Balgen gehört zur Hausordnung
"Dragon Inn" gilt gemeinhin als Wuxia-Meilenstein und King Hus legendäres Treiben in der Drachenherberge zeigt schnell warum. Kurzweilig, unterhaltsam, heldenhaft. Mit einem einzigen beeindruckenden Set, legendären Helden, fiesen Bösewichten und einer direkt zum Punkt kommenden Handlung. Und dabei hat man noch nicht von den wegweisenden Kämpfen gesprochen, die mit zum Besten gehören, was das Wuxia-Genre in seinen frühen Jahren zu bieten hatte. "Dragon Inn" ist eine Herberge mit Kultcharakter, in die man liebend gern immer wieder einkehrt. In Sachen Einfluss und Vorbildfunktion, Kreativität und Stilmix ist "Die Herberge am Drachentor" eh 1A. Es geht um die Familie und Nachfahren eines hingerichteten Generals, die durch die Pampa an einer steinigen Herberge vorbeigeführt werden, mit ihrer Hinrichtung bzw. Exekution durch den königlichen Geheimdienst als Ziel. Doch da haben die motivierten Gesandten ihren Killerplan ohne ein paar der mutigen & kampfgeschulten Insassen des spartanischen Motels gemacht, die sich spontan in den Beschützerdienst der gepeinigten Familie stellen.
"Dragon Inn" gehört genau wie die anderen Hu-Produktionen dieser Zeit zur Grundausbildung in Sachen Eastern und vor allem Wuxia. Durchzogen von gar nicht mal so viel Seilakrobatik, dafür mit umso mehr handfesten Schwertkämpfen, macht diese mitreißende Geschichte über Mut, Ehre und Loyalität seinem Ruf alle Ehre. Die Anspannung in der Herberge ist spürbar, der Humor überraschend und erfrischend, die Kämpfe sind perfekt getimed und nie hat man das Gefühl, dass unsere Helden unverletzbar sind. Wesentlich actionlastiger als Hus epischer "A Touch of Zen", mit weniger Leerlauf und fast ebenbürtigen Landschaftsaufnahmen. Das eine Setting wird nicht langweilig und schnell schließt man die zusammengewürfelte Rasselbande auf der Seite der Guten ins Herz. Selbst wenn man hier mit ihrer Charakterisierung etwas geizt. Filme wie "Hero" oder "Tiger & Dragon" müssen hiervor in die Knie gehen und Tribut zollen. Blutig, klirrend, glänzend. Und wieder gibt eine enorm starke Frauenrollen, die ihrer Zeit Jahrzehnte voraus ist und den Männern in nichts nach steht. Manche Cuts und das überplötzliche "The End" waren für mich jedoch gewöhnungsbedürftig.
Fazit: einer der Knotenpunkte des Eastern - weniger esoterisch als "A Touch of Zen", ernsthafter als "Come Drink With Me". Eine von King Hus feinsten Perlen. Besser als all seine Remakes, trotz altersgemäß niedrigerem Tempo.