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Auf dem nordamerikanischen Kontinent kommt es zu einer Reihe verheerender Naturkatastrophen. Da zwei Kontinentalplatten auseinanderdriften reißt der gesamte Kontinent förmlich in zwei Hälften. Dumm nur, dass der Riss zwischen den Platten genau auf ein Atomkraftwerk zuläuft und der einzige Wissenschaftler, der dies verhindern könnte in einem Casino in Las Vegas in der Wüste versunken ist.

Schon den Trailern zu "10.5 - Die Erde bebt" waren zweitklassige Effekte und blasse schauspielerische Darbietungen zu entnehmen und darauf läuft es im Endeffekt auch hinaus und wer kein absoluter Fan des Katastrophengenres ist, zu denen ich mich zähle, kann vom Film nicht mehr als solide Unterhaltung erwarten, so schlecht, wie er in den allgemeinen Kritiken gemacht wurde, ist er aber auch nicht.

Ob das Katastrophenszenario, das in "10.5" gezeichnet wird, auch nur im Ansatz realistisch ist, wage ich zu bezweifeln, da einige Katastrophen, wie versinkende Hochhäuser in Las Vegas oder die Spaltung des gesamten Kontinents dann doch sehr stark bei den Haaren herbeigezogen sind, wobei allgemein bekannt ist, dass unter dem Yellowstone Nationalpark ein enorm großer Vulkan schlummert und, dass die Westküste der USA plattentektonisch überaus ungünstig liegt und es dort wohl irgendwann zu katastrophalen Beben kommen wird (was die Amerikaner natürlich nicht davon abgehalten hat, sie möglichst dicht zu besiedeln). Teilweise sind dabei ein paar realistische Aspekte vorhanden, die durchaus eine gewisse Beunruhigung hervorrufen, da Naturkatastrophen im Allgemeinen immer eine gewisse Gefahr darstellen, auch wenn wir es oftmals verdrängen. Realistisch ist das Szenario nicht, aber man darf sich nicht daran stören.

Ansonsten enthält die Story sämtliche Klischees des Genres, erreicht aber die Komplexität, um die Laufzeit zu füllen. Die Katastrophe wird anhand einiger Einzelschicksale behandelt. Da wäre zum Beispiel ein freiwilliger Helfer der FEMA, der zusammen mit seinem Bruder nach seiner schwangeren Freundin im Schutt von Las Vegas sucht. Eine Wissenschaftlerin, die durch die Katastrophe die Thesen des Vaters zu glauben beginnt. Der Präsident, für den überaus schwierige Zeiten anbrechen, dessen Tochter, die ebenfalls für die FEMA arbeitet usw... Vielschichtig ist keiner der Charaktere konstruiert, die Handlung an sich ist solide und nur teilweise vorhersehbar. Zudem ist der Film dramaturgisch geschickt genug gestrickt, um mitzureißen, wenn man sich denn mit dem Niveau zufrieden gibt.

Die Effekte sind für einen TV-Produktion akzeptabel. Zwar wirken die Flutwellen, Lavaströme und Erdbeben statisch und unecht, zum Teil sind sie jedoch durchaus ansehnlich. Ansonsten gibt es an der Inszenierung von John Lafia, der unter Anderem "Chucky 2" inszenierte jedoch nicht viel zu bemängeln. Die einzelnen Subplots werden souverän und parallel wiedergegeben, sodass der Film zunehmend an Spannung und Dramatik zunimmt. Trotz der Lauflänge ist das Erzähltempo dabei jedoch so hoch, dass es im Prinzip keine ruhige Minute gibt und durchgehend Unterhaltung garantiert ist. Zudem gelingt auch ohne einen sonderlich auffälligen Soundtrack eine gespannte Atmosphäre.

Darstellerisch bewegt sich der Film auf B-Movie-Niveau, wirklich empfehlen kann sich niemand, der gesamte Cast ist zweitklassig, aber wirklich katastrophal spielt zum Glück niemand.

Fazit:
Da "10.5" einige Einzelschicksale miteinander verknüpft und so eine komplexe, wenn auch enorm flache Story zustande kommt, unterhält der Katastrophenfilm durchgehend und kann so durchaus Spannung und Dramatik zum Ende hin steigern, da der dramaturgische Aufbau durchaus mitzureißen vermag. Für Fans des Katastrophenfilms, zu denen ich mich zähle, überaus empfehlenswert, alle anderen werden sich wohl an der aufgesetzten Dramaturgie, den zweitklassigen Effekten und Darstellern, sowie an den zahlreichen Genre-Klischees stören.

75%

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