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Auch ein Zauberlehrling wird langsam erwachsen und mit ihm wachsen die Ansprüche an den Zuschauer. Joanne K. Rowlings drittes Potter-Buch räumte endgültig mit dem Klischee auf, ihre Bücher seien nur für Kleinkinder geeignet, die dritte Verfilmung hält sich in diesem Sinne eng an die literarische Vorlage. Der neue Regisseur Alfonso Cuarón sah sich aber nicht nur mit dem Problem konfrontiert, einen Fantasyfilm zu kreieren, der trotz aller Düsternis immer noch für die hauptsächliche Zielgruppe (Kinder um die zehn Jahre) geeignet ist, sondern auch damit, aus der komplexen Buchhandlung die elementaren Bestandteile herauszufiltern.

Deshalb muss sich Harry nicht lange mit den Dursleys herumplagen, sondern wird so schnell wie möglich nach London transportiert, um von dort aus nach Hogwarts zu gelangen. Die Einführung geht wahnsinnig schnell vonstatten, kleinere Zuschauer dürften bereits da hoffnungslos überfordert sein. Der wichtigste Handlungsstrang um den aus Askaban entflohenen Mörder Sirius Black wird nie aus den Augen verloren, wenn auch immer wieder kleinere Intermezzos (Verschwinden der Ratte und der dicken Frau aus dem Bild, Vertiefen des Verhältnisses Harry – Professor Lupin etc.) eingestreut werden, die aber letzten Endes doch wieder mit Black zu tun haben. Für die Kleinen bleibt da nur das Drama um Hagrids Hippogreif (toll animiert übrigens!), den es zu retten gilt.

Die Auflösung um den wahren Sirius Black und dessen Vergangenheit war schon eine der kompliziertesten Stellen in den Büchern überhaupt, in der Verfilmung fällt dieser Wendepunkt nicht weniger komplex aus und bekam eine äußerst ansprechende Atmosphäre („das Haus, in dem es am meisten spukt“) verpasst. Die Jüngeren können da endgültig nicht mehr mithalten und sind zudem möglicherweise von dem wirklich mörderischen Tempo und den bizarren Bildern der letzten halben Stunde zusätzlich verschreckt.

Cuarón beschränkt sich ausschließlich auf das Wesentliche, bahnbrechende Charakterveränderungen gibt es hier nicht zu verzeichnen. Das Spiel der Darsteller ist erneut ein Hochgenuss, obwohl ich John Cleese als kopflosen Nick ein wenig vermisst habe. Dafür entschädigen eine herrlich aufgedrehte Emma Thompson als Lehrerin für Wahrsagerei, ein zutiefst sympathischer David Thewlis und ein kaum wiederzuerkennender Gary Oldman als Oberschurke Sirius Black. Die übliche Besetzung blieb nahezu unverändert, herausragend agiert erneut Alan Rickman als fieser Professor Snape.

Trotz gehöriger Straffung des Buches gibt es darüber hinaus in beinahe jeder Szene kleine Details im Hintergrund zu bewundern, die bei Erstansicht kaum auffallen. Sie behindern die Handlung kaum, sondern machen Hogwarts vielmehr lebendig und für den Zuschauer begreifbarer. Letzten Endes sind das zwar nur nette Gimmicks, die jedoch dafür sorgen, dass einen „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ auch mehrere Male äußerst gut unterhalten kann.
Die dritte Verfilmung der Rowling-Romane ist gleichzeitig die beste, da die neue Handschrift von Regisseur Cuarón unverkennbar ist und die magische Welt um Hogwarts ungleich düsterer aussieht als in den Vorgängern. Bleibt zu hoffen, dass Mike Newell diesen Stil beim vierten Teil beibehält.

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