Review

Die Kritik beruht auf den ungeschnittenen US-Director´s Cut aus der Limited Collector´s Edition!

"SAW" (engl. für Säge, die in dem Film eine tragende Rolle spielt) ist ein amerikanischer Horror-Thriller des Regisseurs James Wan ("Death Sentence"). Das Drehbuch wurde von Wan und Leigh Whannell gemeinsam geschrieben. Saw wurde im Januar 2004 erstmals beim Sundance Film Festival vorgeführt und kam Anfang Februar 2005 in die deutschen Kinos, wo er von fast einer halben Million Zuschauer gesehen wurde. Bei einem Budget von 1,2 Millionen US-Dollar und gerade mal 18 Tagen Drehzeit, spielte der Film weltweit über 102 Mio. US-Dollar ein.

"SAW" ist der erste Teil einer mittlerweile auf 5 qualitativ mehr oder weniger gelungene Fortsetzungen angewachsenen Horrorfilm-Reihe, die sich unter ihren Fans größter Beliebtheit erfreut.

"Die meisten Menschen sind so undankbar dafür, dass sie noch leben. Aber du nicht...nicht mehr!"

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch beschließt der an Krebs erkrankte John Kramer, Menschen zu lehren, ihr Leben zu schätzen. Er wählt dafür ihm passend erscheinende Opfer aus und unterzieht sie einem "Test": Dabei müssen die Opfer zeigen, ob sie überleben wollen, weil sie schätzen, was sie haben - oder ob sie stattdessen sterben wollen. Kramer, der von der Polizei Jigsaw genannt wird (dt. „Stichsäge/Puzzle“; engl. Jigsaw puzzle, „Puzzlespiel“), bringt seine Opfer jeweils in lebensbedrohliche Situationen und verwendet meist mechanische Einrichtungen, um seine Opfer zu foltern. Ihren drohenden Tod können sie nur abwenden, indem sie sich selbst oder andere mental oder physisch verletzen.Bisher konnte allerdings nur eine der "Testpersonen" überleben – Amanda Young (gespielt von Shawnee Smith).

"Dies ist vielleicht der Raum, in dem Sie sterben werden."

Der Arzt Dr. Lawrence Gordon und Adam Faulkner wachen in einem heruntergekommenen Badezimmer auf. Sie sind in gegenüberliegenden Ecken festgekettet. Zwischen ihnen liegt ein blutüberströmter Mann, der sich scheinbar erschossen hat. Beide können sich zunächst nicht erklären, wie sie in diese Situation geraten sind. Sie finden jedoch nach und nach Hinweise, die ihnen einen möglichen Ausweg aufzeigen.
Durch einen Hinweis Jigsaws entdecken Lawrence und Adam in einem Spülkasten zwei Sägen. Nähere Anweisungen für den Gebrauch dafür erhalten sie nicht. Lawrence findet jedoch heraus, dass sie nicht dazu geeignet sind, die Ketten zu durchtrennen. Die einzige Möglichkeit, sich mit Hilfe der Sägen zu befreien, besteht darin, sich selbst die Füße abzutrennen. Lawrence, dessen Familie von Jigsaw entführt wurde, wird deren Überleben versprochen, falls er Adam töten sollte. Adam hingegen bekommt lediglich den Hinweis, dass er sich selbst beim Sterben zusehen müsse, es sei denn, er unternehme „etwas dagegen“. Der Versuch, den Killer durch eine vorgetäuschte Vergiftung Adams durch Lawrence zu überlisten, schlägt fehl, und die vorgegebene Zeit läuft ab...

Soweit die Ausgangssituation von "SAW", der von der Kino-Zeitschrift Cinema als "eine Frischzellenkur für das Serienkillerkino" bezeichnet wurde.

Und tatsächlich stellt dieser dreckige, makabre Thriller die Gesetze des Genre auf den Kopf und überrascht mit einer raffinierten Erzählweise und einem Serienkiller, dessen Motive nicht im geringsten den stereotypischen Klischees entsprechen. Sinn seiner Taten ist, den Opfern die Verfehlungen vor Augen zu führen, die sie nach Ansicht des Psychopathen begangen haben. Durch die Qualen, die sie sich selbst zufügen müssen, um ihr Leben zu retten, sollen sie nach der Vorstellung des Täters ihr Leben wieder schätzen lernen.

Dabei spielt Regisseur und Co-Drehbuchautor James Wan mit den Erwartungen des Publikums, denn trotz offensichtlicher Hinweise auf den Täter, wird dem Zuschauer erst bei der finalen Auflösung des Rätsels deutlich, das nicht alles bei "SAW" so ist, wie es anfangs den Anschein hat.

Bis zum überraschenden Finaltwist bleibt der wahre Täter hinter dieser mörderischen Charade unsichtbar, obwohl er von Beginn an zu sehen ist.

Seine Motive, seine bisherigen Taten und Opfer und die polizeilichen Ermittlungen werden in Rückblenden dargestellt. "SAW" springt dabei zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, ohne jedoch für den Zuschauer verwirrend zu wirken. Der Film ist dabei wie ein Puzzle aufgebaut, entsprechend der von Jigsaw erdachten Spiele. Dabei weiss der Zuschauer nie mehr als die beiden Protagonsten und bekommt wie Lawrence und Adam immer wieder ein Stück des Puzzles zugeschoben, das erst kurz vor Ende des Films mit dem letzten Teilchen ein komplettes Bild ergibt.

Die finale Auflösung von "SAW" gehört seitdem zu den Markenzeichen dieser Reihe, auch wenn die Twists ab dem dritten Teil nicht mehr die Intensität der ersten beiden Filme aufweisen konnten.

Desweiteren zeichntet ein sehr hoher Anteil an blutigen Goreszenen für den Erfolg der Filme verantwortlich, die im ersten Teil noch relativ dezent inszeniert sind, aber ihre Wirkung nicht verfehlen. Ab dem zweiten Teil wurde die Härte graphischer Gewalt immer weiter auf die Spitze getrieben und die anfangs innovative Erzählstruktur musste einer endlosen Aneinanderreihung widerlichster Foltereinlagen weichen.

"SAW" zählt zum Prototyp des sogenannten Torture-Porns und zog nicht nur etliche Sequels nach sich, sondern auch eine Menge thematisch ähnlicher Werke von unterschiedlichster Qualität wie "Hostel" oder "Live Feed". Die Klasse des Originals wurde dabei nur selten erreicht.

Abgesehen vom cleveren Aufbau der Handlung mit ihren vielen überraschenden Wendungen besticht James Wans Werk vor allem durch eine düstere, dreckige Atmosphäre und einer beklemmenden Ausgangssituation. Die läuft auf ein dramatisches, spannendes und vor allem blutiges Finale hinaus, das durch seine ungeheure Intensität im Zusammenspiel mit einem durchdringenden, hämmernden Score, schneller Schnittfolgen und einem intensiven Spiel des Darstellers Cary Elwes an den Nerven des Zuschauers zerrt. Der Wahnsinn, aber auch die Perfidität, die hinter Jigsaws Spiel stecken, kommen hier zum Vorschein und geben nur einen Gewinner preis: Jigsaw alias John Kramer, jenem Krebspatienten von Dr. Lawrence Gordon, der dem Publikum in einer der Rückblenden vorgestellt wurde, ohne dieser Person weitere Bedeutung beizumessen.

"Das Spiel ist aus! GAME OVER!"

8 von 10 Sägen!

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