Nachdem Regisseur Peter Collinson mit Charlie staubt Millionen ab bereits zuvor einen Film abgelegt hatte, der sich heuer durch ein Remake größerer Bekanntheit erfreut, hatte ich durchaus ein Mindestmaß an Erwartung an dieses Susan George Vehikel, deren Spanne im Jahr 1971 vom originell aber doch anstrengend erzählten Pete Walker – Thriller Schrei nach Leben bis hin zum grandiosen Sam Peckinpah – Thriller Wer Gewalt sät erstreckt. Dem Film Die Fratze scheint der Alterungsprozess dabei jedoch nicht gut bekommen zu sein.
Man könnte es sich einfach machen und sich am Aufhänger festbeißen, am grundsätzlichen Setting als Babysitterfilm vertiefte Klischees anführen, die eine Besonderheit einschränken. Vielleicht war Die Fratze mit dieser Idee zuerst da, vielleicht auch nicht. Wen juckt das schon?
Fakt ist, daß Die Fratze aus ganz anderen Gründen funktionelle Störungen erfährt. Alles richtig gemacht, möchte man zu der Idee sagen. Die seinerzeit knackige und als Typ angesagte Susan George verdient sich als besagte Babysitterin in einem schicken Häuschen ein paar Kröten dazu. Ihr Macker kommt auch mal zu Besuch. Was sie nicht weiß, ist daß der Ex-Mann der hier mit neuer männlicher Begleitung vertetenen Mutter in der Klapse gelandet ist beziehungsweise dieser nebenher entfleuchen konnte (Halloween anyone?).
Sein Gesicht, soviel darf man verraten, ist es, welches als Die Fratze nun am Fenster auftaucht und das arme Mädchen nebst Kind zu terrorisieren beginnt und stetig in Fräulein George etwas fordernd für des Zuschauers Augen besagtes Mütterlein sieht, welche sich zu Tisch in einem Restaurationsbetrieb befindet.
Abgestumpft wie wir heute sind sehen wir diesen Terror-Prozess in Die Fratze als solches vielleicht schon sehr neutral. Ein Maniac will der holden Schönen an die Gurgel. Er guckt fies, sie kreischt angsterfüllt. Alles funktioniert und der Schluß sitzt. Musikalisch nicht sonderlich auffällig in meiner Erinnerung ist es dann ein Mangel in diesem mehr oder minderen Kammerspiel, der sich auf dem nicht nur zeitgemäß legitimen Prinzip entwickelt, daß dieser Wahnsinnige kein weitläufig auf Außenstehende überschlagendes Blutbad anrichten wird.
Das kann ja funktionieren und macht einen Film, wenn es denn paßt sogar umso interessanter als einen hohlen Slasherhobel, welcher sich auf Schockeffekte stützen muß. Nur nimmt sich Peter Collinson eben in Die Fratze nicht etwa seine Zeit, um die Dramaturgie seines Psychothrillers zu verschärfen.
Immer wieder möchte man seine Augen verdrehen, wenn immer und nochmal die Konfrontation zwischen Häscher und Opfer aufgegriffen wird. Man glaubt die Aussage langsam verstanden zu haben und dann will man es gar nicht mehr sehen, was atmosphärisch dichte Sequenzen vorbereitet haben. Die Fratze wird nicht aufpeitschend unbequem, sondern wird in seiner Funktionalität schlicht abgemildert, in dem wesentliche Vorgänge gut durch- und außerdem wiedergekäut werden.
Deshalb muß man Collinson nun nicht für einen Ochsen halten, aber schließlich hätte der Film mit fünfzehn bis zwanzig Minuten weniger die Inhalte wesentlich eindringlicher und knackiger transportiert. Fans von Susan George mag das weniger ausmachen als dem Filmfreund an sich, der sich aus den Sechzigern und Siebzigern ein weit anregenderes Spartenprogramm aus mitreißenden Thrillern zusammenstellen kann.