Mich daran erinnernd, dass der vor etwa zehn Jahren ein Mini-Revival in Form eines deutschen Blu Ray - Releases samt FSK - Abstufung genoss versuchte ich kürzlich, "Ghosthouse" zu sehen - und scheiterte an meiner eigenen Ungeduld, die mich den langen Atem des Streifens nicht ertragen ließ. Etwa ab Filmmitte mottete ich den Streifen erst mal ein und nahm dann mit Teil 2 vorlieb - zwar wieder mal nur ein Name only - Sequel, aber eine zünftige Monstersause aus der Feder von Mr. Demon Lamberto Bava klingt zu gut, um wahr zu sein.
Das Ergebnis war... Interessant? Zugegeben, als eigenständiger Film hat mich hier nicht allzu viel bewegt, aber konzeptionell waren hier schon einige interessante Aspekte vorhanden, die mich durchhalten und auf einen Film hoffen ließen, den ich nun leider nicht bekam. Aber eines nach dem anderen.
Die vorliegende TV - Produktion für das italienische Fernsehen folgt der US-Horror Autorin Cheryl mitsamt familiärem Anhang in Richtung Urlaub. Man hat sich zur Erholung und Inspirationssuche für den nächsten Bestseller ein altes Herrenhaus in romantischer Abgeschiedenheit gemietet, nichts ahnend, dass der Untermieter ein gar unangenehmer animatronischer Zeitgenosse ist, der Menschenfleisch und Orchideenduft zu schätzen weiß und romantisch komplett inakzeptable Interessen an jungen Damen hegt.
Letzteres führen Bava und Co den ZuschauerInnen flashbackartig vors Auge, denn Cheryl, die das Trauma schon längst erfolgreich ins Land der Alpträume verdrängt hat, war als Kind bereits im Herrenhaus und der Mitbewohner aus dem Weinkeller - laut dem Originaltitel ein Oger - schon als Jungtier unangenehm "romantisch" auf die kleine fixiert. Schon klar, warum die Gute Schauerromane schreibt. Leider leuchtet in diesem Film kein Arsch mal in diesen psychologischen Abgrund hinein. Könnte ich ja lohnen.
Der Oger selbst mag ideenmäßig einen fiesen Beigeschmack hinterlassen - ein scheinbar adultes Monster, dass einem Kind nachstellt: muss ich wirklich noch erklären, wie man das Szenario mit viel böse Willen noch deuten könnte? - ist aber effektmäßig eine solide Animatronikschöpfung und kommt mit einem interessanten, scheinbar folkloristischem Hintergrund, demnach sei es der Duft wilder Orchideen, der ihn zu seinen Mordtaten berausche. Ist das tatsächlich Teil der italienischen Sagen Welt? Woher rührt das Konzept? Wieso Orchideen? Leider erhielt ich im Laufe des Filmes keine Antwort auf diese Fragen. Ebenfalls erfuhr ich leider nicht, warum die Kreatur den halben Film lang in einem Lust Kokon an der Decke kleben vor sich hin rüstet. Ist das jetzt die Brut eines vorherigen Ogers oder mehr eine Art Nest, in dem der Oger sich regeneriert? Bei aller Sinnentleertheit, die Idee ist cool und bringt in den sonst eher gothisch orientierten Horror einen guten Schuß "Alien" - Moderne ein. Von den Elementen hätte man glatt mehr gesehen.
Selbiges gilt für die teilweise sehr gelungene Kaneraarbeit, besonders in den Flashbacks in Cheryls Kindheit. Da zeigt Bava Jr., dass er Varus Trickkiste immer noch in Ehren hält und benutzt. Generell ist der Film optisch hübsch ausgefallen und auch der melancholische Soundtrack passt wie die Faust aufs Auge. Warum trotzdem so uninspiriert?
Tja, ich denke mal, weil man den Fernsehzuschauern, denen Lamberto Bava mit seiner Reihe "Brivido Giallo" den August 1989 zur Hölle machte nicht allzu viel Spannung oder allzu blutigen Effektschabernack vertragen haben durften. Der geringe Bodycount ist verschmerzbar, aber zu gerne hätte ich mehr Szenen mit dem Oger und einen tieferen Einblick in dessen Mythos bekommen statt über den Zeitraum mehrerer zusammengeschnitten Tage zu bezeugen, wie Cheryl und ihr krampfhaft rationaler Gatte sich gegenseitig ankeifen.
Schneidet man dies und anderes dramatische Füllmaterial aus dem Werk raus könnte man den Rest zu einem hervorragenden Kurzfilm eindampfen, der vielleicht in bester "Creepshow" - Manier in eine Horror - Anthologie alla Italia seinen berechtigten Platz finden würde. Aber so? 'Nee, lass mal, Kapelle. Was schade ist, denn dass Bava Jr. zumindest ein Halbgott des Horrors ist hat er mit "Demons" ja mehr als genug bewiesen.