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Arnold Schwarzenegger ist zweifelsohne eine Actionikone der guten alten 80er. Und da der Bauer selten frißt, was er nicht kennt, ergibt es eben einen Sinn, sich innerhalb bestimmter Grenzen zu bewegen, um ein neues Konzept um einen alten Helden erfolgreich zu halten. Die leicht verschwörerisch angehauchte Story von Eraser würde heute sicher mit einem smarteren Protagonisten besetzt und würde kein einfältiger Alleingang einer One-Man-Army, doch wenn der Österreicher mit seinem nie ausgemerzten Akzent auftritt (O-Ton ist Pflicht!), muß tunlichst auf die Fäkalie geschlagen werden. Und das passiert in Eraser auch.
Arnold Schwarzenegger gibt die Sonderlösung des Zeugenschutzprogrammes, die dann zum Einsatz kommt, wenn das Leben der Behüteten akut in Gefahr schwebt. Für gewöhnlich unter viel Krachbumm löscht er die Identität seines Probanten schlicht aus, indem er alle Verbindungen in die Vergangenheit kappt und die Person offiziell sterben läßt. Aufhänger ist für Eraser natürlich dann ein Regierungsdebakel mit Spitzeln und einem vertuschten Waffendeal an die Russen einschließlich Seitenhieb darauf, daß dort der Kommunismus nicht mehr herrschen würde. Das Autorendreigestirn wollte Eraser dem 80er-Fan offensichtlich so heimisch wie möglich erscheinen.

Das FBI bringt nun die smart-naive Schönheit (Vanessa Williams) ins Spiel, die gegen den Waffenhersteller Beweise sichert und aussagen soll. Ihr Leben ist in Eraser natürlich sowas von in Gefahr, daß Arnie es mit einer brandneuen Plasmakanone im Quasi-Handgepäcksformat, aber auch mal erbarmungslos zuschnappenden Riesenhandtaschen – ergo Krokodilen -, oder mit einem auf ihn zurasenden Privatjet aufnehmen muß. Eine Frage nach Logik und Sinn stellt sich im Falle von Eraser spätestens bei erkennbaren Blue-Screen-Aufnahmen oder insbesondere für den Entstehungszeitraum gut gemachten CGIs eigentlich nicht, denn Chuck Russell drehte einen Actionfilm, der als Spektakel wahrgenommen werden will.
Angenehm bei Eraser erscheint, daß zwar die Attitüde der vergangenen Dekade mitgenommen wird, aber durchaus ein zeitgenössischer Film daraus wird. So ranken sich augenzwinkernde Pointen unter anderem auch um einen als Bartender in einem Schwulenclub untergetauchten Ex-Mafiosi, der sich dort sicher fühlt, weil er davon ausgeht, niemand aus dem Mob würde ihn dort ermordet haben wollen. Dies kommentiert schließlich die verbohrte Einstellung der Mafia, rückt die homosexuelle Szene jedoch eher in den Bereich der Normalität.

Man muß es schon als Geschick ansehen, daß der Kinobesucher mit Eraser dennoch den Schwarzenegger-Film zu sehen bekommt, der er eigentlich erwartet, denn es handelt sich bei den Angleichungen an den Zeitgeist inhaltlich fast ausschließlich um Nuancen, die sich wie natürlich an den explosiven Körper des Actionpaketes schmiegen. Durch quasi nur ausgetauschte Requisiten und Kulissen und mit Hilfe eines gut selektierten Casts gelingt mit Eraser zwar keine extraordinäre, aber doch befriedigende Unterhaltung, die sich auf einem gemeisamen Videoabend durchaus noch immer gut machen kann.

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