Oh man, die Heldin mit dem wohl dämlichsten Namen der Anime-Geschichte findet man in der 24 teiligen Serie Chrno Crusade. Ob der Fantasyschinken noch mehr zu bieten hat als dieses Kuriosum, aber klar doch, viel Action, viel Kitsch und eine tolle Geschichte. Doch eins nach dem anderen, zunächst zur Story.
Nach Ende des ersten Weltkrieges machen leiden die Welt unter Heimsuchungen von Dämonen Teufeln und anderen übernatürlichem Getier. Ihnen gegenüber steht der Magdalehnen Orden, allen voran ihre Frontfrau Schwester Rosette Christopher. Ich weis ich weis, das erste was überarbeitet wird, sollte die Serie je in deutscher Sprache kommen ist der Name. Ihr zur Seite steht der Dämon Chrno, welcher von Rosettes Lebensenergie abhängig ist, zusammen mit anderen Gefährten nehmen sie den Kampf gegen Oberschurken Aion auf.
Das erste was positiv auffällt ist das Setting, wir befinden uns anfangs im New York des Jahres 1921 wo die Heldin mit Tommy-Gun und flotten Sprüchen, klasse designten Dämonen den Gar aus macht. Im ihren besten Szenen kann es die Serie hier durchaus mit Hellsing aufnehmen, denn die liebevoll detaillierten Umgebungen und unheimlichen Widersacher wissen zu begeistern, da steht man gern auch mal bestenfalls mittelmäßige Dialoge für durch. Die Action bleibt klassisch und rasant, die Macher konnten der Versuchung widerstehen computeranimierte Tricks zu Hilfe zu nehmen, dennoch sehen die unzähligen Effekte sehr gut und lebendig aus. Gleiches gilt für die Figuren, wie gesagt im besten Fall, denn das bleibt leider nicht immer so.
Irgendwann beginnt dann die Haupthandlung und Chrno Crusade schaltet mindestens zwei Gänge runter der Detailreichtum nimmt drastisch ab und es werden merklich häufiger Standbilder und schablonenhafte Animationen verwendet. Außerdem nimmt das witzig gemeinte aber bestenfalls kindische Getue hier Überhand, ihr wisst schon was ich meine Wutausbrüche, Spiralaugen, Schweißperle an der Stirn und solches Zeug, wie man es in Ranma oder Goldenboy findet. Funktionierte die Mischung aus ernsthafter Action und Humor in Full Metal Panic! noch ausgezeichnet, nerven die Klischeeeinlagen hier und helfen der Handlung nicht weiter. Action gibt’s bestenfalls jede zweite Episode etwas, zum Beispiel ist die Folge in der die Helden in einem Zug an die Westküste gegen den unsichtbaren Puppenspieler kämpfen eine der spannendsten überhaupt, nur davor gibt es eine megakitschige Weihnachtsepisode und danach einen pseudowitzigen Zickkrieg zu sehen. Überhaupt ertrinken einige der Dialoge im Kitsch, das nervt allerdings nur in den Augenblicken in denen rundherum nichts Nennenswertes passiert, im Finale stört es kein bisschen.
In dem Moment in dem sich Rosette und ihr lang vermisster Bruder aber auf dem Jahrmarkt in San Fransisco treffen, ist die Serie innerhalb von wenigen Sekunden wieder auf ihrem Zenit angelangt und zieht dieses Niveau konsequent bis zum Ende durch. Das, knapp sechs Folgen lange, Finale ist dann wieder technisch brillant, spannend, super aufgelöst und weitestgehend frei von Zugeständnissen an ein jüngeres Publikum. Wer die Geduld aufbringt die schwächeren Episoden zu überstehen wird hier vollends entschädigt. Was im Gedächtnis bleibt sind die Hoch und Tiefpunkte und die Stärken überwiegen dann doch, so dass man Chrno Crusade als Mischung aus Hellsing und Sailor Moon bezeichnen kann sagen wir mal im Verhältnis 75% zu 25%. Das geht in Ordnung, hätte man sich aber konsequenter auf die düsteren Aspekte der Story konzentriert und diese weniger verwässert, die Schurken leben zum Beispiel in einem beschaulichen Landhaus am Ozean und die Katzenartige Sekretärin vom Dämonenfürst gehört so in eine Kinderserie, ist hier aber völlig deplaziert, wäre im Endeffekt eine eindeutig bessere Serie herausgekommen.
Fazit: Chrno Crusade ist eine gelungene Fantasy Anime Serie, mit der Fans japanischer Zeichenware nix falsch machen. Leider hängt sie im Mittelteil sowohl dramaturgisch als auch technisch merklich durch. Aber insgesamt betrachtet kann ich die Serie vor allem aufgrund des tollen Settings und der spannenden Geschichte weiterempfehlen. Hätte man den düsteren Stil der letzten Episoden konsequent durchgezogen, hätte Chrno Crusade ein Klassiker werden können.