Zugegebenermaßen bin ich nicht der ganz große Harry-Potter-Fan. Ich habe zwar alle bisher erschienenen fünf Bücher gelesen und die beiden ersten Filme gesehen, aber das hat nicht gereicht, mich zu einem wirklichen Anhänger zu machen. Die Bücher sind recht brauchbar, gehören aber weder ins Spitzenfeld der Fantasyliteratur noch der Kinder- bzw. Jugendliteratur. Die beiden ersten Filme von Scott Columbus waren zwar bemüht, die Vorlagen bis ins Detail auf die große Leinwand zu übertragen, schafften dies aber nur bedingt, was erstens dem fehlenden Charme und zweitens der bemüht familienfreundlichen Umsetzung von Columbus zu verdanken ist. Hinzu kamen vor allem beim ersten Teil darstellerische Defizite der jugendlichen Akteure und in Anbetracht des hohen Budgets ziemlich schlechte Spezialeffekte. Diese beiden Schwachpunkte wurden im zweiten Teil verbessert, weswegen ich ihn einen Tick besser finde als den ersten, aber trotzdem noch nicht wirklich hochklassig.
Für Teil 3, Harry Potter und der Gefangene von Askaban, wurde Alfonso Cuaron (Y Tu Mama Tambien) als Regisseur engagiert, und dieser bringt gleich mal frischen Wind in den verstaubten Columbus-Stall. Dabei profitiert er natürlich auch davon, dass der dritte Band der bisher beste Roman der Reihe ist (meiner Meinung nach zumindest). Cuaron unterzieht die Optik einer Generalüberholung; das reicht von den düstereren Grundfarben des Films über die Kamera bis hin zur moderneren Kleidung der Jugendlichen. Cuaron schreckt keinesfalls davor zurück, nennen wir es mal, „gemäßigte Horrorszenen“ einzubauen, die sicher einige die kleinsten Zuschauer in die Flucht schlagen. Der ganze Grundton des Films ist aber auch düsterer und weniger kindgerecht geworden, was dem Film extrem gut tut.
Das wichtigste aber, was Cuaron bzw. der Drehbuchautor/die Drehbuchautoren gemacht haben, ist, dass die Vorlage „entrümpelt“ und von Ballast befreit wurde. Das mag sicher den einen oder anderen Puristen stören, ist für den Film aber wesentlich. Denn immerhin geht der dritte Band deutlich länger als die beiden Vorgänger – und Cuaron hat daraus den bisher kürzesten Film der Reihe gemacht (wenn auch nicht viel kürzer). Die Handlung wurde auf ihre Kernelemente reduziert – alle Details und Nebensächlichkeiten, die sich im Buch zwar nett lesen und dort auch zum Reiz beitragen, aber für den Film nicht wirklich von Belang sind, wurden einfach extrem verkürzt oder ganz gestrichen. Z.B. spielt Quidditch so gut wie gar keine Rolle im Film. Den Straffungen fallen natürlich auch diverse Nebencharaktere zum Opfer. Die Jungschauspieler, allen voran Emma Watson, aber auch Daniel Radcliffe zeigen sich gereift und agieren innerhalb der ihnen gesteckten Grenzen durchaus überzeugend; keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich beispielsweise Radcliffe im ersten Teil anschaut, wo er überhaupt nicht wusste, was er eigentlich machen soll.
Fazit: Harry Potter und der Gefangene von Askaban ist für mich ganz klar der bisher beste Film der Reihe. Auch Menschen, die Harry Potter bisher gemieden haben wie der Teufel das Weihwasser (davon soll es ja welche geben), oder sich nach den ersten beiden Filmen vorgenommen haben, in Zukunft einen Bogen um das Thema zu machen, können ruhig mal einen Blick riskieren. Wenn man die Bücher oder die ersten zwei Filme nicht kennt, muss das kein Hinderungsgrund sein. Man versteht zwar nicht komplett alle Hintergründe, hat aber keinesfalls Probleme, den roten Faden zu behalten. Und so wahnsinnig komplex sind die Hintergrundstories auch nicht. Einfach im Bedarfsfall von jemandem, der sich auskennt, in zwei Sätzen knapp erklären lassen (... blabla... Harry Potter... die Dursleys… bla... Voldemort... bla... Harry’s Eltern blabla... Gut gegen Böse...), und dann passt das schon. 7,5/10