ACHTUNG! SPOILER!
Dieser wenig bekannte Film mit Horrorfilm-Altstar Boris Karloff ist zu Recht ein wenig bekannter Film mit Boris Karloff.
Mario Andreani (Renato Vicario) soll als verdeckter Ermittler der italienischen Polizei auf der Insel Ischia einen Ring von Drogenschmugglern zerschlagen. Durch die Sängerin Gloria d'Auro (Franca Marzi), die in die Machenschaften der Bande involviert ist, kommt Andreani in Kontakt mit einigen Mitgliedern der Gang. Außerdem lernt er den den freundlichen Don Gaetano (Boris Karloff) kennen, der auf der Insel ein Kinderkrankenhaus gegründet hat und dieses finanziell unterstützt. Als Andreani der Bande immer mehr auf die Pelle rückt, entführen die Banditen dessen Tochter Fiorella (Patricia Remiddi) und drohen damit, diese zu töten, sollte Andreani seine Nachforschungen nicht einstellen. Mit Glorias Hilfe kann Andreani schließlich das Hauptquartier der Schmuggler ausmachen und muss zu seinem Schrecken erkennen, dass der scheinbar so gütige Don Gaetano der Kopf der Bande ist. Nach einigem Hin und Her gelingt es schließlich der Polizei, sämtliche Schmuggler dingfest zu machen. Don Gaetano versucht noch mit Fiorella als Geisel zu flüchten, wird aber von Andreani erschossen. Mit dem Kommentar: „The benefactor of the island, a Monster!", quittiert einer der Polizisten den Tod Don Gaetanos.
Mit diesem letzten gesprochenen Satz des Films wird verzweifelt versucht, den irreführenden Titel zu rechtfertigen. Denn in dieser recht banale Kriminalgeschichte kommt natürlich kein „Monster" vor. Der spannungsarme Film wurde von Roberto Montero mit weitgehend unbekannten Darstellern und ohne besondere Höhepunkte in Szene gesetzt. Schnell durchschaut jeder Zuschauer, wer denn der Oberbösewicht des Films ist, so plump ist die ganze Story um den „Wohltäter der Insel" Don Gaetano angelegt. Boris Karloff spielt seine Rolle durchaus überzeugend, kann aber nichts gegen das simple Drehbuch ausrichten und den Film letztlich auch nicht retten. Die anderen Darsteller bleiben dagegen eher blass und die Charakterzeichnung ist bestenfalls rudimentär. Bemerkenswert (und erfreulich!) ist, dass die Darstellerin der Sängerin Gloria nicht einen einzigen Song zum besten gibt, obwohl etliche Szenen in dem Nachtclub spielen, in dem Sie der Star ist. Dafür muss man dann eine längere Tanzszene über sich ergehen lassen. Die Ausstattung des Film ist recht bescheiden und die Kameraführung ohne besondere Raffinesse.
Im Netz kursieren sowohl eine englisch synchronisierte Fassung des Films mit einer Laufzeit von 85:01 Minuten sowie eine Fassung in italienisch, die nur 66:33 Minuten läuft. Gekürzt wurden einige unwesentliche Handlungsstränge, was dem Film aber sehr zu Gute kommt. In der englisch synchronisierten Fassung des Films wird die Rolle der kleinen Fiorella scheinbar von einer erwachsenen Frau gesprochen, die verzweifelt versucht mit grässlich quiekender Stimme ein kleines Mädchen zu imitieren. Das ist einfach nur miserabel und wirklich unerträglich.
Nur für unerschütterliche Karloff-Fanatiker.
IL MOSTRO DELL'ISOLA war einer der ersten Filme, bei denen ROBERTO BIANCHI MONTERO (1907 - 1986), der bereits in den 30er Jahren als Darsteller begonnen hatte, Regie führte. In den folgenden rund 30 Jahre im Filmgeschäft inszenierte Montero zahlreiche Filme in allen Genres, zumeist mit geringem Budget. Er dreht Mondo-Filme, Italo-Western, Agentenfilme, Giallos und Erotikfilme, darunter einige großartige Trash- und Schmuddelfilme wie z.B. „Rivelazioni di un Maniaco Sessuale al Capo della Squadra Mobile / Schön, nackt und liebestoll" (1972) oder „Das Rattennest" (1974). Sein Sohn MARIO BIANCHI führte diese Tradition seit den frühen 70er Jahren quasi nahtlos weiter.
Für BORIS KARLOFF, der in den USA zuvor „Abbott and Costello Meet Dr.Jekyll and Mr. Hyde" abgedreht hatte und danach zusammen mit seiner Frau nach London kam, um hier die Titelrolle in der britischen TV-Serie „Colonel March of Scotland Yard" zu übernehmen, war IL MOSTRO DELL'ISOLA einer der wenigen Filme, die er außerhalb des englischen Sprachraums gedreht hat.