ACHTUNG ! SPOILER !
„Der Journalist Claude Marchand erhält den Auftrag, den international anerkannten Plastiker Bardolesco [sic!] (Boris Karloff) zu Interviewen. Da der Künstler blind ist, braucht er Skelette, um seine Plastiken zu schaffen. Marchand stößt auf entsetzliche Spuren.“ (VMP-VHS)
EL COLECCIONISTA DE CADAVERES, gedreht im Jahre 1967 in Spanien, kam erst rund drei Jahre später in die spanischen Kinos. Die amerikanische Uraufführung fand im November 1971 in New York unter dem Titel CAULDRON OF BLOOD statt. Diese lange Verzögerung bis zur Premiere nimmt nicht weiter Wunder, wenn man den Film gesehen hat. Die dubiose spanisch-amerikanische Co-Produktion war zwar nicht der letzte Film des 1969 verstorbenen Boris Karloff, aber der letzte, der in amerikanischen Kinos gezeigt wurde. Karloff, zur Zeit der Dreharbeiten nur noch ein Schatten seiner Selbst, kann dieses Machwerk leider in keinster Weise aufwerten. Die Story ist ein alter Hut und wurde bereits mehrfach auf Celluloid gebannt, so u.a. 1953 in „House of Wax“ oder 1959 in „A Bucket of Blood“. In diesem Falle wurde die Absurdität der Geschichte noch zusätzlich dadurch auf die Spitze getrieben, das Karloff einen blinden (!) Bildhauer spielt, der an einer Figurengruppe arbeitet, für die ihm als Vorlage ein Gemälde dient. Wie das gehen soll, weiß wohl auch nur der Drehbuchautor.
Der gesamte Film enthält so gut wie keine ansprechende Szene. Einzig eine surreale Traumsequenz sorgt für etwas Aufsehen. Der Rest ist dermaßen langweilig inszeniert, dass man Mühe hat, der Handlung mit wachem Auge zu folgen. Dazu kommt, dass der Film mit Jean-Pierre Aumont und Viveca Lindfors in den Hauptrollen eklatant fehlbesetzt ist. Besonders Aumont nervt den Zuschauer durch sein gelangweiltes, eitles Getue. Der gebrechlich wirkende Boris Karloff ist zumeist nur im Sitzen oder im Bett liegend zu sehen. Um so größeren Respekt muss man seiner enormen Energieleistung zollen, die er in den letzten 10 Minuten des Films vollbringt, in denen er sich im Zweikampf gegen Viveca Lindfors behaupten muss. Rosenda Monteros und Dianik Zurakowska sind zwar nett anzuschauen, viel mehr als „eye-candy“ haben sie aber nicht zu bieten. Ruben Rojo neigt in einer Nebenrolle als ständig betrunkener Dorfbewohner zu heftigem Overacting, was dem Film auch nicht gerade hilft.
Dank des sinnfreien Drehbuchs, der langweiligen Dramaturgie und den ärgerlich schlechten Darstellern ist EL COLECCIONISTA DE CADAVERES einer der unerquicklichsten Horrorfilme überhaupt. Dagegen sind Karloff's kurz darauf in Mexiko entstandenen, drittklassigen Werke pures Entertainment.
EL COLECCIONISTA DE CADAVERES wurde in Deutschland nicht im Kino gezeigt. Er kam erst Anfang der 80er Jahre unter dem unsinnigen Titel KOCHENDES BLUT bei VMP mit einer Laufzeit von 87:46 Minuten auf Video heraus. Diese um einige Minuten gekürzte Edition (siehe www.schnittberichte.com), basiert auf der 99:10 Minuten langen US-Fassung CAULDRON OF BLOOD. Inzwischen ist der Film in Deutschland auch als ungekürzte DVD erschienen.
Ratlosigkeit gab es lange Zeit bei der Frage, wer den Film denn nun eigentlich inszeniert hat. Zahlreiche Kritiker vermuteten, dass der Name Edward Mann ein Pseudonym des spanischen Regisseurs Santos Alcocer sei. Laut IMDb sind diese beiden Persönlichkeiten jedoch eigenständige Individuen.
Fragt man die KI, erhält man mal diese, mal jene Auskunft, je nachdem, wie man fragt. Fakt ist, dass in den Credits der spanischen Fassung J.Melson, Edward Mann und Jose Luis Bayonas einen Credit für „Argumento“ erhalten haben. „Der Ausdruck „Argumento“ bei spanischen Filmen bezieht sich auf die Geschichte oder Handlung des Films. Oft gibt es die Person an, die die Story konzipiert hat, was sich vom Drehbuch unterscheidet, das den Dialog und die detaillierte Handlung wiedergibt.“ (Quelle: KI) In dieser spanischen Fassung wird Santos Alcocer mit einem Credit für „Guion“ (Drehbuch) sowie als „Director“ aufgeführt. Die amerikanische Fassung ist da etwas kryptischer. Der Vorspann ist so gestaltet, dass der Film nach einer rein amerikanische Produktion aussieht. Hier tauchen auch einige Namen auf, die in der Originalfassung nicht zu finden sind, so z.B Donald Havens Jr. und Gilbert Simmons als „Associate Producer“ und Edward J. Whyte, III als „Production Associate“. Das Drehbuch (Screenplay) wird hier John Melson und Edward Mann zugeschrieben. Eine spezielle Nennung als „Realizador“ geht an Santos Alcocer. Und weiter ist zu lesen: „A Film by Edward Mann“. Die eindeutige Nennung eines Regisseurs (Director) wird vermieden. Vermutlich wollten die US-Verleiher verschleiern, dass der Film keine US-Produktion ist. Oder es wurde aufgrund von vertraglichen Regelungen so vorgegangen.
