Review

Ich persönlich habe es ja nicht so mit Filmbiographien irgendwelcher Persönlichkeiten. Doch bei "Ray" hat es auch mit vor den Fernseher verschlagen, da ich ziemlich musikinteressiert bin und von Ray Charles Robinson bis jetzt nicht sonderlich wusste. Obwohl er und seine Musik mir natürlich schon immer bekannt war.

Und trotz seiner doch recht beachtlichen Lauflänge von 2 1/2 Stunden muss man sagen, dass er wirklich kurzweilig inszeniert worden ist. Angefangen bei seiner "Abreise" aus seiner Heimatstadt in Richtung Musikbusiness bis hin zu zahlreichen Drogenexzessen und "Sexkapaden", die nicht nur seine Karriere des Öfteren am Rande des Scheiterns hatten. Es werden nicht nur die unumstrittene Seiten des Stars gezeigt, wie er es vom Tellerwäscher zum Millionär schaft, sondern auch stets die negativen und ausufernden Charakterzüge des Menschen Ray Charles Robinson aufgezeigt. Es gibt daher einen recht interessanten und detailgetreuen Einblick in das Leben des Ausnahmekünstlers, der letztendlich 2004 verstarb.

Auch das ist übrigens ein Vorteil des Film. Sein Tod wird im Film nur am Ende in Form eines Textes angespielt und nicht pathetisch und in übertriebener Form auf der Leinwand präsentiert. Im Mittelpunkt steht eigentlich wirklich nur seine Karriere als Musiker. Die Schicksalsschläge seiner Kindheit, wie er seinen Bruder verlor, an dessen Tod er sich stets die Schuld gab, oder als er erblindetete und auf eine Blindenschule geschickt wird, werden nur in Rückblenden nach und nach beleuchtet. Und zwar immer dann, wenn sich Ray an die jeweilige Situation erinnert, weil ihm gerade im Moment etwas daran denken lässt.

Ein großer Pluspunkt, wie ich finde, weil man Ray Charles als Musiker kennt und daher hauptsächlich seine Karriere als dieser erzählt bekommen möchte, ohne aber auf die wichtigsten Punkte außerhalb seines musikalischen Schaffens verzichten zu müssen. Diese Rückblenden sind in einem recht hellen Ton gehalten, zumeist wirklich perfekt platziert und genau richtig dosiert. Sie sind wirklich von Bedeutung, bringen die Handlung aber nicht zum Stocken und passen auch gut in das eben Geschehene. Über Rays Albtraum oder Vision gegen Ende lässt sich jedoch streiten, da die Aufmachung völlig vom Rest abdriftet, schnellgeschnittene, verzerrte Bilder, eigentlich an einen Horrorfilm erinnernd. Es ist mir klar, dass man solch eine Szene nicht so ruhig erzählen kann wie seine Karriere, nur stelle ich mir die Frage, ob es wirklich von Nöten gewesen ist, den Film mit diesen Szenen zu garnieren. Ein einfacher Zoom auf einen schwitzenden und anscheinend von Albträumen geplagter Ray hätte es meines Erachtens auch getan.

Bis auf dieses kleines Ärgernis ist "Ray" jedoch perfekt arrangiert. Vor allem das Setdesign und die verschiedenen Schauplätze sind unglaublich liebevoll und detailgetreu anzuschauen. Auch über die Konzertausschnitte kann man nur Worte des Lobes verlieren, angefangen von den kleinen "Spaß"konzerten in Kneipen, in denen die betrunkenen und zugedröhnten Gäste wild dazu tanzen oder dann eben gegen Ende die fast schon klassisch anmutenden Auftritte, mit richtig professioneller Beleuchtung, Orchester und seinen ihn stets begleitenden Sängerinnen.

Wie gesagt, das Hauptaugenmerk liegt wirklich auf seiner Musik. Was wohl auch daran liegt, dass diese ihm wichtiger als alles andere war. Nur ab und zu bekommt man seine Familie zu Gesicht, von der er sich nach und nach entfremdet. Zunehmends verliert er die Kontrolle über sich und sein Leben, er beginnt aufgrund seines überschwänglichen Drogenkonsums zum Zappeln an, er kann nicht mehr ruhig sitzen und auch seine Eloquenz lässt zu wünschen übrig. Diesen Werdegang verkörpert Jamie Foxx wirklich sensationell und die Lobeshymnen, mit denen er zurecht überschüttet wurde, kann mann spätestens nach Ansehen dieses Filmes nachvollziehen. Wie er Klavier sitzt und spielt, wie er nach und nach immer unruhiger wird, sein Körper anscheinend nicht mehr das macht, was er will, alles wirkt so verdammt echt und es ist eine Freude, diesen Mann beim Schauspielern zusehen zu dürfen. Wenn ich mir überlege, dass ich Jamies Foxx vor ein paar Jahren noch in "The Bait" rennen, flüchten und coole Sprüche gesehen und gehört habe, dann ist das schon beachtlich, diese Entwicklung. Doch er hat ja auch schon in "Collateral" unter Beweis gestellt, dass er auch ernste Rollen bekleiden kann. In "Ray" jedoch wächst er über sich hinaus und lebt den Musiker wahrlich. Wenn man gegen Ende das Bild des wahren Ray Charles sieht, erinnert sich der Zuschauer automatisch an die Mimik von Jamie Foxx, wie er mit verzerrtem und oft weit offenen Mund am Klavier sitzt. Hier scheint die perfekte Besetzung gefunden worden zu sein.

Die Musik selber ist natürlich Geschmackssache. Jedoch lässt sich sagen, dass, wenn man sich den Film schließlich angesehen hat, man schon zugeben muss, dass es ein Genie war. Egal, welche Musik jetzt von einem bevorzugt wird. Mir jedoch hat sein Tun schon beeindruckt und auch wenn ich jetzt keinen Blues oder kein Country höre, ich kann mich damit anfreunden.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich doch recht überrascht von "Ray" war, vor allem von seiner Kurzweile. Jamie Foxx ist überragend, die Inszenierung über jeden Zweifel erhaben und auch sonst besitzt der Film eigentlich alles, was ein großes Werk haben muss. Nur die Tatsache, dass mich persönlich Biographien von Persönlichkeiten, als deren Fan ich mich jetzt nicht bezeichnen würde, nicht unbedingt interessieren und es nicht wirklich die Art von Musik ist, die ich bevorzuge, bewerte ich ein wenig subjektiv. Bei Musikfilmen jedoch sehe ich das üblich und normal an.

8/10 Punkte

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