Rice Pot [ Sammo Hung ], Chimney [ Frankie Chan ] und Ann [ Diddy Pang ] arbeiten mit ihrem Lehrmeister Kim [ Lau Hak Suen ] als Taschendiebe. Das Geschäft läuft auch blendend, die Polzisten Wu [ Richard Ng ] und Wang Kun [ Paul Wong Kwan ] haben erstens genug mit sich selber zu tun, da sie zweitens nicht die Hellsten sind. Ernst wird es nur, als die Truppe für eine andere Gang die bei den Brieftaschen erbeuteten Personalausweise abgeben sollen, statt diese zurückzulassen; was sie dann auch nicht wirklich freiwillig befolgen. Ausserdem klaut Rice Pot als Gefallen für seine Freundin Ling [ Deanie Yip ], einer Polizistin, eine Diamantlieferung, um so den Hehler Chou Meng Sheng [ Peter Chan Lung ] unter Zugzwang zu setzen und als Kronzeugen zu gewinnen. Spätestens dies sollte sich als Fehler herausstellen...
Sammo Hungs Carry on Pickpocket war der Startschuß einer Reihe von modern day Actionkomödien, die nach dem Erfolg von Aces go Places [ 1982 ] vermehrt gefragt waren. Hung hatte zwar schon 1978 mit Enter the Fat Dragon seinen Ausflug in die aktuelle Zeit blendend bestanden, sich danach aber weiterhin den period pieces zugewandt, die bis dahin einfach noch erfolgreicher waren; was selbstredend den plötzlichen Hits von Jackie Chan zuzusprechen war.
Nach Aces go Places war aber erstmal alles anders, die Wald – und Wiesensettings nicht mehr gefragt und kurz danach auch aussterbend.
Pickpocket handelt dem Titel gemäss natürlich rund um die Uhr von Taschendieben, was den Film dann auch vom Thema her wie ein Vorgänger seiner Lucky Stars Reihe aussehen lässt, die ebenfalls mit halbkriminellen Taugenichtsen ausstaffiert waren. Stimmung, Szenenaufbau, Inszenierung ist auch alles dasselbe; nur hier noch auf etwas mehr Story bedacht und glücklicherweise auch nicht so überfüllt und infantil wie in seine gattungsähnlichen Nachfolger.
Sowieso ist die Geschichte strammer als bei Hung üblich, verzichtet natürlich nicht auf mal ausschweifendere und auch unpassendere Szenen hier und da, hält sich damit aber sehr in Grenzen. Ausserdem muss eine Komödie ja nicht durchgängig auf einen geschlossenen Zusammenhang achten, solange sie ihr vornehmliches Ziel der Unterhaltung erfüllt.
Pickpocket tut das mit Bravour und ist für alle, die mit Hungs Filmographie vertraut und warm geworden sind und jetzt erst die Chance haben den Film zu sichten ein wahres Vergnügen; wie ein Ausflug in eine bessere Zeit.
Grund dafür vor allem die gesamte Atmosphäre; durchgängig im nostalgischen Zeitkolorit der frühen 80er Jahre gehalten präsentiert sich das Werk emblematisch für seine Ära in einer allgemeinen Aufbruchsstimmung.
Es wird viel herumgealbert, nicht schwarzgemalen, mal noch nicht an 1997 oder an die Zukunft überhaupt gedacht. Das Leben genossen und auch kein Problem daraus gemacht, dies offen zu zeigen.
Man gibt sich leicht und sorglos und strahlt dies auch aus, der Film ist seicht, beschwingt, mitreissend in seiner Harmlosigkeit und Fröhlichkeit.
Man lacht mit den Leuten, nicht über sie; die Scherze, Wortgefechte und Pärchenstreits arten auch nie aus oder werden mal gröber wie in Hung – Werken ein Jahrzehnt später; die im direkten Vergleich geradezu düster und roh sind.
Slapstick wird gross geschrieben, aber nicht mit wirklich gewalttätigen Aktionen durchsetzt, sondern gemäss der Tradition elegant gehalten. Dialoge kommen weitgehend ohne Flüche oder gar Beleidigungen aus; es wird amüsiert ohne hässlich zu werden.
Auch das später oftmals angestrengt wirkende Pointenzielen weicht hier einem flüssigen, eleganten und dadurch um so treffenderem Witz, der sich wie aus der Situation zu ergeben scheint und keine grossen Umwege oder Einleitungen dafür nimmt. Sicherlich sieht man die Lacher auch kommen; sie sind nicht aus dem heiterem Himmel oder von genialischer, unerwarteter Einfalt, aber sie wirken dann immer noch.
Der vermehrt anberaumte Konflikt und damit die dramatische Komponente als Gebilde für den Showdown ergibt sich aus dem Leben der Kriminellen selber, abseits moralischer Fragen kommen sie durch ihr eigenes Tun in Schwierigkeiten. Durch die Tatsache, dass sie ganz einfach die Besten gerade in dem Metier sind und dem schnellen Geld selber natürlich auch nicht abgeneigt. Ein Diskurs über Gut und Böse erfolgt hier beileibe nicht und wäre im Kontext auch unangebracht; es reicht dann eben aus, dass durch sie keiner ernsthaft geschädigt wird [abgesehen vom gestohlenen Geld natürlich] und dass es dann noch die richtig finsteren Burschen gibt. Denen sie dann Paroli bieten, dadurch entschädigend für die vorherigen Missetaten Abbuße leisten.
Zeit für die Actionszenen, die sich wie bei Hung üblich langsam steigern; anfänglich kommt der Aufbau, die Personen, die ganzen Elemente drumherum. Erst am Ende die wirkliche Verschärfung, die erfolgte Komparation wirkt hierbei auch noch nicht aufgesetzt oder in einer etwaigen Auffälligkeit aus dem restlichen Film fallend. Motive und Anlässe für Auseinandersetzungen sind geschickt integriert und dann auch in genügender Zahl vorhanden; sei es in kleineren Zusammenstössen mit aufdringlichen Rüpeln in der Disco oder der Revance an die schlagfreudigen Schergen. Keine aussen vorstehende Materialschlacht, um schnell mal das Alibi für ein Starcameo zu bieten, sondern etwas Akrobatik und Stunts aus der Notwendigkeit der Narration erfolgend. Eine Verfolgungsjagd quer durch ein Motocrossrennen als erstes Ausrufezeichen. Am Ende eskaliert dann in berauschender Manier die Choreographie; der Exzess samt angezogenem Härtegrad erfüllt seine Funktion als Finale, als wirklicher Höhepunkt: Auf einem Frachtschiff wird sich eine Viertelstunde lang mit Pumpguns, Äxten, Schraubenschlüsseln und dergleichen beharkt; nun auch vermehrt die Brutalität der Handlungen offen dargelegt und auch die ersten Opfer nicht ausgespart. Auch hierbei wieder die Sprache der 80er offensichtlich, nun allerdings auf der anderen Seite, im Realismusgehalt. Kein Wirework, keine Stilisierung, sondern mit allen verfügbaren Mitteln und Konsequenzen ums nackte Überleben gekämpft.
Auffällig dabei noch, dass das misslungene Diktat von später angewandten motion blur zum Glück noch völlig flachfällt, alleinig die normale Zeitlupe sorgt für die erforderliche Verdeutlichung.
Damals war eben doch noch alles besser, auch wenn bei dem Präteritum natürlich eine grosse Prise Sentimentalität mit dahintersteckt.