Inhalt:
Zusammen mit seiner Frau Tania (Viveca Lindfors) lebt der geniale, aber blinde und gehbehinderte Bildhauer Franz Badulescu (Boris Karloff) in dem kleinen spanischen Küstenort Pinderera. Badulescus Behinderung ist das Ergebnis eines Mordanschlags den Tania vor Jahren auf ihn verübte. Seitdem betreut sie ihren Mann, der ohne sie völlig hilflos ist, und bestimmt über sein Leben. Eines Tages erscheint der Journalist Claude Marchant (Jean-Pierre Aumont) in dem Ort, um mit Badulescu ein Interview zu führen. Tania aber schirmt ihren altersschwachen Mann weitgehend von der Außenwelt ab und so kann Marchand zunächst nur ein paar Worte mit Badulecu wechseln. Tania will ihm aber am nächsten Tag einen längeren Besuch gestatten.
Unterdessen macht Marchant die Bekanntschaft mit Tanias Freundin, der attraktiven Malerin Valerie (Rosenda Monteros), von der er sich Informationen über Badulescu erhofft. Valerie erzählt ihm, dass seit einiger Zeit immer wieder Bewohner des Dorfes spurlos verschwinden. Am Tag darauf ist auch Valeries Freundin Elga (Dianik Zurakowska) unauffindbar.
Schließlich kommt heraus, dass Badulescu als Basis für seine Skulpturen menschliche Skelette verwendet. Tania, die es auf das Geld ihres Mannes abgesehen hat, macht ihrem ahnungslosen Mann vor, dass die Skelette vom örtlichen Friedhof stammen. In Wahrheit handelt es sich um die Gebeine der verschwundenen Dorfbewohner, die von Tanias Geliebtem Shanghai (Milo Quesada) ermordet wurden. In einem Säurebad im Keller von Badulescus Haus wurden die Körper der Toten dann bis auf die Knochen aufgelöst.
Dann fällt auch Valerie in die Hände des mörderischen Duos und wird in den Keller verschleppt. Von Badulescus Haushälterin Pilar (Jacqui Speed) erfährt Marchand was passiert ist und er eilt sofort zu Badulescus Haus. Dort kommt es zu einem heftigen Zweikampf zwischen ihm und Shanghai, bei dem Shanghai unterliegt.
Inzwischen hat Badulescu die Wahrheit erkannt und versucht, Tania von ihrem Vorhaben abzuhalten, Valerie zu töten. Bei der Auseinandersetzung zwischen den beiden kann Badulescu seine Frau mit letzter Kraft überwältigen. Tania überlebt diesen Kampf nicht. Marchand eilt unterdessen in den Keller und befreit Valerie aus ihrer Zwangslage. Badulescu aber richtet sich selbst, in dem er von den Klippen vor seinem Haus in den Tod springt...
Santos Alcocer (Badenas), geboren 1907 in Spanien, arbeitete als Schriftsteller, Journalist, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Von 1949 bis 1951 war er Direktor der „Paesa Films“. 1951 gründete der das Unternehmen „Ansara Films“, 1958 gefolgt von der Produktionsfirma „P.C. Santos Alcocer“. 1958 drehte seinen ersten Spielfilm, „La Novia de Juan Lucero“. Es folgten weitere Filme, zumeist folkloristische Streifen (Heimatfilme) mit viel Musik, aber auch ein Western „The Texas Twins“ (1964), sowie ein weiterer Horrorfilm mit dem Titel „Solo un Ataud / Erotik in der Folterkammer“ von 1966 mit Howard Vernon. Zwischen 1968 und 1970 arbeitete er für das spanische Fernsehen. Die IMDb listet für Alcocer insgesamt 8 Regiearbeiten und 12 Filme, die er als Produzent betreute. Die meisten Filme an denen er beteiligt war, sind außerhalb Spaniens kaum zu sehen gewesen. In den frühen 70er Jahren zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Alcocer verstarb im Jahre 1987.
Jean-Pierre Aumont wurde am 13.07.1911 in Paris geboren. Nachdem er in den 30er Jahren in zahlreichen französischen Filmen mitgewirkt hatte, ging er 1941 nach Hollywood. Von da an war der Frauenschwarm regelmäßig in amerikanischen und französischen Mainstream-Produktionen zu sehen. Von 1943 bis 1951 war er mit Maria Montez verheiratet. 1956 heiratete er Marisa Pavan. Der Vater der Schauspielerin Tina Aumont starb 2001 in Frankreich.
Aus der Werbung:
Ein Horrorfilm der einem das Grauen lehrt!
Echter Horror, der nicht mehr losläßt.
(VMP-VHS)