"Van Helsing" ist vielen Cineasten noch schlecht in Erinnerung! Der Stephen Sommers-Film um den Dracula-Jäger Van Helsing, mit Hugh Jackman in der Hauptrolle, entpuppte sich leider als recht unsägliches Popcorn-Kino, dass mit seiner Klassiker-Plünderung so ziemlich jeden vergraulte, der die guten alten Horror-Schinken lieben gelernt hat. Doch trotz allem war auch "Van Helsing" ein mächtiger Erfolg und der Rubel musste rollen. So gab es zum Kinostart des müden Blockbusters gleich eine DVD mit dem Namen "Van Helsing: Einsatz in London" zu ergattern, die einen knapp 30 Minütigen Zeichentrickstreifen verbarg, der eine weitere Geschichte um Van Helsing erzählen sollte. Unterm Strich kann aber auch dieser Zeichentrick-Ausflug nicht ganz überzeugen, wenn er auch besser ist, als das rotzige "Original"!
In "Van Helsing: Einsatz in London" muss Van Helsing nach London reisen, um dort eine bestialische Mordserie unter Frauen aufzuklären. Schnell findet unser guter Abenteurer heraus, dass eine mysteriöse Kreatur namens "Mr. Hyde" für die Morde verantwortlich ist. Nun heißt es also den Grund für die Morde heraus finden und Mr. Hyde zu stoppen. Keine leichte Aufgabe. Wie man schon am Inhalt merkt, steckte man den Vampir-Jäger dieses mal in die bekannte Horror-Geschichte um den wahnsinnigen Dr. Jekyll und seinem Alter Ego Mr. Hyde. Mag diese Verknüpfung wiederum erst einmal schmerzhaft auf die Fans der jeweiligen Klassiker wirken, so muss man im Laufe der 30 Minuten doch zugeben, dass die Verstrickung gar nicht mal so schlecht geworden ist. Die Figuren passen hier recht gut zusammen und wirken nicht so stark zusammen gerotzt, wie im Realfilm. Kurzum, die Story kann für einen Shorty durchaus gefallen.
Die Handlung bietet dafür allerdings eher ein Wechselbad zwischen rasanter Action und lahmen "Zwischensequenzen". Während es vor allem am Anfang und im Finale recht ordentlich zur Sache geht, zieht sich der Mittelteil doch mitunter ziemlich. Zwar lockert die Stimmung immer wieder mal durch ein paar gut gesetzte Jokes auf, vorzüglich durch Helsings Gehilfen Carl, der ja auch schon im Realfilm einen der wenigen positiven Punkte ausmachte, doch bevor es im Finale noch einmal richtig rockt, dauert es halt doch ein kleines Weilchen, was bei einem Kurzfilm natürlich nicht gerade übersehbar ist.
Was den Gore-Gehalt bietet der Shorty einiges, wobei der Gewalt-Faktor aber noch bei weitem nicht so hoch ist, als bei so manch anderem (vorzüglich japanischen) Action-Horror-Zeichentrickfilm. Blut fließt zwar, aber nicht unbedingt in Strömen. Dennoch sollte man den Film Kindern unbedingt vorenthalten, da es in den meisten Action-Szenen dennoch recht roh zur Sache geht.
In punkto Animationen hält sich alles auf einem recht simplen, aber alles in allem noch ganz ansehbaren Niveau. Die Figuren bewegen sich flüssig, die Vereinigung mit den Hintergründen mag allerdings nicht immer gelingen. Zudem sind die Szenen, in denen der Computer zur Hilfe genommen wurde, auch deutlich erkennbar. Die Qualitäten z. Bsp. eines guten Animes sollte man also nicht erwarten.
Zur Synchro sei noch gesagt, dass Van Helsing zwar im Original von Hugh Jackman gesprochen wird, im Deutschen aber leider nicht dessen Synchronstimme besitzt, sondern nur eine die ähnlich klingt, aber zum gezeichneten Helsing besser passt. Carl klingt dagegen allerdings genauso wie im Original. Und auch alle andere Figuren hören sich soweit ganz akzeptabel an.
Fazit: Leicht überdurchschnittliches Zeichentrickabenteuer des Van Helsing nach Stephen Sommers, der hier allerdings auf der Jagd nach Dr. Hyde ist und sich somit zwar wieder an alten Horror-Klassikern vergreift, aber dieses mal dennoch eine ganz akzeptable Story zu liefern hat. Der etwas dröge Mittelteil verhindert zwar einen höhere Bewertung, aber im Vergleich mit Sommers laschen Hollywood-Blockbuster, ist diese Zeichentrickversion definitiv vorzuziehen, auch wenn (oder gerade weil) sie gerade einmal knapp 30 Minuten geht!
Wertung: 6/10 Punkte