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Eigentlich ist das Kannibalenfilm-Subgenre seit dem Anfang der 80er ausgestorben und das aus gutem Grund: Nur wenige Perlen (wie zum Beispiel „Cannibal Holocaust“) befanden sich unter diesen Exploitern, die Storys waren sich immer sehr ähnlich und bereits nach einigen Filmen gab es keine neuen Impulse mehr. Die häufige Verwendung von Tier-Snuff hat ebenfalls einen großen Teil zum schlechten Ruf dieser Filme beigetragen und doch gibt es bis heute eine kleine Fangemeinde die die Werke von Deadato, Franco, Lenzi und anderen italienischen Kommerzfilmern vor der Vergessenheit bewahrt.

Um so erstaunlicher scheint es das sich Bruno Mattei, ungekrönter König des Plagiats, im Jahre 2003 traute einen absolut klassischen und primitiven Kannibalenfilm zu drehen – inklusive vieler derber Goreszenen und tatsächlich ausgestattet mit einer Tier-Snuff Szene. Gedreht wurde auf kostengünstigem Videomaterial, sodass jegliche Sleaze-Atmosphäre von vorne herein zerstört wird, denn manchmal wirkt „Mondo Cannibale“ wie ein Homevideo, in anderen Szenen wie ein durchschnittlicher Porno und bestenfalls wie eine solide TV-Produktion.

Gorehounds dürfen sich freuen über sehr blutige und zahlreich verwendete Effekteinlagen, die auch alle zufrieden stellend umgesetzt wurden. Doch selbst in den Make Up – Einlagen werden kaum eigene Ideen entwickelt, auch hier klaut man lieber munter aus den altern Genrevertretern. Von einer Hommage kann keine Rede sein, Mattei nimmt seinen Scheiß lächerlich ernst und es gibt weder Anspielungen, noch Insiderwitze oder Gastauftritte.

Schauspielerisch werden keine Akzente gesetzt und es gibt nicht einen nennenswerten Darsteller im ganzen Cast, ein gewisses Niveau wird aber gehalten – auch hier drängt sich der Eindruck einer TV-Produktion geradezu auf. Musikalische Untermalung, Kameraarbeit und Schnitt sind allesamt höchst durchschnittlich und nicht erinnerungswürdig. Exploitationfans wird „Mondo Cannibale“ aber sicher sehr zusagen denn wer hätte gedacht das es überhaupt noch mal einen waschechten Kannibalenfilm zu sehen gibt und das auch noch von einer alten, wenn auch peinlichen Genregröße.

Fazit: Ziemlich sinnloser Film der aber alleine durch seine Kompromisslosigkeit Beachtung verdient – denn hier werden sämtliche moderne Konventionen ignoriert, hier regiert pure Exploitation und dreister Klau. Bravo Bruno Mattei !

04 / 10

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