Der britische Regisseur Freddie Francis („Frankensteins Ungeheuer“, „Draculas Rückkehr“) drehte auch einige der in den 1960er und -70ern so populären Episodenhorrorfilme für die Amicus-Filmproduktion, „Geschichten, die zum Wahnsinn führen“ aus dem Jahre 1973 ist einer davon. Erzählt werden vier Geschichten, verbunden von einer Rahmenhandlung, durch die Donald Pleasence als Dr. R.C. Tremayne, Leiter einer psychiatrischen Klinik, führt. Durch seine Location erinnert der Film unweigerlich an den ähnlichen „Asylum“, ebenfalls aus dem Hause Amicus, dessen Qualitäten er aber nicht erreicht.
Episode Nr. 1 handelt von einem Jungen mit einem nur scheinbar imaginären, animalischen Freund in Form eines ausgewachsenen Tigers, dessen Eltern sich zunächst durch ewige Streitereien gegenseitig zu zerfleischen scheinen, bis dies jemand anderes wesentlich konsequenter übernimmt. Eine sehr vorhersehbare, aber überaus charmante und makabre Episode, die ein Ventil kindlicher emotionaler Verwahrlosung zu Fleisch und Blut werden und sich auf selbiges in Form der Verursacher jenes Zustands stürzen lässt.
In Episode Nr. 2 bekommt man es mit einer arg konstruierten Geschichte um ein bei einer Hausentrümplung eines verstorbenen Familienmitglieds gefundenes, ein Eigenleben führendes Porträt und ein zu Zeitreisen befähigendes Einrad zu tun, die trotz ihres Endes in einem flammenden Inferno nicht so recht zünden will. Hat das Porträt mit seiner sich bewegenden Augenpartie durchaus noch Gruselambitionen, wirken das Einrad und die Szenen in der Vergangenheit eher albern.
Episode Nr. 3 ist ein mit einer schwarzhumorig-bösen Pointe gespicktes Stück über weiblich-eheliche Eifersucht auf die Hobbys des Mannes, hier anhand eines mit nach Hause gebrachten vermeintlich toten Baumstamms versinnbildlicht, der in seinen Formen an weibliche Rundungen erinnert. Was die Effekte betrifft ziemlich einfach und durchschaubar gehalten, trotzdem eine starke Episode mit einem angenehm überraschenden Ende.
Was die psychische Härte betrifft, hat Episode Nr. 4 die Nase vorn, in der das ehrfürchtige, speichelleckende Verhalten einer Agentin ihrem Klienten gegenüber nicht nur zum Verlust ihrer jugendlichen Tochter, sondern auch zu zelebriertem Kannibalismus führt. Der schwarze Humor wird hier auf die zynische Spitze getrieben, ohne Splatter- oder Goreeffekte wird ein beträchtlicher Ekelfaktor erzeugt und die arschkriechende, für den Erfolg bis zur Selbstaufgabe gehende Geschäftswelt bekommt ihr Fett weg. Großartig!
Weniger großartig ist die Rahmenhandlung, deren Pointe weitaus schwächer als die der letzten Episoden ausfiel. Inszenatorisch und schauspielerisch ist grundsätzlich aber alles im Rahmen und der Charmeanteil macht „Geschichten, die zum Wahnsinn führen“ zu einem kurzweiligen, vergnüglichen Episodenfilm.