Taschendiebe sind auch nur Menschen
Ein Mann ohne Geld, ohne Ziel, ohne wirkliche Freunde & mit einer sterbender Mutter als einzig übrig gebliebene Familie. Ein wirklich armer Mann. Da entschließt sich dieser zum Taschendieb zu werden. Zuerst ohne großen Ertrag, später mit etwas Nachhilfe von fortgeschrittenen Gaunern mit großem, süchtigmachendem Erfolg... aber ist das der richtige Weg? Ein Ausweg ist es sicherlich nicht...
Eine wie immer bei Bresson einfache, menschliche Geschichte, die jeder versteht & sich zum Teil sehr gut hinein versetzen kann. Kaum Musikuntermalung, viele Gefühle, viele Nahaufnahmen. Vor allem von klauenden Händen. Und ich kann gar nicht verstehen wie man dem Film Langeweile vorwerfen kann - gerade diese Nahaufnahmen von angespannten Gesichtern, beweglichen Fingern & fliegenden Portemonnaies sind intensiv & klasse gemacht. Die kurze Laufzeit des Films spielt seiner Art zusätzlich in die Karten, ohne Themen & Leidenschaft zu kurz kommen zu lassen.
Ein besonderes Lob gilt den Laiendarstellern, welche ihre Sache hervorragend realistisch rüber bringen & dem ganzen einen zerbrechlischen, dreckigen Stil verleihen, von den monotonen Off-Kommentaren unterstützt. Pur, konzentriert, bewusst. Kein Wort, Bild, Nebencharakter ist hier zu viel - ein Meister am Werk. Selten hatte ein Regisseur einen eigeneren, direkt erkennbaren Stil.
Interessant & beeindruckend schleichend umgesetzt ist das Thema der sozialen Verwarlosung des Hauptcharakters sowie dessen zur Sucht werdendes Hobby, der Taschendiebstahl. Ebenso die Gründe die er angibt für seine Leidenschaft. Ein bedauernswerter, aber realistischer Charakter, bei dem man sich auch nach dem Abspann auf keine Fall sicher ist, ob er nicht zerfällt bzw. ob alles gut wird für ihn - und das ganz abgesehen davon, dass er zu dem Zeitpunkt hinter Gittern sitzt. Viel vielschichtiger als er auf den ersten, einfältigen Moment wirkt.
Fazit: ich mag Bressons geraden, langsam, realistischen, gefühlsbetonten Stil sehr... und Pickpocket ist vielleicht nicht sein bester Film, aber trotzdem viel mehr als nur 75 Minuen voller klauender Hände!