Review

Eine Dokumentation im Kino: BAH!
Eine politische auch noch?: PFUI BAH!

So und anders waren die Antworten meiner Kollegen auf meine Frage, ob wer mit mir in Fahrenheit 9/11, den neuen Film von Michael Moore, kommt. Letztendlich konnte ich doch jemanden finden, und so fand man sich abends im Kino wieder.
Der Film startet mit einer gut gemachten, für Leute, die "Stupid White Men" noch nicht kennen, interessanten Einleitung über die berühmte Präsidentschaftswahl, aus der Bush als Verlierer, und doch als Sieger hervorging. Sofort wird klar, dieser Film ist ein Moore, denn in diesen 5 Minuten wird ein ganz wesentlicher Aspekt klargemacht: Dieser Mann wurde nicht gewählt, warum sitzt er im White House?
Ergreifend die lange Szene der Anklage verschiedener schwarzer Bürgerinnen und Bürger vor dem Senat, da sie ihren Stimmen entmächtigt wurden. Auch hier darf der beißende Humor Moores natürlich nicht fehlen. (Du entmächtigst bestimmte Gruppen einfach ihren Stimmen, man erkennt diese zum Beispiel an ihrer Hautfarbe...)

Nach diesem Anfang wird deutlich, es ist ein Film der Bilder, vorallem der ruhigen Bilder. Moore will anders als bei "Bowling For Columbine" das amerikanische Volk nicht kritisieren (zumindest nicht nur), sondern belehren. Denn für ihn ist eines klar: Nicht noch eine Amtszeit mit Bush!
Was man dann sieht stellt für mich eine der herausragenden Szenen dieses Filmes dar. Bush wird während einer Visite im Kindergarten mitgeteilt, dass ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm geflogen ist. Sein Gesicht wird bleich, und hilflos. Er sitzt minutenlang dort, wie ein kleiner Junge, alleingelassen, unwissend was zu tun ist. Diese Szene stellt dar, was nicht einmal Moore besser in Worte fassen könnte: Der Präsident ist unfähig zu handeln, machtlos ohne Berater.

Neben der Darstellung, Bush ist hilflos, gibt es noch andere Eckpunkte des Films:
Bush hat irgendwas mit Saudis zu tun!

Ja genau, präziser kann man diese Aussage nicht fassen, denn Moore verheddert sich bei dieser Darstellung zu sehr in subjektiver Meinung und geschäftlichen Fakten. So völlig neu ist das zum größten Teil nicht, was wir dort hören. Und letztlich wird zwar herausgestellt, es gibt geschäftliche Kontakte zwischen Amerika bzw der Bush-Family und den Saudis (bzw der Bin-Laden-Family). Das ist heikel, besonders wenn ein Familienmitglied einen der schlimmsten Angriffe auf amerikanisches Territorium aller Zeiten verübt. Unmoralisch wäre dann der Vorwurf Moores, doch das ist nicht strafbar.
Was beeindruckt ist der Satz "Ja, den Saudis gehört damit ungefähr 10% von Amerika.", ausserdem regt er zum Nachdenken an.

Und was sieht man sonst? Es wird auf den Irakkrieg eingegangen, wobei mir dabei Hussein als zu unschuldig dargestellt wird, doch Moore will schliesslich lenken. Traurig die Darstellung der Mutter, die ihren Sohn verloren hat, bedrückend ihr Gang zum White House.

Offensichtlich ist, Moore möchte die Zuschauer beeinflussen. Darum macht er auch keinen Hehl, und indirekt passiert so eine Beeinflussung eh ständig: In Zeitungen, wo die Wortwahl des Redakteurs indirekt die Ansicht des Artikels lenkt. Dies ist meist unauffällig, Moore hingegen tut es ganz direkt, sehr subjektiv, und sehr bestimmt. Gegenargumente werden nicht beachtet, somit wird wenig differenziert. Doch muss man das? Muss eine Dokumentation heutzutage objektiv sein? Diese Frage wird man sich in Zukunft zu stellen haben.

Was auffiel war die Ernsthaftigkeit des Films. Moore war anscheinend so sehr darauf bedacht, die Fakten hervorzubringen, dass der von mir so geliebte Mooresche Wortwitz und Sarkasmus etwas unterging. Fahrenheit wirkte erwachsener, doch ungeordneter als sein für meine Begriffe Meisterwerk "Bowling For Columbine", und somit auch weniger innovativ. Dafür informativ, auch wenn viele Informationen für die Amerikaner war, da dort stärkere Medienzensur herrscht.
Bekehren wird der Film keine Bush-Anhänger, dafür bietet er zuwenig Argumente, doch die Nicht-Wähler, die könnte er mobilisieren. Somit darf man sein Potential nicht unterschätzen. Die Stärken des Filmes liegen in der Bildwahl, der Bildkomposition, den leichten Kommentaren nebenbei (wobei ich mir den Film lieber in der OV angesehen hätte...) und in der Aufbereitung der vorliegenden Szenen.

Die oben angesprochene Direktheit Moores ist dabei der Schlüssel, entweder man hasst ihn, oder man liebt ihn dafür...

Rating: 8/10

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