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Für alle Fans der Amicus-Omnibus-Filme Marke „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ oder „Geschichten aus der Gruft“, die mehrere kurze Gruselepisoden im Rahmen eines Spielfilms präsentierten, hier noch einmal die Erwähnung, dass es natürlich auch andere Produktionsfirmen gab, die auf einen solchen Zug gern mit aufsprangen, sobald sich so ein Rezept als profitabel erwies.

So geschehen auch bei dem fast unbekannten „Tales That Witness Madness“, über den ich gefühlt 30x mit dem Porsche drüber gefahren bin, weil ich ihn im Halbdunkel für eine Amicus-Produktion gehalten habe, die ich vermeintlich schon kannte. Aber: „Geschichten, die zum Wahnsinn führen“ wurde von „World Film Services“ produziert, die auch für die Cushing/Lee-Produktion „Nachts, wenn das Skelett erwacht“ verantwortlich waren und im Anschluss den quietschvergnügten Auffahrunfall „Vampirella“ mit David Niven drehen ließen.

Abgesehen von dieser kleinen Nichtigkeit ist aber im Wesentlichen alles gleich geblieben, eine Rahmenhandlung, vier Kurzgeschichten, ein bemühtes Pointchen am Ende.

Die Rahmenhandlung ist fast das Prominenteste am Film, wenn ein Arzt (Donald Pleasence, oh-oh…) in einer psychiatrischen Anstalt einem besuchenden Kollegen (Jack Hawkins) vier besondere Fälle aus seinem Zellenblock präsentiert. Hawkins war in England – hierzulande häufig unbekannt – ein Megastar in Abenteuerfilmen der 50er und 60er, stand hier mit Kehlkopfkrebs aber schon so kurz vor seinem Tod, dass er synchronisiert werden musste.

Die Episoden an sich sind ein „mixed bag“, sie klingen und wirken zunächst immer sehr reizvoll, aber sie sind nicht eben mit viel Finesse ausgearbeitet worden.

In „Mr. Tiger“ freundet sich ein kleiner Junge mit einem imaginären Tiger an, der eine Menge Essen aus der Küche verschlingt, was seine Eltern natürlich für Spinnerei halten, weil sie sich ständig scheidungsreif streiten. Natürlich ahnt man bei dem Appetit des unsichtbaren Freundes, dass das nicht lange gut gehen kann. Insgesamt ein solider Start. „Penny Farthing“ ist schon fast überladen, die Geschichte eines Mannes, der den Antik-Laden seines Onkels erbt und auf einem vorzeitlichen Fahrrad eine Art Zeitreise zu einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit macht, mit durchaus unerquicklichen Folgen. Die Story ist wieder reizvoll, aber die Zusammenhänge, die Motive des Onkels und die Folgen in der Gegenwart wirken wie ungelenk zusammengestellt. Creepy ist dann auch „Mel“, in der ein Ehegatte einen menschenähnlich geformten toten Baum aus dem Wald holt und diesen in seinem Wohnzimmer ausstellt, sehr zum Unwillen seiner Gattin in Gestalt von Joan Collins. Der Folge hat visuell so ihre Momente, aber gerade hier machen die Budgetrestriktionen der Idee leider den Garaus, die Episode kommt nicht weit über ihre offensichtliche Grundidee hinaus. Die letzte Episode, „Luau“, präsentiert dann Kim Novak in einer Rolle rund um hawaiianische Mystik, die allerdings auch viel zu schnell ihre Voodoo-Unterhosen runterlässt und die Pointe quasi übergart, aber wirkt wie ein schöner Kontrapunkt und ist am ehesten mit den Amicus-Stories verwandt.

Alles in allem ist das gut anschaubar, aber es fehlen eben meistens Pointen ganz oder zumindest welche, die man nicht schon von weither kommen sieht, da hat Regisseur und Kameramann Freddie Francis schon Besseres geleistet, allerdings würde ich die generelle Schwäche eher beim Skript von Jennifer Jayne sehen, die eigentlich Schauspielerin war und später dann auch noch „Vampirella“ skriptete (seltsamerweise unter einem ambivalenten, eher männlichen Pseudonym namens „Jay Fairbank“).

Der unvermeidliche Epilog kehrt dann zu den zwei Ärzten in der Irrenanstalt zurück und präsentiert einen doppelten Twist, ganz nett, aber auch nicht eben schlüssig, mehr auf den Effekt hin produziert.

Alles in allem ein solider, aber unaufgeregter Beitrag, der wohl gerade deswegen an der Grenze des Vergessens entlang schlingert, aber wer einer Kopie habhaft wird (auf Youtube gibt es die Chance immer wieder mal), aber der eine oder andere Schmunzler macht auch diesen Omnibus-Versuch genießbar, wenn auch ohne das fiese Grinsen von E.C.-Comics. (5/10)









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