Review

Rubrik: Filme, die ich schon jahrelang sehen wollte, aber damals bei der TV-Ausstrahlung in den späten 80ern/frühen 90ern irgendwie verpasst hatte.

Heutzutage ist „Feuerkäfer“ leider fast vergessen, einer der seltenen Fälle wo der Katastrophenfilm der 70er sich mit den „Tiere greifen an“-Movies der gleichen Dekade verbunden hat, was schade ist, denn viele andere, nicht eben zwingend gelungene Filme sind aus derselben Phase noch immer in aller Munde – man denke nur an „Der Tödliche Schwarm“, diverse andere Bienenfilme oder Bert I.Gordons knuffige Schrottverfilmungen von H.G.Wells.

„Feuerkäfer“ oder „Bug“, wie es treffender heißt, denn eigentlich handelt es sich bei den Tierchen um simple Schaben, hätte da mehr Anerkennung verdient, denn er ist nicht nur insgesamt tricktechnisch mehr als solide gemacht, er ist als Basis auch eine Romanverfilmung und fährt in der zweiten Hälfte verblüffende Parallelen zu Saul Bass‘ „Phase IV“ aus dem Jahr davor auf.

Tatsächlich zerfällt diese – übrigens finale – Produktion des großen Gimmickregisseurs William Castle in ziemlich genau zwei gleich große Teile. Und das tut dem Film nicht gut. Aber es gibt viel zu entdecken.

Die erste Hälfte deckt sich im Wesentlichen mit den üblichen Tier-Invasionsfilmen, die man so kennt. Am Anfang steht ein katastrophaler Kirchenbesuch in einem Gotteshaus am Rande der Stadt, als ein Erdbeben das wunderbare Set quasi dem Erdboden gleichmacht. Die Sequenz, in der nach und nach das gesamte Gebäude bricht und die Gottesdienstbewohner unter sich begräbt, ist enorm geschickt gemacht und höchst beklemmend.

Eine Folge dieses Erdbebens ist dann auch, dass sich eine tiefe Erdspalte aufgetan hat und diverse unbekannte Schaben an die Oberfläche gekrochen sind. Diese haben eine unangenehme Fähigkeit, sie können mit ihrem Hinterteil Feuer entzünden.

Das ist insofern ungewöhnlich, da die Macher – speziell der noch relativ junge Regisseur Jeannot Szwarc, der später den zweiten weißen Hai, Supergirl und Santa Claus an die Wand fahren sollte, die Entzündlichkeiten nicht einfach so mit Schwelen und Löcherbrennen inszenieren lässt, sondern gleich die schweren Geschütze auffährt.

Brennen die Viecher in einem Auto los – sie halten sich offenbar gern im Auspuff auf – dann entzündet sich nicht was, es entzündet sich ALLES, unter einer kompletten, allumfassenden Brandexplosion des Vehikels fangen wir gar nicht erst an. Und später, wenn die Viecher reihenweise in menschlichen Behausungen nicht wahrgenommen werden, dann verwandeln sich die von einem oder zwei Schaben Angekokelten gleich in monströse menschliche Fackeln.

Selbige sind dann auch recht beeindruckend anzusehen, in einem Fall röstet so ein Vieh einer Frau die Perücke an und dann ist auch schon Scheiterhaufen angesagt.

Mit diesen Ausreißern, die alle 10-15 Minuten vorkommen, hält der Film seinen Plot am Laufen und sorgt dafür, dass man sich nicht zu sehr an den Cast gewöhnt, der fast kollektiv zur Hölle fährt. Aber nach und nach fokussiert der Film dann mehr und mehr auf Bradford Dillmans James Parmiter, der das Unheil nicht nur dokumentiert, sondern auch noch anfacht. Da die Viecher in der normalen Atmosphäre bald absterben, kreuzt der Bekloppte die Viecher mit anderen Schaben/Käfern und sorgt nicht nur dafür, dass sie geflügelt einen Mobilitätspreis gewinnen, sie entwickeln nach und nach auch ungeheure Kommunikationsfähigkeiten und melden sich bei ihrem Schöpfer mit Botschaften in korrekter Rechtschreibung, die sie aus ihren Körpern formen.

Dieser zweite Teil des Films ist dann der erwiesen depperte, denn Parmenter übersieht mal eben bis zum Showdown, dass er hier eine Bedrohung für die Menschheit züchtet – wieso er das auch immer tut – es gehen nebenbei auch immer mal wieder Teile des Casts drauf, während er augenrollend über seiner Schabentaucherkammer thront.

Das Finale ist dann dementsprechend, es müssen schon ein Opfer und ein Fingerzeig Gottes (= neues Erdbeben, pünktlich wie die Maurer) , damit der ganze Mist wieder begraben wird, wobei bewiesen wird, dass die nachgewiesene Intelligenz bei Mensch und Schabe dann doch wieder nicht so groß war.

Wie gesagt, hätte ein Kracher werden können, doch als der Film so richtig in Fahrt kommt, nimmt er die Abzweigung zum Labordrama und steuert in Richtung „Phase IV“, allerdings ohne die Subtilität und auch ohne die Bildgewalt. Damit verliert das Katastrophendrama in der Mitte ungewöhnlich viel an Tempo und Drive und je weiter wir in Richtung Finale driften, desto mehr lädt der Film zu einem Nickerchen ein.

Sein Geld hat er dennoch eingespielt, auch wenn er Dillman, durchaus ein bekannter Mime der 70er, nicht weiter geholfen haben wird, auch wenn er ihm eine Hauptrolle bot. Noch während der 70er musste der Gute auch noch gegen Bienen („The Swarm“) und Piranhas („Piranha“) antreten. Alles in allem eine solide (getrickste) Sache, die aber nicht so gegensätzliche Hälften hätte haben müssen. (5/10)












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