Review

Seit Joseph Sheridan Le Fanu, jener Ire der von Größen der Weltliteratur wie James Joyce und den kleineren Vertretern der klassischen Ghost Story wie Montuage Rhodes James gleichermaßen geschätzt wurde, 1871 "Carmilla" verfasst hat, versiegten in der Folge Inszenierungen des lesbischen Vampirismus niemals...

Der Film nahm sich der Thematik knapp 100 Jahre später ganz besonders an: Erwähnenswert sind die Filme aus Hammers Karnstein-Trilogie (1970-1971), Francos "Vampyros Lesbos" (1971) und "La Comtesse Noire" (1976), Moctezumas "Alucarda" (1978), das meiste von Jean Rollin und Arandas ausgezeichneter "La Novia ensangrentada" (1972). Die gehäufte Anlehnung an Motive Le Fanus in den 70ern verwundert nicht, experimentierte man doch mit der Verbindung von Horror und - mittlerweile mainstreamfähigen - Sex (eine denkbar lukrative Verknüpfung zweier erfolgreicher Strömungen), die im Vampirmythos per se angelegt ist.

Da konnte sich natürlich auch Schmuddelfilmikone Joseph W. Sarno nicht verkneifen einen entsprechenden Beitrag zu liefern. "Der Fluch der schwarzen Schwestern" - eine Schweizer Produktion, die den Werken Erwin C. Dietrichs in Sachen (S)Exploitation durchaus Konkurrenz macht - pendelt unverbindlich zwischen Le Fanus Klassiker und dem Fall der Blutgräfin Bathory hin und her und führt unter dem Deckmantel wohligen Gruselns reichlich Softsex mit viel nackter Haut vor.
Anders als bei Franco macht das jedoch nur bedingt Spaß und anders als bei Rollin sieht das auch nur bedingt gut aus...

Der Film beginnt mit nervtötendem Getrommel und einem dabei zelebrierten Sexualritus, ehe nach geschlagenen 6 Minuten die wichtigsten Charaktere eingeführt werden. Die wichtigsten Charaktere sind das Geschwisterpaar Peter und Dr. Julia Malenka, die nach der obligatorischen Wagenpanne zu prasselndem Regen Unterschlupf auf Schloss Varga - dem ehemaligen Anwesen einer blutgierigen, vor 400 Jahren vom üblichen Pöbel verbrannten Baronesse - finden, sowie Monika (samt Begleiterin Iris) und Helga, die beide für ein Jahr auf Varga bleiben müssen um eine Erbschaft zu erhalten, und die sonderbare Haushälterin Fräulein Krock.
Krock ist jedoch mehr als eine einfache Haushälterin, denn zusätzlich leitet sie die geheimnisvollen Sexorgien im Kellergewölbe, um mit Hilfe von Peniskerzen, Hypnose und einem "wahrscheinlich verhexten" (00:22:14) Personal der Baronesse zu huldigen... Monika erliegt dem betörenden Gestöhne und Getrommel aus dem Kellergewölbe (in das sich dutzendweise ein gesungenes "Götter der Unterwelt, schaut gütig auf die Töchter der Finsternis; füllt uns mit der brennenden Lava Satans... Wir öffnen unsere triefend-nassen Lippen, um den Samen von diesem langen zitternden Pfahl des Fleisches, der tief in uns dringt, zu trinken..." einfügt) ebenso wie dem unheilvollen Gemäldes der Baronesse, das die Eingangshalle von Schloss Varga schmückt.
Die ungute Beeinflussung betrachten Peter und Julia Malenka mit Sorge, zumal Dr. Julia Malenka (die offenbar einen Doktor in Monstrologie besitzt) alles über die Baronesse und Schloss Varga weiß. So weiß sie auch, dass der Geist der Baronesse umgeht um die Nachfahren ihrer Henker zu Vampiren zu machen und dass Monika als direkte Nachfahrerin solch ein Schicksal nicht zu befürchten braucht. Dem Fräulein Krock ist Dr. Malenka natürlich ein Dorn im Auge, zumal sie mit einem starken Willen und einem Kräuterkreuz jedem heimlichen (*hüstel*) Hypnoseversuch eisern widersteht... Mehr Erfolg hat Krock bei der Beeinflussung Monikas, in die der Geist der blutgierigen Baronesse entgegen aller Malenka'schen Theorien fahren soll, und bei der Verführung von Iris und Helga, die nach der Auferstehung der Baroness als Liebespartner zur Verfügung stehen sollen. Das blüht auch Peter, der jedoch wie seine Schwester durch ein Kräuterkreuz geschützt ist.
Dr. Malenka erkennt mittlerweile die verworren-verwirrende Situation mit den bescheidenen Worten "Es sind Dinge im Gange, die SELBST ICH nicht verstehe..." (00:44:37) und schlägt dem Bruder einen grandiosen Fluchtplan vor: "Wenn wir jetzt gehen, können wir es bis zum nächsten Ort schaffen." (00:44:57). Peter will jedoch die liebgewonnene Helga nicht verlassen, die zum selben Zeitpunkt von Fräulein beauftragt wird die Kräuterkreuze zu entfernen. Helga wehrt sich mit letzten Kräften in Form eines Masturbationsaktes, den Krock mit den wahrhaft treffenden Worten "Das wird nichts nützen" (00:45:35) kommentiert. Und tatsächlich ist Helgas Wille zahlreiche Obszönitäten später gebeugt...
Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit beschließt Dr. Malenka mit oder ohne Helga - und damit auch mit oder ohne Peter - zu fliehen (um die Flucht letztlich doch noch zu verschieben), Peter schenkt Helga sein Kräuterkreuz und Fräulein Krock lächelt sich immer selbstsicherer ins Fäustchen. Mit gutem Grund: Helga ist bereits so von finsteren Mächten erfüllt, dass sie das Kräuterkreuz wieder entfernt, Dr. Malenka erfährt, dass sie eine Nachfahrin der Henker der Baronesse und damit auch besonders gefährdet ist, Peter erliegt ohne Kräuterkreuz selbst sehr schnell den finsteren Mächten und Monika ist bereits eine von Iris sorgfältig bewachte leere Hülle, bereit von der Baronesse übernommen zu werden.
Die Nacht der Vampire bricht an und Dr. Malenka wird von Fledermäusen attackiert, wobei Sarno gleich richtig tief ins Klo greift und nicht einmal Gummifledermäuse, sondern gleich gar keine Fledermäuse präsentiert und den Effekt bloß über die Tonspur erreichen will. Sie übersteht die Attacke jedoch und kann am nächsten Morgen mit Peter fliehen, nur um von seltsamen Geräuschen gelockt wieder auf Schloss Varga zu landen - ähnlich überflüssige Handlungsteile durchziehen den gesamten Film um ihn auf über 100 Minuten aufzublähen. Dort erfängt sie die Baronesse in Monikas Körper, die andauernd von den geflügelten Schwestern der Nacht brabbelt und nach Blut giert. Deshalb versucht Peter gleich zweimal unter dem Vorwand einer inzestuösen Annäherung das Kräuterkreuz seiner Schwester zu entwenden, die diesen Bemühungen jedoch widersteht, und damit als Opfer ungeignet bleibt. Nach diesen Fehlschlägen versucht er sich an seiner zweiten Aufgabe und besteigt die Baronesse/Monika, die danach in Helgas Kehle beisst. Dr. Malenka kann inzwischen fliehen, gerät aber nach einer zweiten Auseinandersetzung mit den Fledermäusen nun ohne Kräuterkreuz in die Fänge der Baronesse, die unter den lüsternen Blicken der alten Krock und des restlichen Personals von Schloss Varga Malenkas Blut trinkt um dabei von dieser einen Pfahl ins Herz gerammt zu bekommen. Das befreit all ihre Opfer (Krock und das Personal ziehen gänzlich unbeeindruckt von dannen) und Peter geht mit Helga und seiner Schwester einem Happy End entgegen.

