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Es gibt einige wenige Filme, die beinhalten eine bestimmte, dermaßen prägnante, kraftvolle und nahezu unverwechselbare Szene - einen einzigartigen "Signature Shot", wenn man so will -, daß Genrekenner bei Erwähnung dieser einen Sequenz sofort und ohne lange zu überlegen den entsprechenden Film damit in Verbindung bringen. Einige Beispiele. Eine von der Ladefläche eines Lastkraftwagens rutschende Glasplatte enthauptet spektakulär einen sich hinter dem LKW befindlichen Mann. [1] Eine an den Haaren gepackte Frau wird Richtung einer aufgebrochenen Tür gezogen, wo sich ein hervorstehender Holzsplitter qualvoll langsam in ihr rechtes Auge bohrt. [2] Ein kleines, süßes Mädchen kauft sich bei einem Eisverkäufer ein Eis und wird unmittelbar danach von einem jungen Mann grundlos erschossen. [3] Bei einer aus dem Ruder laufenden Demonstration von Gedankenkräften explodiert einem Mann vor laufender Kamera der Schädel. [4] Eine große Gruppe Schulmädchen wirft sich in selbstmörderischer Absicht vor eine einfahrende U-Bahn-Garnitur und sorgt für ein gigantisches Blutbad. [5] Eine von dämonischen Mächten besessene Frau rammt ihrer (ehemaligen) Freundin einen Bleistift tief in den Fußknöchel und rührt heftig darin herum. [6] Ein Mann spannt während eines Kampfes mangels Alternativen ein lebendiges Huhn anstelle eines Pfeiles in seinen Bogen und setzt damit seinen Gegner außer Gefecht. [7] Na, hattet ihr die dazugehörigen Filme alle parat? Gut. Warum ich jetzt lang und breit darüber labere? Nun, auch Kevin Tenneys Night of the Demons hat solch einen einprägsamen "Signature Shot".

In dieser überaus unterhaltsamen Party-Sause sitzt die auf ihr Aussehen viel Wert legende Suzanne nackt auf dem Boden und schiebt sich ohne Vorwarnung ihren Lippenstift durch die Brustwarze in ihre linke Titte, bis er zur Gänze darin verschwunden ist. Ein origineller und verblüffender Effekt, ganz famos in Szene gesetzt von Steve Johnson, der in weiterer Folge tolle FX zu Filmen wie A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master (1988), Night Angel (1990), Return of the Living Dead III (1993) und Species (1995) beisteuerte. Was vor der mißbräuchlichen Verwendung des Lippenstifts passierte, ist rasch erzählt. Gruftie Angela (Amelia Kinkade, Breakin' 2: Electric Boogaloo) schmeißt eine Halloween-Party, an der unter anderem besagte Suzanne (Linnea Quigley, The Return of the Living Dead), Stooge (Hal Havins, Witchtrap), Rodger (Alvin Alexis, The Brother from Another Planet), Sal (Billy Gallo, Crash), Helen (Allison Barron, Beverly Hills Bodysnatchers), Jay (Lance Fenton, Heathers) und Judy (Cathy Podewell, Beverly Hills Brats) teilnehmen, letztere passenderweise als Alice (die im Wunderland) kostümiert. Als Ort der Zusammenkunft wählt Angela das leerstehende Hull House, ein ehemaliges Bestattungsinstitut, das nach einer gräßlichen Bluttat verrufen ist und üblicherweise gemieden wird. Nach Veranstaltung einer Spaß-Séance, bei der ein antiker Spiegel zu Bruch geht, öffnet sich im Keller die Tür zum Krematorium, und eine dämonische Wesenheit saust rasant durch die Gänge, auf der Suche nach einem Opfer. Das ist schnell gefunden, und die Nacht der Dämonen beginnt.

