Was Regisseurin Mira Nair aus William M. Thackerays ebenso dickleibiger wie beißender Gesellschaftssatire "Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeiten" (1811-1863) auf die Leinwand gezaubert hat, kann sich tatsächlich sehen lassen. Der erstmals 1848 publizierte Roman um den Einbruch einer skrupellosen Aufsteigerin in die feinste Londoner Society ist zudem - wenn auch unter Verzicht auf einige deutliche Autorenkommentare der sarkastischen Art - weitgehend werkgetreu inszeniert worden. Die unter Einsatz aller Mittel aus ihrem niedrigen gesellschaftlichen Niveau empor strebende, von Ehrgeiz und Geltungsdrang geradezu zerfressene Hauptfigur der Rebecca "Becky" Sharp wird kongenial von Reese Witherspoon verkörpert, die hier - jedenfalls in den Augen des Rezensenten - ihre beste Performance seit "Freeway" gibt und eindrucksvoll unter Beweis stellt, daß sie für mehr als sophistische Komödien von und über Blondinen geeignet ist. Allerdings spielt sie den Rest des z.T. hochrangigen Ensembles dermaßen an die Wand, daß man schon fast von einer One-Woman-Show sprechen kann bzw. muß; umgekehrt erfährt der geneigte Betrachter nunmehr einiges von Mrs. Witherspoons stimmlichen wie tänzerischen Fähigkeiten.
Letzteres Detail korrespondiert übrigens durchaus mit der literarischen Vorlage, da dort Gesang und Scharade tatsächlich vorkommen, doch hat die Regie hierbei sehr bewußt Elemente aus dem Fundus des Bollywood-Filmes eingesetzt, um Thackerays epischer Studie über die englische Klassengesellschaft im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ein sozusagen postkolonialistisches Zeitkolorit zu verpassen. Auch so eine gelungene Rache der ehemals Besiegten.
Eine grandiose Ausstattung gibt es als Zugabe, und wären manche Übertreibungen in Darstellung und Charakterzeichnung unterblieben, hätte es vielleicht sogar zu einer Wertung oberhalb von 8/10 gelangt. Aber immerhin.