Der Affe ist im Film immer dann ein beliebtes Anschauungsobjekt, wenn es darum geht, den fortschrittlichen Menschen und seine Königsdisziplin, die Wissenschaft mitsamt ihrer Ignoranz und Überheblichkeit zu kritisieren. “Man... the greatest kind of animal”, darf Karloff ironisch prahlen. Eine Spezies, die es sich erlaubt, sich von allen anderen Spezies dieses Planeten zu distanzieren und sich die Krone der Schöpfung zu nennen. Eine bedenkliche Zelebration der eigenen Existenz, bedenkt man, dass sich Mensch und Schimpanse genetisch näher stehen als Schimpanse und Gorilla...
William Nigh, mit dem Karloff auch die “Mr. Wong”-Filme drehte, bediente sich bei Motiven des von ihm selbst inszenierten “House of Mystery” von 1934 und drehte “The Ape”, ein im Gegensatz zu seinem Mystery-verschleierten Vorläufer an der Wissenschaft und dem animalischen Trieb im Menschen interessiertes Werk, dessen Plot einerseits ganz interessant klingt, andererseits aber ziemlich schal und gewöhnlich inszeniert wurde.
Speziell die sich durch die ganze Stunde ziehende Parallelmontage vom Ausbruch des Gorillas aus seinem Zirkus-Käfig und Dr.Adrians (Karloff) Bemühungen um die Heilung der gehbehinderten Frances (Maris Wrixon) ist an Gewöhnlichkeit kaum mehr zu überbieten, wobei man freilich die Zeit berücksichtigen muss sowie den Umstand, dass derartige Montagen noch heute gang und gäbe sind. Und doch wirkt es schrecklich vorhersehbar, wie die Narration aufgezogen wird, vor allem, was den Einbau des aufgebrachten Pöbels und der misstrauischen Sheriffs betrifft, denn die finden ihre Archetypen in Karloffs ersten großen Erfolgen Anfang der Dreißiger Jahre. Aufgebrachte Eltern jammern beim Bürgermeister, dass ihre Kinder doch so gefährdet seien, wo ein Riesengorilla umherläuft (man erinnert sich an Helen Lovejoys berühmtes “Kann denn bitte nur einmal jemand an die Kinder denken?”), während der Mann des Gesetzes mit verstohlenem Blick seine Schlüsse zieht und den Doktoren ausquetscht. Der Plottwist lockt da auch kaum noch jemanden hinter dem Ofen vor, weil man als Zuschauer sogar noch schneller kombiniert als der Sheriff und ohnehin eine Szene nach rund 30 Minuten die ganze Wahrheit auskotzt und jegliche Geheimniskrämerei zunichte macht.
Etwas ungewöhnlicher ist die Darstellung des Doktoren, denn der ist beileibe kein unnahbarer Wahnsinniger, der sich in seine Gemäuer am höchsten Punkt des Ortes einschließt und unaussprechliche Dinge hinter verschlossenen Türen macht. Endlich mal werden die spacigen “Frankenstein”-Gerätschaften nicht benötigt, keine Spur von Phiolen mit schäumendem Gebräu, spiralförmigen Glasröhren oder riesigen Apparaturen mit Schaltern und Knöpfen. Karloff spielt vordergründig einen richtigen Menschen, weder ein sprichwörtliches Monster noch einen Mad Scientist, sondern einen Mann, der sich wie ein liebenswerter Nachbar der Bevölkerung gegenüber und wie ein fürsorglicher Vater der im Rollstuhl sitzenden Frances gegenüber verhält - ein Mann, dem man vertrauen würde. Sein Haus ist ein einladender, gemütlicher Ort mit Vorgarten und Bäumen. William Nigh liegt viel daran, den Mad Scientist-Typus seines Schreckens zu berauben - ein Gedanke, den er mit seiner “Mr. Wong”-Kreation nach dem Vorbild des Detektivs Charlie Chan ebenfalls verfolgte bezüglich der chinesischen Kultur, die sich im Westen nach “Dr. Fu Manchu” mit dem Image des Gruselig-Mysteriösen abfinden musste.
Dass Karloff später doch noch in die Verhaltensweisen eines Mad Scientists abrutscht, fordert zwar der Plot, doch geht seine Menschlichkeit bis zur Schlusspointe nie verloren. Es ist eben eine unterschwellige, weniger expressive Art des Wahnsinns, die hier zu Tage kommt.
Der Affe wird aus pragmatischen Gründen von einem Schauspieler gespielt, schließlich muss er andere Schauspieler würgen und wild umher rennen auf freiem Terrain. Der Darsteller unter der Maske zieht sich aber ganz achtbar aus der Affäre mit teilweise recht animalisch wirkender Körperhaltung und einem recht gelungenen Kostüm - mehr noch, wenn man sich etwa das Bärenkostüm aus Arnolds Trashgranate “Herkules in New York” ins Gedächtnis beruft. Abgesehen von dummen Gebärden hat er in seinen Szenen aber recht wenig zu tun, und insofern stellt sich die Frage, welcher Sinn es rechtfertigt, dass der Affe immer wieder im Gebüsch jenseits der Stadt gezeigt wird. Zum Opfer fallen ihm on screen kaum Menschen, womit der Horrorpart schlichtweg nicht genutzt wird. Zwar wäre das auf eine Kopie der Werwolf-Filme hinausgelaufen, aber besser so, als ihn zweckentfremdet im Nirgendwo umherirren zu lassen.
Frances sitzt im Zirkus und bewundert die filigrane Körperbeherrschung der Luftakrobaten wissend, dass sie selbst sich nicht einmal aus ihrem Rollstuhl erheben könnte. Der Mensch als Ideal unter all den Lebewesen, dabei aber doch so zerbrechlich. Ein Detail fehlt, und schon ist er zu weniger zu gebrauchen als ein Schimpanse, ein Tier, dessen DNA sich in nicht einmal zu 2 Prozent von der menschlichen unterscheidet. Und die Disziplin der Wissenschaft, die alles daran setzt, das Risiko der Zerbrechlichkeit so weit möglich zu unterbinden, muss sich gelegentlich auf das Niveau eines Tieres herablassen, um dem Erfolg näher zu kommen. Was schlussendlich auf die Frage hinausläuft, ob der Mensch in moralisch fragwürdigen Angelegenheiten versucht, sein animalisches Ich von sich selbst zu separieren, ob er in manchen Situationen unter dem Gewand eines Primaten versteckt agiert, um sich als Mensch, als bestes aller Lebewesen, ein reines Gewissen zu erhalten.
Ein edelmütiges Motiv, dies in einem Film zu verarbeiten, und interessant ist es vom Ansatz her zugleich. William Nigh ist hier leider nicht genug Virtuose, um den Gegenstand zu einer meisterhaften Parabel zu machen. Statt dessen wird “The Ape” teilweise in “Worst Movies of all Times”-Listen gekürt - eine trotz handwerklicher Schwächen unwürdige Ehrung. Denn zumindest ist die Prämisse edel genug, um nicht zum sinnlosen Trash zu verkommen. Die Darstellung des Dr. Adrian als höchstens unterschwelliger Mad Scientist, dessen Beweggründe verständlich gemacht werden, ist auch etwas von Wert, das man mitnehmen kann. Ansonsten bleibt es beim gewöhnlichen Science-Movie mit leichten, aber unentschuldbar verplemperten Tierhorror-Anleihen, die klar effektiver hätten genutzt werden müssen.