*** Der Text enthält Spoiler ***
Auch der dritte Teil der Reihe beginnt wieder bei den Dursleys und nachdem die Harmonie mal wieder einen Tiefpunkt erreicht hat, packt Harry seine Sachen und macht sich davon. Doch nicht nur ein großer schwarzer Hund, der ihn zu beobachten scheint, erregt seine Aufmerksamkeit, auch den Eiseskälte verströmenden und die Seele aussaugenden Dementoren sollte er nicht zu nahe kommen. Sie sind auf der Suche nach Sirius Black, der aus dem Gefängnis Askaban geflohen ist, damals Harrys Eltern an Voldemort verraten hat und nun hinter dem Zauberlehrling selbst her ist...
Nachdem uns Chris Columbus in die Welt von Hogwarts eingeführt und noch die Kammer des Schreckens geöffnet hat, gab es einen Wechsel auf dem Regiestuhl. Und Alfonso Cuarón gab der Serie gleich mal ein dunkleres Design, was ihr durchaus bekam. Denn ob ein dritter Film im gleichen Stil bei weiterem Voranschreiten der heraufziehenden Bedrohung(en) und der sich weiter entwickelnden Charaktere noch funktioniert hätte, ist zumindest fraglich.
Doch nicht nur optisch geht der Film verstärkt in Richtung der Jugend- und Erwachsenenfantasy, auch inhaltlich wird es komplexer. Dass somit manches aus der Vorlage auf der Strecke bleibt ist leider unvermeidlich. Traurigerweise betrifft das aber auch einige Hintergründe, die vor allem die Beziehungen der Figuren zueinander betreffen und zu einer runderen Gesamterscheinung beigetragen hätten. Die Buchvorlage zu kennen ist also auch hier mal wieder durchaus von Vorteil.
Änderungen gibt es auch auf darstellerischer Seite. Michael Gambon übernimmt ab hier für den verstorbenen Richard Harris die Rolle von Albus Dumbledore. Dazu gesellen sich neue Charaktere, hierbei wurde die Stelle des Professors zur Verteidigung gegen dunkle Künste wieder neu besetzt. Dieses Jahr gibt sich David Thewlis als Remus Lupin die Ehre, Emma Thompson ist als Sibyll Trelawney für die Wahrsagerei zuständig und Timothy Spall als Peter Pettigrew zu sehen. Und dann wäre da noch Gary Oldman als der titelgebende Askabaner Sirius Black, der zwar erst gegen Ende in Aktion tritt, in seinen Szenen aber eine prima Show hinlegt. Der Castingabteilung kann man, mal wieder, keinen Vorwurf machen und für mich ist dies auch mit ein Grund für den Erfolg der Reihe. Nicht nur die Einbindung J. K. Rowlings in die Ausarbeitung der Besetzungsliste hatte anscheinend einen positiven Einfluss auf das Projekt, sondern auch die letztlich gecasteten Personen bilden ein stimmiges Ensemble. Und dies zieht sich durch die ganze Serie.
Weiterhin positiv zu beobachten ist, dass Radcliffe, Grint und Watson ein besseres Spiel an den Tag legen als in den Vorgängern und sich ihre Fähigkeiten sichtlich weiterentwickeln.
Ihr älter werden spiegelt sich auch in der Inszenierung wieder. Die in weniger knalligen Farben gehaltene Optik spielt einigen Gruselmomenten in die Karten, mit denen sich die Reihe endgültig aus der Kinderecke verabschiedet. Als Beispiel kann man hier die Dementoren anführen, die auch schön finster designt und zum „Leben“ erweckt wurden. Überhaupt sind die Effekte im dritten Teil ansehnlicher geraten, selbst das obligatorische Quidditchspiel (wenn auch nur am Rande als solches zu erleben und durch das miese Wetter gut kaschiert) sieht besser aus. Allerdings kann man über das Werwolfdesign durchaus streiten, mir sagt es einfach nicht zu.
Für die stimmigen Bilder zeichnet diesmal Michael Seresin verantwortlich, der abseits der ansprechenden Bebilderung auch mit einigen optischen Spielereien und effektvollen Kamerafahrten punkten kann. Zum leider letzten Mal steuerte John Williams den Soundtrack bei und liefert einen der besten der gesamten Reihe ab. Alleine der Ritt auf dem Hippogreif („Buckbeaks Flight“) oder die Unterhaltung zwischen Harry und Lupin auf der Brücke („A Window To The Past“) wurden einfach nur grandios unterlegt, dazu die Zitate der inzwischen etablierten Themen.
Ungewohnt ist im ersten Moment die Neuanordnung der sich auf dem Gelände von Hogwarts befindlichen Aufbauten. Die Peitschende Weide steht im Vergleich zum Vorgänger an einer anderen Stelle, macht aber immer noch recht bösartige Sachen; der Humor ist im allgemeinen passend zum Rest schwärzer angehaucht ausgefallen. Auch Hagrids Hütte hat sich anscheinend einen neuen Standplatz gesucht.
Kurz ins Stottern kommt der Motor nur, nachdem in der Heulenden Hütte die Katze aus dem Sack bzw. die Ratte aus dem Pelz ist und man hier das Gefühl hat, dem großen Twist beigewohnt zu haben. Was kurzzeitig wie das nahende Ende des Films wirkt, ist letztlich die Einleitung zu einer weiteren Storyline, die es sogar nochmal schafft, den Zuschauer mitzureißen. Es sei denn, man hat absolut kein Faible für die Zeitreisethematik. Diese wirkt glücklicherweise nicht wie ein überlanger Epilog, sondern kann der Geschichte tatsächlich nochmal neue Impulse geben und so bis zum Ende fesseln.
Mit „ Der Gefangene von Askaban“ entwächst die Serie den Kinderschuhen; es wird dunkel in Hogwarts. Optisch wieder eine Pracht ist der Gesamtlook des Filmes dunkler ausgefallen als bei den Vorgängern und gibt sich inszenatorisch erwachsener und komplexer. Schade, dass Cuarón sich nicht an einem weiteren Teil versuchen durfte, der Stilwechsel ist der Reihe sehr gut bekommen und Teil 3 stellt rückblickend einen der Höhepunkte der Saga dar.