen.
Bedeutet denn ein langatmiger Aufbau, eine schwerfällige Gangart, denn zwangsläufig... "Kunst"? Oje, dann habe ich damit aber meine Schwierigkeiten, herrjeh.
Immerhin, hier ist mehr Drive drin als in "Raining in the mountains" ("Regen in den Bergen", siehe mein Review auf dieser website), der immerhin 12 Jahre später entstand, und vor allem mehr Drive als in King Hu´s ja so gefeierten wie superlangweiligen "Meisterwerk" "A touch of Zen" ("Ein Hauch von Zen") aus 1969/1971.
Dafür sorgt ein für 1967 noch einigermaßen Dramatik und leichte Dynamik beinhaltendes Finale, in -endlich- pittoresker Berglandschaft.., und kurz zuvor noch einige Schwertfights mit der hier blutjungen, debütierenden Polly Shang Kuan, die ein klarer Lichtblick in dieser oft den Zuschauer einlullenden Produktion hier ist.
Der Aufbau ist also subtil, langatmig, ja oft fade und einlullend, gehalten.., die Kulissen einfach, die Farben blass, die Landschaft ländlich-karg, bis auf die Berge im Finale.
So braucht denn Hu satte 106 Minuten, um die simple Geschichte -4 Patrioten hauen die Kids eines guten Generals aus den Fängen bösewichtiger Typen raus- hier etwas umständlich auf die Reihe zu bekommen. Doch muss ich sagen, man bleibt als Betrachter am Ball..., und wirklich langsam, so dass man es als Zuschauer irgendwie kaum bemerkt, erreicht "Dragon Inn" einen Spannungsbogen, der in ein für damals noch relativ zackiges Action-Finale mündet. Alles kann King Hu somit doch nicht falsch gemacht haben...., ich weiß nicht.
Schließlich, als Ober-Villain Pai Ying die Szenerie der finalen Auseinandersetzung betritt, ist man als Zuseher denn voll auf den Bildschirm konzentriert.., na immerhin. Da war ich bei "A touch of Zen" schon weggeröchelt.
Man muss natürlich "Dragon Inn" auch aus seiner Zeit heraus betrachten, das war ja auch schon bei "Come drink with me" so. Dass da die Swordplay-Action noch relativ hölzern rüber kam, noch nicht den Drive späterer Produktionen hatte, ist doch ganz klar.
Hier versucht aber King Hu mit "wireworks" nachzuhelfen, und im Finale vor allem durch den Schnitt und eine mobilere Kamera. Das merkt man erst im Show-Down so richtig, der so wie der gesamte Streifen gedehnt ist, aber für etliche Längen zuvor einigermaßen entschädigen konnte, wohlwollend formuliert.
Ganz klar, der Show-Down mit Pai Ying gegen mehrere Gegner auf Seiten der Guten, in gewaltiger Berg-Kulisse, die Action-Sequenzen mit Polly Shang Kuan, sie sind klar das Beste in King Hu´s bemüht-ambitioniertem Früh-Eastern.
Am Ende ist man als Betrachter somit auch etwas zwiegespalten.., und ich fragte mich: War das gemessen am frühen Baujahr noch ein relativ guter Eastern, trotz der Langeweile zuvor? Nimmt man das Renommee des Regisseurs, misst man das daran.., muss ich sagen: Na ja, was ich sah ist etwas besserer Durchschnitt. Wer mehr Drive und Tempo erwartet, darf sich einen so früh entstandenen Eastern, zumal von King Hu, einfach nicht antun. Fertig.
Der Darsteller Shih Chun hält so etwas wie die Hauptrolle hier inne. Er langweilte mich schon in "A touch of Zen" zu Tode..., hier aber kann er durch eine leicht gewitzte Art die Villains narren, und dem Betrachter somit etwas besser gefallen, als in jenem überschätzten "Meisterwerk" Hu´s.
Miao Tien bringt seine skrupellos-böse Aura gekonnt zum Ausdruck, Han Ying-Chieh bleibt dagegen etwas blass. Sit Hon spielt einen Hitzkopf unter den Guten routiniert.
Pai Ying ist als blondierter Ober-Villain hier bemüht, wirkt aber in seinem Spiel eher steif, die Action lag ihm etwas mehr.
Lichtblick ist eindeutig Polly Shang Kuan in ihrer ersten Film-Rolle. Die hier mal gerade 18-Jährige deutet hier bereits an, was sie später zu wahrer Meisterschaft führte: Die blitzenden Augen, eine agil-zackige Körperbeherrschung.., ihre Kampf-Sequenzen sind die besten hier. Polly ist hier, genauso wie die hier mal gerade 17-Jährige Hsu Feng in einer stummen Mini-Rolle, die Entdeckung von King Hu. Das ist vielleicht sogar das Allerbeste an "Dragon Inn" und seiner Entstehung.
Nimmt man immer das Baujahr des Films in Relation, so ist das Endsegment, als sich der Show-Down entwickelt, noch das Dynamischste an "Dragon Inn".., mit mobiler Kamera, etwas "wirework" und vor allem dem Schnitt, bekommt King Hu Drive in die Sache seines zuvor lendenlahmen Eastern. Die Schwerter klirren, werden auch mal in die Leiber gerammt, das Blut fließt etwas, das Tempo zieht an, und die Berge bilden eine prächtige Kulisse.
Für 1967 und einen Film von King Hu -das muss man immer mit anfügen, wie bei "Come drink with me"- war die Action am Ende noch in Ordnung.
Ja, was will man erwarten? Von einem wie mir, für den ein Eastern Unterhaltung ist, für den kernige Fight-Action zu einem Eastern dazu gehört, und beflissene "Kunst" für andere Genres da ist?
Da tue ich "Dragon Inn" wohl unrecht.., aber "Kunst", ein Meisterwerk? Nö, kann ich mich nicht zu durchringen. Gemessen am Baujahr, bringt "Dragon Inn" am Ende einen dramatischen, mit leichter Dynamik angereicherten Final-Kampf, zuvor muss man sich durch langweilige Passagen quälen.., die Darsteller sind solide in ihrem Spiel, und Anhänger von Polly Shang Kuan erleben die später noch viel quirligere Fighterin in ihrem Debüt.
"Dragon Inn" ist ein Klassiker des Genres..., zusammen mit diesem Bonus und den eben genannten Plus-Punkten, kommt denn "Dragon Inn" bei mir noch auf sehr, sehr knappe, wohlwollende 6/10 Punkte in der Bewertung.
Noch einen Film von King Hu will ich hier besprechen, bevor meine kleine Reihe über die Werke dieses Regisseurs endet. Irgendwie bin ich froh, dass es dann mit kommerzielleren Streifen des Genres für mich hier weiter geht.....