Yeah, Baby... so muss ein Film dieses Genres enden! Allzu viel möchte ich hier noch nicht verraten und wer sich die Überraschung nicht verderben will, sollte nicht weiterlesen. Denn David Finchers "Sieben" hat einen würdigen Nachfolger gefunden. "Saw" ist nämlich nicht besser oder schlechter als "Sieben", sondern genauso gut. Und Pseudo-Schockthriller der Sorte "Mord nach Plan" und "The Watcher" sollten sich vor Schande verkriechen.
Dr. Gordon (Cary Elwes) und Adam (Leigh Whannell) erwachen an den Füßen angekettet in gegenüberliegenden Ecken eines stillgelegten Waschraums. Unerreichbar zwischen ihnen liegt ein Toter mitsamt Revolver. Via Diktiergerät bekommen die Entführten Anweisung, jeweils den anderen innerhalb einer Frist zu töten. Die Knochensägen, mit denen sie sich befreien sollen, erweisen sich als nutzlos - zumindest zum Zerteilen der Eisenketten. Langsam, aber sicher, kommen die beiden dahinter, dass sie Opfer eines sadistischen Serienmörders (Tobin Bell) sind, der seine Zielobjekte in perversen Versuchsanordnungen nötigt, das eigene Leben als Segnung anzuerkennen...
Cary Elwes (Bram Stoker's Dracula) konnte im Thriller-Genre schon in "...denn zum Küssen sind sie da" als Morgan Freemans Gegenspieler Erfahrungen sammeln. Hier ist er allerdings eines der beiden Opfer. Emotional bringt er seinen Part glaubhaft rüber. Seine entführte Frau wird von Monica Potter (Con Air) gespielt, die ebenfalls Morgan Freeman das Leben in "Im Netz der Spinne" schwer machte. In "Saw" begnügt sie sich lediglich mit dem etwas scheinlosen Part der gekidnappten Ehefrau. Opfer Nr. 2 wird von dem noch recht unbekannten Leigh Whannell (One Perfect Day) gemimt, der mit Regisseur James Wan (Stygian) auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Genau wie Elwes verköpert er seine Rolle gut und ergänzt sich mit ihm prima. Als Killerjäger sieht man noch Danny Glover (Earthsea), der mit Mel Gibson zahlreiche Halunken und im Alleingang sogar einen Predator erledigen konnte, hier aber gegen den vermeintlichen Killer scheitert. Dennoch spielt er seine Rolle gewohnt souverän und kann als gezeichneter Cop punkten. Der wahre Killer selbst wird von Tobin Bell (Schneller als der Tod) dargestellt, den man als Jack Bauers Finalgegner der zweiten "24"-Staffel kennt. Jedoch hat er nur einen kurzen Auftritt... und zwar am Ende!
Schon der Anfang zeigt, dass "Saw" die Ironie der Horror-Filme aus den 90ern über Bord wirft und einen eigenen Weg verfolgt. Bis zum überraschenden Ende hin sieht der Film ganz nach einem weiteren Thriller aus, der nach Schema C gezeichnet wurde und eine blosse Mörderjagd mit anschließender Rettung der fast sterbenden Opfer ist. Das bekam man nämlich schon in "Das Schweigen der Lämmer" und "The Cell" serviert. Trotz gut inszenierter Spannung scheint "Saw" darauf hinauszulaufen, genauso zu enden wie alle anderen Serienmörder-Thriller, die vergebens "Sieben" nacheifern. Glücklicherweise ist dem nicht so und man bekommt ein "Ass-kicking"-Ende a'la "Sieben" geboten, auch wenn nicht ganz so fies wie in David Finchers Werk. Regisseur James Wan hat dieses fiese Ende zudem noch mit passender Musik unterlegt. Auch ansonsten orientiert sich Wan an Finchers Vorzeigewerk, vermeidet dennoch dessen düstere Bilder und zeigt den Schrecken sowie die vorherigen Tode in hektisch geschnittenen Bildern, die mehr an ein Musikvideoclip erinnern. Spielte sich das Grauen in "Sieben" fast außschließlich im Kopf des Zuschauers ab, so präsentiert uns Wan hier blutige Sequenzen mit Gedärmen und einer in Stacheldraht aufgeschlitzten Leiche. Der Hammer ist aber die Kiefer-Klappe, die allerdings nur in einer Vorführung ihre Wirkung zeigen kann, da das Opfer sich noch rechtzeitig befreien kann. Neben dem Kammerspiel von Elwes und Whannell wird "Saw" noch in Rückblenden und Parallelhandlungen erzählt. So erfährt man erst nach und nach, wie und warum die beiden in den Waschraum geraten sind. Denn die Hauptpersonen sind alles andere als schillernde Persönlichkeiten, auch wenn sie nach Außen hin so wirken. Wie viele andere Menschen auch, haben auch Dr. Gordon und Adam in irgendeiner Weise Dreck am stecken. Damit und mit Jigsaws (so wird der Killer von den Cops genannt) Botschaft, dass das Leben als Segen zu betrachten ist, fließt auch die Moralität von "Sieben" in "Saw" ein. Die Locations hat Wan auch einigermaßen (zwar nicht ganz so wie Fincher in "Sieben") düster und schmutzig in Szene gesetzt und baut eine Atmosphäre der ständigen Bedrohung auf.
Man darf demnach auf ein weiteres Werk von James Wan gespannt sein, um zu sehen, ob er, wie Fincher mit "The Game" und "Fight Club", seinem Stil treu bleibt und uns auch weiterhin mit gekonnt inszenierter Spannung unterhalten kann. Das Potential dazu scheint er jedenfalls zu haben.