Ein neuer Thriller, ja gibt es oft. Der Film wurde hochgejubelt. Ja, gibt es auch oft. Sind die Filme dann nicht immer überbewertet? Ja, manchmal. Aber bei „Saw“ ist es zum Glück nicht so. Ein klasse Erstlingswerk von James Wan.
Ein dunkler Raum. Adam (Leigh Wannell) weiß nicht wo er ist, geschweige denn, wie er hier hingekommen ist. Eine Stimme spricht zu ihm, das schreien nichts bringt. Das Licht geht an.
Adam ist angekettet. Auf der anderen Seite sitzt Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes), ebenfalls angekettet. Auch er weiß nicht, wie er in den Raum gekommen ist. In ihren Hosentaschen finden sie zwei kleine Tapes. Nachdem sie ein Abspielgerät in der Hand eines Toten, der mitten im Raum liegt, gefunden haben, ist der Terror komplett. Sie befinden sich in der Hand eines kranken Killers, der in der Presse nur noch „Jigsaw“ genannt wird. Das perfide ist, der Killer tötet seine Opfer nicht selber, Er stellt ihnen Aufgaben. Lösen sie die Aufgaben, sind die frei. Lösen sie sie nicht, müssen sie qualvoll sterben. Auch für Adam und Lawrence gibt es eine Aufgabe. Lawrence hat gut 6 Stunden Zeit, seinen gegenüber Adam zu töten. Schafft er es nicht, stirbt Lawrences Frau und Tochter. Zunächst versuchen beide, zusammen zu arbeiten. Doch kann man seinen gegenüber überhaupt trauen...?
„Saw“ ist ein erstaunliches Erstlingswerk von Regisseur James Wan. Für relativ wenig Geld schuf Wan einen Thriller, der wirklich mal unter die Haut geht. Sofort ging es darum, den Film mit „Sieben“ zu vergleichen. Sofort zählte man Vor- und Nachteile auf, meiner Meinung aber ein sehr abwegiger Vergleich, denn beide Filme kann man kaum vergleichen, sind sie doch allein vom Budget her schon extrem unterschiedlich. Ich lebe damit, dass beide Filme ziemlich gut sind, ohne jetzt mühsam vergleiche anzustellen.
Was ist der Reiz von „Saw“? Filme mit Serienkiller gab es schon so viele, warum war „Saw“ so ein Erfolg? Dies liegt sicherlich auch an der Art, wie der Täter seine Opfer killt. Kurioserweise ist es hier nicht mal der Killer selber, der seine Opfer umbringt, nein, sie schaffen es immer ganz alleine. Sie bekommen von „Jigsaw“ eine Aufgabe, die klar und verständlich ist, haben eine gewisse Zeit dafür und dann geht es los. Natürlich geht es meistens schief und die Opfer sterben qualvoll.
„Saw“ beeindruckt in den ersten Minuten wie kaum ein anderer Serienkillerfilm. „Saw“ geht direkt in die Vollen, man erfährt einiges über den Killer und seine Opfer. Perfide Storys überbieten sich. Doch leider hält „Saw“ nicht immer dieses Tempo. Sobald die Polizisten Danny Glower und Ken Leung in Erscheinung treten, wird es ein wenig langweilig, wenn nicht gar dumm. Glover ist in diesem Film fehlbesetzt wie schon lange nicht mher. Unlogische Aktionen seitens eines Polizisten geben sich die Klinke in die Hand.
Umso besser sind da schon die beiden Gefangenen. Sie wirken glaubhaft, wirken zwar teilweise auch etwas dumm bei ihren Aktionen, aber so was verzeiht man doch gerne, denn inhaltlich stimmt hier vieles.
Zu Begin hört man ur die Stimme des Killers oder man sieht visuell eine Puppe, die den Killer darstellen soll. Ich kann mir nicht helfen, erinnert mich diese Puppe doch ein wenig an die Puppe aus Dario Argentos „Profondo Rosso“. Ob dies reiner Zufall ist oder gar beabsichtigt, kann ich nicht sagen. Die Puppe in „Saw“ wirkt aber recht unheimlich und erfüllt ihren Zweck.
Oft wurde „Saw“ als Gorefilm abgetan. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Sicherlich enthält „Saw“ ein paar recht derbe Einstellungen, diese sind aber nur Sekundenbruchteile zu sehen und wirken nicht selbstzweckhaft. Beklemmender ist da doch die ganze Atmosphäre in „Saw“, woraus der Film seinen Reiz zieht. Deshalb ist es umso kurioser, dass James Wang einige Alibischnitte setzen musste, damit der Film in den USA doch noch ein R-Rating bekam. Die favorisierte Fassung bekam in den Staaten ein NC-17, das Todesurteil für jeden Kinofilm.
Sprach ich von einem etwas langweiligen Mittelteil, so geht es gegen Ende doch wieder richtig ab und es endet in einem Finale, was man nicht erwartet. Es überschlagen sich die Ereignisse und wenn man denkt, ja, so muss es sein, ist alles doch ganz anderes. Natürlich kann der Film nicht realistisch sein, wie soll ein normaler Mensch alles vorausplanen können wie der Killer im Film? Geht nicht, eben, aber macht das den Film schlechter, ich denke nicht.
Selten hat man so einen erfrischenden Film eines Neueinsteigers gesehen.
Fazit: „Saw“ ist ein extrem spannender Film mit einem klasse Plot, auch wenn es inhaltlich nicht immer stimmt und der Spannungsbogen nicht immer aufrecht gehalten werden kann. Es wäre auch nicht fair, den Film direkt in eine Liga mit „Sieben“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ zu packen, auch wenn es von der Vermarktungsseite gerne so gehandhabt wurde. Ich betrachte „Saw“ als eigenständigen Einsteigerfilm eines jungen Regisseur, der eine hervorragende Leistung abgeliefert hat, trotz oben genannter Schwächen. Besser als der übliche Einheitsbrei aus Hollywood ist „Saw“ allemal.