Im Gegensatz zu Tenneys ernst angelegtem und gut durchdachtem Spielfilmdebut Witchboard (Witchboard - Die Hexenfalle, 1986) ist sein ca. 1,2 Millionen Dollar teurer, in vier Wochen in Kalifornien abgedrehter Folgefilm eine anspruchslose Geisterbahnfahrt durch ein Haunted House, die weder für Originalität oder Intelligenz noch für Figurentiefe oder schauspielerische Glanzlichter irgendwelche Blumentöpfe gewinnt. Night of the Demons soll in erster Linie Spaß machen, er soll beim Publikum für Unterhaltung und Stimmung sorgen. Hin und wieder versucht Tenney, die Zuschauer auch zu erschrecken, zu erheitern oder gar zu ekeln, aber das alles ist dem einen großen Ziel untergeordnet, das da lautet: FUN! Und im Großen und Ganzen kann ich Tenney & Co attestieren, daß sie ihr Ziel erreicht haben. Trotz der einen oder anderen Länge, vor allem in der wenig ereignisreichen ersten Hälfte, flutscht der Streifen flott und gefällig dahin und sorgt für eine sehr kurzweilige, anderthalb Stunden lange Horrorshow. Außerdem hat Night of the Demons diese eine, spezielle Qualität, die man nur schwer in Worte fassen und begründen kann: Er macht große Lust auf Wiederholungen. Das ist einer jener Filme, die man sich alle (paar) Jahre ansehen kann, ohne daß man ihrer überdrüssig wird. Filmisches Fast-Food, welches lecker schmeckt und kurzzeitig sättigt, an das man sich wenig später jedoch - abgesehen von einer Handvoll Einzelszenen - nicht mehr groß erinnert. Und doch bleibt ein durchwegs angenehmes Gefühl zurück, das plötzlich stark präsent ist, wenn man mal wieder über den Filmtitel stolpert.

Man muß aber schon auch sagen, daß Night of the Demons ein gut gemachtes kleines B-Movie ist. Die Kameraarbeit von David Lewis, einige Male offensichtlich von The Evil Dead inspiriert, ist ebenso hervorragend wie die stimmige Szenenausleuchtung und die erstklassige Location. Aber auch viele nette Einfälle werten den Streifen auf, wie zum Beispiel der hübsch animierte Vorspann (als "Übergang" fungiert ein Kürbis), Angelas spektakulärer "Dämonentanz" (von Amelia Kinkade selbst choreographiert) oder der böse Schlußgag, der eine scheinbar belanglose Nebenstory vom Beginn wieder aufgreift und konsequent zu Ende führt. Auch Joe Augustyns Drehbuch ist weitgehend in Ordnung und glänzt sowohl mit witzigen Dialogen und deftigen One-Linern als auch mit vielen kleinen Horror-Set-Pieces. In der zweiten Hälfte ist der Film sehr episodenhaft angelegt und hangelt sich von Set-Piece zu Set-Piece, wobei er stark an eine Geisterbahnfahrt erinnert, wo in jedem Raum bzw. hinter jeder Türe etwas Schreckliches lauern kann. Die fiesen Dämonenfressen sind gut gelungen und auch Johnsons sporadisch eingesetzte Gore-Momente (mit einem zünftigen Augenausdrücken als Highlight) können sich sehen lassen. Und Dennis Michael Tenneys gefälliger Synthesizer-Score verstärkt das 80er-Jahre-Flair, das Night of the Demons sowieso aus allen Poren quillt, noch einmal beträchtlich. Somit gilt: Vor Betreten von Hull House am besten den Anspruch an der Eingangstür abgeben, dann sollte Angelas extravagante Halloween-Party viel Vergnügen bereiten.


[1] The Omen (Das Omen, Richard Donner, 1976)
[2] Zombi 2 (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies, Lucio Fulci, 1979)
[3] Assault on Precinct 13 (Assault - Anschlag bei Nacht, John Carpenter, 1976)
[4] Scanners (Scanners - Ihre Gedanken können töten, David Cronenberg, 1981)
[5] Jisatsu sâkuru (Suicide Circle, Shion Sono, 2001)
[6] The Evil Dead (Tanz der Teufel, Sam Raimi, 1981)
[7] Hot Shots! Part Deux (Hot Shots! - Der 2. Versuch, Jim Abrahams, 1993)

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