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„Ihr tut ja gerade so, als wenn wir die Hauptdarsteller in einem schlechten Horrorfilm wären!“

Multitalent David Hess, Bösewicht in Rape-and-Revenge-Filmen wie „Last House on the Left“ und „Der Schlitzer“, Musiker und Komponist, versuchte sich für den 1980er US-Slasher mit dem grenzgenialen deutschen Titel „Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam“ auch einmal hinter der Kamera, nämlich als Regisseur. Es sollte die einzige Regiearbeit des viel zu früh verstorbenen Sympathieträgers bleiben.

In der „Calvin Finishing Girls School“, einer Art Internat für gutbetuchte Mädels, kam eines Weihnachts eine der Bewohnerinnen bei einem unglücklich verlaufenen Studentinnenscherz ums Leben. Zwei Jahre später richten die Schülerinnen eine heimliche Weihnachtsparty aus, laden dazu die Yuppies vom Jungeninternat ein und lassen es ordentlich krachen – ebenso der uneingeladene Psychopath im Weihnachtsmannkostüm, der sich durch die Partygäste meuchelt...

„Black Christmas“ trifft auf „Freitag, der 13.“ in diesem Slasher, der Motive aus beiden Filmen munter durcheinanderwürfelt, primär aber ein „Freitag, der 13.“-Rip-Off ist (welcher, wie man weiß, zwar gut gemacht, aber ebenfalls bereits nicht sonderlich originell war und sich fleißig bei „Psycho“, „Blutrausch des Satans“ und „Halloween“ bediente). Oder um es kurz zu machen: „Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam“ ist ein Klischee-Slasher, wie er im Buche steht. Im entweder recht dunkel gefilmten oder nachträglich für die Heimkinoauswertung abgedunkelten Film, der nach „Whodunit?“-Muster funktioniert, liefern sich notgeile Jugendliche schlechte Balzrituale zum Fremdschämen, jagt ein dummer Spruch den nächsten, erschrecken sich die Teenies ständig gegenseitig und wird der Verdacht erstmal „auffällig unauffällig“ auf diverse Männer gelenkt. Man ahnt recht früh, wer das „Final Girl“ sein wird und strunzdoofe Bullen haben nichts besseres zu tun, als herumzuvögeln. Der erste Mord geschieht bereits nach wenigen Minuten; die Tötungen mit Hieb- und Stichwerkzeugen fielen mal mehr, mal weniger originell bzw. blutig-explizit aus.

„Ich glaub, ich hab zuviel getrunken...“ – „Ein halbes Bier!“

Die debilen Dialoge aber machen mitunter richtiggehend Spaß, wobei ich nicht genau weiß, ob man erst bei der deutschen Synchronisation den Schalk im Nacken hatte. Trotz Weihnachtsthematik wirkt Hess’ Film lokationsbedingt eher wie ein Sommerfilm mit seinen grünen Bäumen, T-Shirts, Frohsinn und der Ermangelung an Schnee. Eine nette Genreklischeevariation ist das nicht anspringende Flugzeug (wir erinnern uns: Yuppie-Alarm...) anstelle des sonst üblichen Kraftfahrzeugs und die gut gemachte „Duschszene“ könnte tatsächlich als Ehrerbietung an Hitchcock gemeint gewesen sein. Der psychopathologische Hintergrund der Mordserie entpuppt sich am Ende als etwas sehr einfallslos, dafür geizt man aber nicht mit einer schönen Dopplung und einer recht atmosphärischen, versöhnlichen Schlusseinstellung.

Im Weihnachtsmannkostüm steckt übrigens anscheinend kein Geringerer als Regisseur Hess persönlich, ob dessen verbriefter Musikalität mir die ziemliche miese musikalische Untermalung des Films unverständlich ist. Immerhin gelang ihm ein durchschnittlicher Slasher für Genrefanatiker und Weihnachtshorrorsammler, doch auch diese Klientel wird zugeben, dass vieles in seinem glücklosen Debüt sehr billig erscheint und auch ein vermutlich geringes Budget nur schwer als Entschuldigung für das nur unzureichende Vorhandensein einer konsequent bedrohlichen Stimmung herhalten kann. Bekannte Namen sucht man in der Darstellerriege vergebens, für viele blieb „Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam“ offensichtlich das einzige Engagement. So etwas wie Wiedererkennungswert könnte ich auch kaum jemandem attestieren, aber das ist für Schlitzerfutter ja auch nicht unbedingt vonnöten – ebenso wenig wie herausragendes schauspielerisches Talent. Ich schließe mit einer rhetorischen Frage in Form eines weiteren Filmzitats: „Wer kauft dir diese Unterhosen?!“

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