Review

Einzig und allein der Name Steven Seagal hat mich neugierig auf diese koreanische Produktion gemacht. Versucht es der abgehalfterte Ex-Actionstar nun in der Fremde? Ausgerechnet in Korea, wo sich in den letzten Jahren die Filmindustrie rasant entwickelte und einige Perlen hervorbrachte? Nun, sein Auftritt ist klein und gleicht einem Cameo – doch dazu später mehr.

„Clementine“ ist wieder einer dieser eigenartigen Genremixe, an denen nur diejenigen Gefallen finden werden, die sich für die koreanische Filmmentalität begeistern können. Mein Fall ist diese Kreuzung aus Drama, Martial-Arts-Kämpfen und Krimi übrigens nicht. Der Plot handelt von Kim Seung-Hyun (Lee Dong-jun), der seinerzeit den Weltmeisterschaftskampf im Taekwondo gegen den amerikanischen Herausforderer aufgrund einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters verlor. Parallel dazu gebar seine Frau ihr gemeinsames Kind und verstarb während der Geburt. Daraufhin kehrt er dem Kampfsport den Rücken und heuert bei der Polizei an, um mehr Zeit für seine Tochter zu haben.

Zu Beginn macht der Film einen recht brauchbaren Eindruck. Die Kämpfe sind unspektakulär, zeugen aber von den Fähigkeiten der Kämpfer. Seung-Hyun schlägt sich später als Polizist tapfer durch die Unterwelt, muss aber, nachdem er seine Emotionen nicht kontrollieren kann, seinen Tisch räumen. Die liebevolle Beziehung zu seiner Tochter wird zunächst gar nicht mal so kitschig aufgebauscht und die schauspielerischen Leistungen stimmen.

Leider baut der Plot darauf hin schnell ab. Da er seinen Job verloren hat, muss er, um an Geld zu kommen, bei zwielichtigen Undergroundkämpfen anheuern. Die sind hübsch blutig und realistisch gehalten. Über die zufriedenstellende Choreographie lässt sich nichts Negatives sagen, auch wenn den Fights ein paar spektakuläre Moves nicht geschadet hätten. Wie es in der Unterwelt nun mal so ist, kann man sich schnell mit den falschen Leuten einlassen und so wird Seung-Hyun bald unter Druck gesetzt. Er soll gegen den fünfmaligen Champion Steven Seagal antreten und in der dritten Runde zu Boden gehen, da er sonst seine Tochter nie wieder sehen wird.

Doch vorweg wird gar furchtbar auf die Tränendrüse gedrückt und der Film völlig unnötig, mit einer tragischen Dreiecksbeziehung verkompliziert. Die wahre Mutter des Kindes ist gar nicht tot, die Mutter weiß nicht, dass sie ein Kind hat und der Papa ist langsam völlig überfordert hin- und her gerissen. Der Film reitet unerträglich lang auf dieser Emotionsschiene herum und das kostet Nerven. Nebenher ermittelt die Polizei übrigens in einem Subplot noch im Hintergrund, um auch ein entsprechendes Happy End servieren zu können.

Zum Schluss gibt es dann auch endlich den alles entscheidenden Endkampf mit Seagal (in gaaaaaanz langem Bademantel). Wer sich hiervon etwas verspricht, dem sei gleich gesagt, dass Seagal auch hier nur etwas mit den Armen herumwedelt und ansonsten ein Bodydouble ran lässt. Es ist schon sehr auffällig, dass die Kameraperspektiven außerhalb des Rings immer stets so gewählt werden, dass die Seile oder irgendetwas anderes sein Gesicht verdecken. Wirklich spektakulär sind diese fünf Minuten auch nicht, aber immerhin darf Steven noch den sauberen Sportsmann rauskehren.

Fazit:
„Clementine“ kann man sich als Fan des koreanischen Films sicher angucken. Er ist weder schlecht gespielt, noch langweilig. Etwas Bedeutendes wurde hier allerdings auch nicht auf die Beine gestellt, dafür ist der Plot zu klischeehaft (Käme der Film aus Amerika würden alle laut B-Movie schreien). Die mitunter recht blutigen Kämpfe sind nett anzusehen, nur leider drückt der Film zur Mitte hin ziemlich auf die Tränendrüsen. So bleibt ein anschaubares Drama mit Martial-Arts-Einlagen, das international nur dank Steven Seagals Cameo bekannt wurde.

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