Daß selbst Oscarpreisträger mit zunehmendem Alter mal kreativ daneben greifen, ist ja schon längst kein Geheimnis mehr; daß sich aber jemand mit Bester-Darsteller-Statuette nach seinem letztem Film aka seiner letzten Geschmacksverirrung kurz darauf angeblich aus Langeweile das Leben nimmt, das ist dann doch ein bißchen übertrieben.
Spaß muß sein, die Darstellerlegende George Sanders war wohl nicht nur extrem gelangweilt, als er fünf Flaschen eines Schmerzmittels einnahm und tot aufgefunden wurde, sondern litt unter extremen Depressionen aufgrund seiner dahinschwindenden Gesundheit - sein letzter Film blieb "Psychomania" allerdings trotzdem und das gereicht ihm nicht eben zur Ehre.
Bei uns unter dem etwas sinnigeren Titel "Der Frosch" vertrieben, darf Sanders hier als eine Art Handlanger der dunklen Seite den getreuen Butler Shadwell geben, der im hohen Hause der Lathams den Sherry reicht und der Hausherrin, ihres Zeichens Medium auch sonst beratend zur Seite steht. Das ist nicht immer leicht, denn der liebe Sohnemann ist ein echter Tunichtgut, der in seinen tighten Lederhosen mit seiner "evil gang" gern Motorrad fährt und arme Autofahrer von der Straße drängt. Dabei tragen alle fröhlich lustige Helme mit Sonnenschutzaufsätzen, die ein bißchen nach 3D-Cinema 1954 ausschauen.
Aber weil so etwas ja irgendwann auch öde wird, will Sprößling Tommy natürlich hinter das Geheimnis der Wiederkehr nach dem Tode kommen, dem wohl schon sein Dad zum Opfer fiel. In der Folge lernt er dann a) daß seine liebe Mutti wohl einen Pakt mit dem Bösen geschlossen hat, bei dem er eine nicht unbeträchtliche Rolle spielte und b) daß er als Super-Zombie von den Toten zurückkehren kann, wenn er nur fest genug daran glaubt.
Eine unterstützende Rolle spielt dabei ein jahrtausendealter Steinkreis in freier Natur, der "die sieben Hexen" genannt wird und über den man zu psychedelischem Jazz irre gut in Zeitlupe cruisen kann.
Was das lustige Zombieleben angeht: gesagt, tun, getan, also hechtet Tommy von der nächsten Brücke und kehrt schön aggro ins Leben zurück und meuchelt gleich mal fünfe auf einen Streich, um dann seine Gang davon zu überzeugen, daß es lustiger ist, wenn man blind quer über die Autobahn fährt, aus dem Fenster hechtet oder mit Zentnerketten schwimmen geht. Und die arme Polizei weiß gar nicht, wie ihr geschieht.
Das ging dem Rezensenten übrigens ebenso, der diese Inhaltsangabe ein bißchen lustiger gestaltet hat, als der Film wirklich ist, bis auf die Selbstmorde an sich, die schon zum Schmunzeln anregen. Ansonsten ist Don Sharps Film leider enorm falsch gewichtet und handelt fast nur von recht sauber inszenierten und recht rasanten Motorradfahrten auf solide befahrenen Straßen, was das Geschehen wenigstens handwerklich aufwertet. Der Horrorfaktor ist allerdings erheblich geringer, da sämtliche Morde (allesamt blutleer) im Off oder außerhalb des Bildrahmens geschehen.
Für etwas okkulten Zinnober darf Beryl Reid als Muttermedium sorgen, die in einer scheußlich modernen 70er-Jahre-Deko (innerhalb eines ehrwürdigen Herrenhausen, yrch...) sorgenvoll die Stirn runzelt, während sie mit Mr.Sanders über die Chancen sinniert, daß ihr Sohn der Richtige für den After-Death-Job ist.
Eine Rolle spielt dabei auch ein gefangener Frosch bzw. ein Froschamulett, was wohl ein Synonym für den Teufel ist, jedoch nie en detail erklärt wird. Schlußendlich sind diese (interessanteren) Ansätze rund um den Teufelspakt auch nur Staffage für den Restplot (schlechte Entscheidung!), in der die üblen Rocker auf einem Supermarktparkplatz Remmidemmi machen oder sich ein Rennen mit ultrakonservativen Polizeiautos liefern.
Grundsätzlich stimmt die Mischung einfach nicht: weder sind die Rockers wirklich böse, noch ausreichend charakterisiert. Warum Tommy so geil auf ein Leben nach dem Tod ist ist genauso nebulös, wie seine Ambitionen nach Erreichen dieses Zieles, denn er macht auch danach den gleichen Blödsinn, nur eine Idee riskanter.
Überhaupt gehen 85 Prozent des Films dafür drauf, daß man endlich an den Punkt kommt, an dem die Gang endlich umgewandelt ist, bis auf das typische "final girl" natürlich, deren Schlaftablettenaktion ihr übelst das Bewußtsein wachrüttelt. Und noch bevor man irgendwas dolle Böses machen kann, tritt Mommy schon in Aktion und sorgt mit einem ziemlich schlechten Trickeinsatz für eine extreme Verhärtung der Umstände.
Rückblickend ist das dann ein ziemlicher Murks: der typische Bikerfilm trifft auf ein bißchen Teufelskult und mythische Steinkreise, das funktioniert einfach nicht, vor allem wenn die Lederjackenkerls sich auf der Beerdigung ihres Gangleaders plötzlich allesamt in perfekte "california hippies" verwandeln, die sich mit Blumengirlanden schmücken.
Mr.Sanders zieht sich dabei übrigens noch recht würdevoll aus der Affäre und spielt mit einer erhobenen Augenbraue und ein paar knappen Onelinern den äußerst blassen und uncharismatischen Nicky Henson in der Hauptrolle an die Wand.
Ganz so "cheesy" wie immer behauptet wird, ist der Film übrigens gar nicht, doch eine schräge Kuriosität ist er schon, da "old school horror" und die britische Moderne vor "Safeways" nicht recht zusammenpassen wollen.
Don Sharp, der im gleichen Jahr übrigens "Das Grab der grausamen Puppen" besser inszenierte, läßt auch hier wieder Robert Hardy antreten (diesmal als Polizist), der aber auch nur der Streckung des Plots dient, den man auch in 60 Minuten hätte unterbringen können.
Ein ausdrückliches Lob an die Stuntleute auf den Bikes, der Rest ist eine beliebige Absurdität ohne wirklichen Horroranspruch, aber immerhin hübsch gefilmt. (3/10)