'GoldenEye' ist so ein Film, der an einem Tag Top ist, am nächsten jedoch sofort wieder mies. Überwiegen tun allerdings eindeutig die positiven Elemente im ersten James Bond-Streifen nach Timothy Dalton 1989.
Pierce Brosnan ist nun James Bond und der spielt die Rolle auch aalglatt - meistens leider zu glatt. Ernsthaft muss ich von mir behaupten, seine deutsche Synchronstimme vorziehen zu wollen, da seine Stimme oberweich klingt. Aber das ist Brosnan - niemals verrückt der Anzug, nie macht er sich dreckig, das Kill-Die-Verhältnis liegt bei mindestens 50:0, welches bei Connery oder Moore in etwa 5:0 betragen hatte.
Nun, bei 'GoldenEye', ging man mit Regisseur Martin Campbell wieder zurück zum alten Weltvernichtungsszenario; ein Paar Satelliten, das durch elektromagnetische Impulse die gesamte Technik einer Region lahmlegen kann, wird vom bösen russischen General Ourumov gestohlen. Wer allerdings der Drahtzieher dieser Geschichte ist, vermag sich 007 im Leben nicht erträumt zu haben...
Wie bei so vielen anderen Bondfilmen kann man diese sehr gut seperieren, so auch 'Goldeneye'. Grob würde ich ihn in zwei unterschiedlich gut gelungene Teile differenzieren, wobei der erste Teil eindeutig der schwächere ist. Nach einer furiosen Pretitle-Sequenz wird viel Zeit damit verbracht, in die eigentlich nicht vorhandenen Wirren einzuweisen, und das mit teils mehr teils weniger gelungenen Szenen zum Beispiel in Monaco und diversen Einöden Russlands sowie auch im winterkalten Sankt Petersburg. Was sehr schade ist, diese Kulissen wirken trist und bieder, lassen kein Feeling aufkommen und sind musikalisch total verhauen. Das Anschauen macht bis hierhin noch nicht viel Spaß.
Ab der Szene, wo Bond und Natalya sich aus dem explodierenden Tiger-Helikopter befreien können, wandelt sich der Film quasi und wird zu einem klasse Agenten-/Actionthriller. Das Verhör in den Kellern des russischen Verteidigungsministeriums, die nachfolgende imposante Flucht, ein kurzes Intermezzo am Strand Kubas sowie das atemberaubende Finale auf der Satellitenschüssel machen 'GoldenEye' wieder zu einem äußerst sehenswerten Bond-Abenteuer. In der zweiten Hälfte werden die Elemente hervorgehoben, die bei Bond schon immer Top waren - Action en masse, Flirts mit schönen Frauen, sowie evil Villains und der Plan, der in letzter Sekunde vereitelt werden kann. Folglich zeigt man in der ersten Hälfte von 'GoldenEye' die Elemente, die bei Bond sowieso häufig in den Hintergrund geraten - Story, Charakterzeichnung und etwas Dramatik.
Dabei muss man den Film über seine ganze Betrachtung dennoch als charakterlich gelungen ansehen, da ein guter Villain aufgeboten wird, dessen Figur Sean Bean meiner Meinung nach bestens spielt, weiterhin mal wieder ein aktives Bondgirl dabei ist und selbst die Nebencharaktere wie Ourumov und Onatopp überzeugen können. Letztere beiden geben dem Film die nötige Würze.
Über Pierce Brosanan sind schon viele Worte gesprochen worden, ich meine jedoch, dass er sich gut einfügt in die Rolle, auch wenn da natürlich noch viel Platz nach oben ist, den er sich bis 'Die Welt ist nicht genug' 1999 auch weiter erschließt.
Desweteren ist zu erwähnen, dass bei kaum einem anderen Bondfilm der Bodycount höher ist als in 'Goldeneye'. Wenn man sieht, wieviele russische Soldaten in der Anfangssequenz und im Ministerium in Sankt Petersburg draufgehen und Bond sie alle mit der MG kaltblütig erschießt, ist das nicht gewaltlos. Nur klein nebenbei sollte erwähnt werden, dass jeder dieser Soldaten auf einen Meter Entfernung nicht auch nur einen menschlichen Körper treffen würden. Also an Massenschießereien ist in 'GoldenEye' nicht gespart. Allerdings ziehen auch die großen und kleinen, aber immer feinen Stunts durch den ganzen Film. Beispiele sind da zum Beispiel der Bungy-Jump von der Staumauer und der hervorragende Handfight als Finale des Films.
Eine besondere Würdigung gehört der Panzerszene zugeteilt. Ich würde soweit gehen und sie als zweitbeste Actionszene des gesamten Franchise bezeichnen. Nur das Tankerfinale aus 'Lizenz zum Töten' kann dieses Spektakel noch toppen.
Es bringt einem schon fast wieder zum Lachen, wenn Ourumov z.B. sagt "Halten Sie einfach drauf!" oder Bond im Panzer massenweise "kleine" russische Polizeiautos plattfährt. Als Höhepunkt dann der Superstunt mit der Statue auf dem Panzer....eine Szene, die der Standing Ovations wert ist!!
So bleibt negativ hauptsächlich nur noch die Filmmusik anzumerken, bei der sich Eric Serra zimelich danebenkomponiert hat. Zuviel Synthesizer-Kram und zu wenig klassisch orchestrale Bondmusik. Lediglich der Titlesong performed by Tina Turner ist überzeugend und bondig.
Fazit:
Ein Film, der bei mir Gemütsschwankungen auslöst. An einem Tag überragend durch eine starke zweite Hälfte sowie viel Coolness und Actionvergnügen, am andern Tag schlecht und uninteressant durch viele schwache Russland-Szenen, fast hanebüchener Story und absolut null "Bondfeeling".
Was unterm Strich bleibt, ist ein anspruchsloses Actionhighlight mit Witz. Unverkennbar bombastisch!
Schwankend zwischen 7 und 8, bin ich schlussendlich bei knapp verdienten 8 Punkten stehengeblieben.