Und wenn du denkst, es geht nichts mehr, dann hat irgendwann an einem Wochenende in den 80ern irgendein Filmemacher doch noch einen College-Slasher hastig heruntergekurbelt, den du noch nicht gesehen hast und schon sitzt du daheim und suchst nach dem Popcorn.
Wobei der erste Satz ausnahmsweise wirklich mal zutreffend ist, denn „Girls Nite Out“ aka „The Scaremaker“ wurde tatsächlich an einem einzigen Wochenende in einer Bier-und-Mädels-40-Stunden-Sonderschicht mit Zweifachtakes abgedreht. Aus dem einfachen Grund, weil das Setting, eine echte Uni, einfach für das Wochenende geschlossen war. Bis Montag mussten sie aber fertig sein…
Für diese akuten Umstände ist aus Robert Deubels (hihi!) erstem und einzigem Film tatsächlich noch so etwas wie ein kohärentes Ganzes geworden, das man auch als typischen Teenieslasher erkennt, sieht man mal davon ab, dass die Produktion genauso viel den „Porky’s“-Filmen schuldet.
Auch Deubels Film ist ein Opfer der Umstände geworden, in der Bug- und Heckwelle der Horrorfilme der 80er etwas untergegangen zu sein, warum viele Rezensenten im Netz misstrauisch das vielkolportierte Produktionsdatum 1984 beäugt haben, tatsächlich ist „Girls“ aber schon zwei Jahre älter.
Aber im Gegensatz zu vielen „langsamen“ Startern, geht „Girls“ gleich in die Vollen, startet mit einem Suizid und einem Basketball-Meisterschaftsspiel, geht dann in eine Feiersause über, die in einer Kostümparty de luxe endet, um dann später zu einer Mörderjagd auf dem Campus während einer sechsteiligen Schnitzeljagd zu werden.
Es ist also immer deftig was los und wer noch aus seiner Jugendzeit nostalgisch daran denkt, irgendwelchen schmierlappigen Hirnis dabei zuzuschauen, wie sie sich ekstatisch vor nur notdürftig bekleideten 80er-Girlies mit Alkohol zuschütten und sich daran erfreuen, dass ihre zweideutigen Anfragen sogar in ca. einem Drittel aller Fälle angenommen werden, da wird ziemlich viel Spaß haben, denn die Jungs und Mädels hier lassen ordentlich die Kuh fliegen, wenn sie alle um die Wette saufen, kiffen, rauchen, wieder saufen, während ein Bikini-Strip-Model auf dem Tisch tanzt.
Die – gar nicht so einfach in dem Ensemblecast auszumachenden – Helden dieser Chose (wenn man denn so will), sind Basketball-Co-Star Teddy Radliff (komplett mit angegelter 80er-Wuschel-Frise) und seine Freundin Lynn Connors, die sich zumindest darin einig sind, dass sie auf der Party und im Bett Spaß haben wollen. Dumm nur, dass Teddy so beliebt ist und so ein großes Ego hat, weswegen er jegliche Art sozialer Interaktion akzeptabler Natur beiseite wischt und die hübsche Dawn Sorenson angräbt, die ihn erst mal drei Runden abblitzen lässt, was ihn natürlich nur noch mehr seinen öligen Charme aufdrehen lässt. Als sie ihn dann endlich zwischen ihre langen Beine gelassen hat, kommt natürlich prompt sein „War schön mit dir, du hattest doch deinen Spaß, oder? Aber jetzt muss ich zurück zum Glück!“, womit er nicht nur heute zum Protagonistenpisser par excellence wird.
Natürlich gibt es noch andere Traumrollen: da ist sein Kumpel, der baumlange „Maniac“, der den entscheidenden Korb macht und irgendwann dann irgendwie aus dem Plot entschwindet. Und reichlich amüsierwillige Mädels, bis auf die eine, die ihren pummeligen Freund mit einem Knuspertypen betrügt, ihm gegenüber aber drei Meter weiter nach erfolgter Beobachtung das Gegenteil erzählen will. Besagter Pummelfreund ist noch einen Halbsatz wert, denn es handelt sich dabei um David Holbrook, der hier sein Filmdebüt gab (nicht wirklich überzeugend). Der Gute war der direkte Sprössling von Hollywood-Legende Hal Holbrook (u.a. „The Fog“) und ja, der war auch dabei!
Holbrook ist das größte Asset, das die Produktion hatte – der seriöse Mime spielt seine Nebenrolle als leidgeprüfter Campuspolizist mit dem größtmöglichen Ernst, der ihm möglich ist, würzt das mit einer persönlichen Tragödie (seine Tochter wurde von einem Campus-Psycho ermordet) und hat alle seine Szenen binnen eines Drehtages erledigt.
Und dieser Drehtag war nicht zwingend an besagtem Wochenende, denn Legende Hal taucht praktisch in keiner Szene mit den nominellen Hauptrollen dieser Produktion zusammen auf, sondern sitzt meistens an seinem Tisch, wandert mal durch die Cafeteria, telefoniert viel mit dem örtlichen DJ, spricht mit einem Deputy, darf dann kurz seinen eigenen Sohn im „real life“ verhören und taucht dann beim Showdown wieder auf. Hoffentlich war der Scheck gedeckt.
Ach ja, noch zum „Campus-Psycho“ – natürlich gibt es auch hier die lokale Legende namens Dickie Cavanaugh (schlechtester Killer-Name ever), die jetzt auf der lokalen Funny Farm einsitzt und die in der Eingangsszene Suizid begeht. Später meuchelt ein Unbekannter dann die Totengräber des Guten bei der Arbeit – war er vielleicht gar nicht tot?
Auf jeden Fall schnappt sich der irre Killer irgendwann das Bärenkostüm des Teammaskottchens und montiert an die eine Tatze fünf lustige Messerklingen, um so plüschig-scharf den guten Freddy Krueger um zwei Jahre in Innovationskraft zu schlagen. In diesen Sequenzen fließt dann auch das dringend benötigte rote Nass, um die ganze ausgelassene Partystimmung zu neutralisieren – in diesen Szenen ist der Slasher ganz bei sich und funktioniert dann auch nach bekannt-beliebten Regeln.
Ein Wort noch zum Finale, welches immer gern mit „Sleepaway Camp“ verglichen wird, diesem aber an Wirkung bei weitem nicht das Wasser reichen kann, geschweige denn das Teetäschen. Tatsächlich hat das Finale einen Hauch von „Psycho“ an sich, aber das Problem ist, dass bei der ganzen Holbrookschen Schnipselei es gar nicht recht möglich war, ein rundes Ende zu schaffen und so bricht der Film im Moment der Enthüllung quasi ab, just als er etwas präsentiert, was man angesichts des Filmbeginns eh schon wusste. Eine sensationelle Enthüllung ist aber nun auch nicht darunter, wenn es auch einen interessanten Touch hat.
Angesichts der allgemein gut eingefangenen Campus-Stimmung und der Herkulesleistung, aus praktisch Nullzeit noch einen passablen Slasher zu machen, spendiere ich gern 4/10 Punkten, aber so ein ganz bissl mehr Charisma bei den Hauptfiguren oder Charakterausbau jenseits von Party und Saufen hätte ich schon gehabt. Aber immerhin, ansehnlich ist das Ganze.