Review

Es wurde in der Vergangenheit oft über Sinn und Unsinn von FSK-Freigaben geredet, aber hier hat die FSK-18-Freigabe zweifellos ihre Berechtigung: kleinen Kindern oder Halbstarken kann man einen solchen Film nicht zumuten. Selbst ich war bei dem Film „Saw“ aufgrund seiner diabolischen physischen und psychischen Grausamkeit geschockt. Und ich sehe wahrlich nicht den ganzen Tag nur Filme wie „Schlaflos in Seattle“…

Die Story dreht sich um „Jigsaw“ - den „Puzzle-Mörder“, der seine Opfer grausame und nahezu unmögliche Dinge tun lässt um sich aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Unter anderem musste eine Frau ein Schlüssel für ein tödliches Zeitschloss an ihrem Kopf in dem Verdauungstrakt eines im Raum befindlichen betäubten Mannes finden, um aus der Falle zu entkommen. Zur Hilfe hatte sie ein kleines Küchenmesser…
Zartbesaitete sollten den Film also wirklich meiden, denn obwohl „Saw“ in einigen Kinozeitschriften oft mit „Sieben“ verglichen wird ist er doch um einiges härter. Blanker Psychoterror der masochistischen Sorte.

Das war eine der vielen Rückblenden, nun zur Gegenwart: Ein Arzt und ein Fotograf wachen einander gegenüber in einem dreckigen Raum angekettet auf. Zwischen ihnen eine Leiche (?), mit einem Kassettenrekorder in der Hand und blutverschmierten Gesicht. Ein paar Hinweise später erfahren sie, wo einige nützliche Gimmicks versteckt sind, die helfen könnten sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Unter anderem 2 Sägen, mit denen man die Ketten zwar nicht, aber wohl den Fuß abtrennen kann. Ein teuflisches Spiel beginnt…

Mehr soll hier nicht verraten werden. Regie-Debütant James Wan gelang ein abgründiger und nahezu perverser Low-Budget-Schocker, der auch nicht mit Gore-Effekten spart. Die Effekte mit der kreisenden Kamera und den (zu) schnellen Schnitten in Videoclip-Ästhetik hätte man sich aber sparen können. Der Film entwickelt aber gerade deshalb eine ungemein düstere Optik.
Im Laufe der Handlung tun sich bei den beiden Protagonisten nicht geglaubte Abgründe auf: so geht der eine fremd und der andere ist ein Voyeur.
In seinen Einfällen um die Morde ist der Film in seinem Sadismus einfach nur krank, was ihn aber gerade zu einem schaurigen und verstörenden Horror-Thriller macht.
Mit Danny Glover („Lethal Weapon“) und Cary Elwes („…denn zum Küssen sind sie da“) konnte man für den Film zumindest zwei namhafte Schauspieler verpflichten, die auch –wie der Rest der Besetzung- in ihren Rollen überzeugen.
Einzig die permanente Unlogik des Films stößt sauer auf: so lassen sich die Charaktere immer sehr lange Zeit, Irgendjemanden zu erschießen. Das Ende wird hier natürlich nicht verraten, aber diese überraschende finale Wendung wird ähnlich wie bei „The Sixth Sense“ vorher schon andeutungsweise verraten, ohne dass man es für voll genommen hätte und ist sowohl logisch als auch unlogisch zugleich. Aber zumindest eine wohltuende Alternative zum Murks-Ende von "The Village".

Abschließend möchte ich noch raten, sich „Saw“ mit einer Frau zusammen anzusehen, um mitten im Film aufgrund der zahlreichen Rückblenden den Überblick nicht zu verlieren (und auch, weil es ein perfekter Dating-Film ist). Bei wem übrigens bei „The Ring“ das Herz schon gerast hat, der sollte „Saw“ meiden, denn hier reicht es dann für einen Herzinfarkt.
Mit „Sieben“ hat „Saw“ hundertprozentig nur eines gemein: die bittere und drastische Ernsthaftigkeit. Was „Sieben“ für den Kopf war ist „Saw“ für den Körper, denn hier ist mehr zu sehen als das angedeutete Grauen. Hier manifestiert sich die menschliche Angst in ihrer abgründigsten Form.

Aufgrund einiger Logiklöcher aber schrecklich hohen Unterhaltungswert und Adrenalinspiegel vergebe ich für „Saw“ 8 von 10 Punkten.

Details
Ähnliche Filme