Sarnos Film kommt mit einer schier unglaublichen Fülle an Nachlässigkeiten und Mangelerscheinungen daher... Das fängt mit der Handlung an, deren Struktur durch unnötige Handlundsstränge letztlich sehr zerfahren wirkt. Einem überlangen Anfang (der dann noch nichtmal in der Lage ist die Charaktere vernünftig einzuführen, deren Namen man zuweilen erst nach 40 Minuten erfährt) steht ein sehr kurzer Showdown entgegen, die wenigen Szene, mit denen man womöglich ein gewisses Maß an Spannung hätte aufbauen können, werden immer wieder durch Softsexszenen und Fetisch-Erotik unterbrochen, und einige Elemente wie das auf Monika einwirkende Gemälde der Vorfahrin werden einfach fallengelassen und nicht weiter ausgebaut.

Eine stimmige Atmosphäre erreicht Sarnos Film auch an keiner Stelle. Zwar strengt Sarno sich offensichtlich an (die Stromleitungen sind kaputt und auf Varna herrscht ausschließlich Kerzenlicht...), aber außer Langeweile und unfreiwilliger Komik bringt er nichts zustande... Die meist mit Rotlicht abgefilmten Sexszenen sind unspektakulär (selbst die Lesbensexszenen wirken langweilig und unästhetisch) und künstlerisch belanglos (das Rotlicht fügt eher einen leicht schmuddeligen Touch hinzu), die musikalische Untermalung ist nervtötend und neben echten Schnitzern wie dem Fledermausangriff ohne Fledermäuse sind es vor allem die Darsteller, die den Film nochmal richtig reinreißen. Hier hätte ein Herbert Fux in einer Minirolle Wunder wirken können, so aber bleiben nur Luschen, die erstaunlich konsequent jeden einzelnen Satz mit der gleichen Betonung murmeln und als dramaturgisches Mittel abwechselnd nur ein Heben der Augenbraue und ein eindrucksvolles, tiefschürfendes Schweigen einsetzen. Wer sich an Cloris Leachmans Darstellung der Frau Bluecher in "Young Frankenstein" erinnert, mit der Mel Brooks gekonnt das übertriebene Schauspiel der 30er, 40er Jahre Genrefilme parodierte, weiß was ihn hier erwartet....

Hin und wieder reißt der ein oder andere unpassende Kommentar noch ein wenig unfreiwillige Komik heraus, solche Stellen sind allerdings so spärlich gesät, dass der Film insgesamt nur ein langweiliges Produkt bleibt...
Dem geneigten Zuschauer bleiben hier und da zwar ein paar schöne Landschaftsbilder im Gedächtnis, die zusammen mit dem 70er Jahre Stil des Films einen ganz gewissen nostalgischen Reiz enthalten, aber über eine 2,5/10 können auch diese Sarnos Film nicht erheben.

Inzwischen liegt der Film als "Schloß der schwarzen Hexen" auf DVD in einer gekürzten 16er Fassung vor. Bei Astro kam der Film als "Veil of Blood" heraus. Bekannter ist der Streifen jedoch als "Vampire Ecstasy".

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