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Der am 19. September 1936 in New York geborene David Hess schrieb als sadistischer Killer Krug Stillo in Wes Cravens The Last House on the Left (1972) Exploitationfilmgeschichte. Seinen Status als charismatischer Überschurke zementierte er mit seinen Darbietungen in den Italo-Krachern Autostop Rosso Sangue (Wenn Du krepierst - lebe ich!, 1977) und La Casa Sperduta nel Parco (Der Schlitzer, 1980). 1980 führte er auch bei seinem ersten (und einzigen) Spielfilm Regie: To All a Goodnight, ein Weihnachtsslasher.

Ho-Ho-Ho!

Was folgende Frage aufwirft... Kann ein Film, der vom Superbösewicht David Hess inszeniert und vom "Incredible Melting Man" Alex Rebar geschrieben wurde, wirklich schlecht sein? Die richtige Antwort lautet: selbstverständlich kann er das! Allerdings muß man das gleich mal relativieren, denn richtig gute Slasherfilme sind so selten wie die blaue Mauritius. To All a Goodnight spielt in der Landesliga (zum Vergleich: Bob Clarks Black Christmas (1974) ist Champions League), was bedeutet, daß Fans des Genres an diesem Schlocker vermutlich ihren Spaß haben.

Die Geschichte ist so dünn wie unoriginell. Vor zwei Jahren passierte in der "Calvin Finishing School for Girls" zu Weihnachten ein Unglück, das einer Schülerin das Leben kostete. Nun ist es wieder Weihnachten, und ein als Santa Claus gekleideter Killer dezimiert die über die Festtage in der Schule verbliebenen Teenager. Hess und Rebar stopfen in den simplen Plot alles rein, was man von einem Film dieser Art erwartet. Teens, die Partys feiern; einen Killer, der die Abwechslung liebt; einige falsche Schockmomente; Leichen(teile), die an unvermuteter Stelle entdeckt werden; einen komischen Kauz namens Ralph, der vom Bösen faselt und die Teenager vergeblich warnt; und natürlich ein paar Titten, ein wenig Sex, und etwas Blut. Das alles ist teilweise so klischeehaft, daß man nur fassungslos den Kopf schütteln kann. Die diversen Mordszenen sind recht nett, aber da einem sämtliche Charaktere schnurzpiepegal sind und die Ausleuchtung in den Nachtszenen zu wünschen übrig läßt, hinterlassen sie kaum Eindruck. Passend dazu der Dialog zweier Teenies, deren Freunde schon seit Stunden vermißt werden. Sie: "Hey, where are the others?" - Er: "Who cares?" Ja, gute Frage, wen interessiert's?

Gemordet wird - nicht besonders spektakulär und auch nicht übermäßig blutig, dafür ziemlich oft - mit Messer, Drahtseil, Stein, Flugzeugpropeller, Armbrust und Axt. Letztere bekommt ein Typ ins Gesicht, der nachts durch die Gegend streunt und prompt dem Weihnachtsmann über den Weg läuft. Vielleicht hätte er ja überlebt, hätte er ihn nicht dumm angemacht? Der Spruch “What the hell are you doing out here in that dumb outfit?” scheint beim Santa jedenfalls nicht gut angekommen zu sein, denn er quittiert ihn spontan mit einem soliden Axthieb zwischen die Augen. To All a Goodnight wurde laut Internet Movie Database für preiswerte siebzigtausend Dollar heruntergekurbelt, und ganz genau so sieht er auch aus. Immerhin bescheren uns die Macher einige köstlich surreale Momente (Stichwort: Balletttänzerin), die - das wage ich zu behaupten - bestimmt nicht beabsichtigt waren. Leider ist der formelhafte Streifen sehr statisch gefilmt, ist weder spannend noch packend, und eine Weihnachtsstimmung kommt auch zu keiner Zeit auf. Aber, weiß Gott, es gibt viel schlechteres da draußen, und wer etwas zu viel Zeit zum Totschlagen hat, der kann sich Knecht "Blutbrecht" getrost zu Gemüte führen.

Erwähnenswert ist noch, daß To All a Goodnight der zweite Film ist, der das Motiv des mordenden Santas verwendete; seinen ersten Auftritt hatte er in der Amicus Produktion Tales from the Crypt (1972), und zwar in der Episode And All Through the House. Und für die ordentlichen Spezialeffekte war ein gewisser Mark Shostrom verantwortlich (sein SFX-Debüt), der später mit seinen Arbeiten in Filmen wie The Mutilator, From Beyond und Phantasm II begeisterte und bewies, daß er sein blutiges Handwerk verstand. David Hess drehte im Jahre 2010 noch die Dokumentation Steel Drums, Not Guns. Im Jahr davor begeisterte er als durchgeknallter Filmregisseur Able Whitman in der grandiosen Herschell Gordon Lewis-Hommage Smash Cut. Am 7. Oktober 2011 senkte sich für den sympathischen Amerikaner der letzter Vorhang. Als Regisseur wird man sich kaum an ihn erinnern, aber die von ihm zum Leben erweckten Fieslinge Krug Stillo, Adam Konitz und Alex bleiben unvergessen. Wie auch seine Musik: der Mann hat immerhin den Pat Boone-Hit Speedy Gonzalez geschrieben! Rest in peace, David.

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