Und noch eine Runde durch die Nostalgieabteilung der britischen Thriller...
Die 72er-Hammer-Produktion "Fear in the Night" (Furcht in der Nacht) hatte ich ja als wiederentdeckte Kindheitserinnerung bereits besprochen, wenn auch die Erinnerungen hier etwas getrübt waren, was die schlußendliche Intensität des Films anging. Also flugs gleich noch ein bißchen im Schatzkästchen gekramt und einen Film wiederaufgestöbert, der ebenfalls einmal bei den sich entwickelnden Privatkanälen über den Sender ging, um dann wieder vergessen zu werden: "Das Grab der lebenden Puppen" (uhaha...).
Warum ich gerade den ausgewählt habe?
Zum einen ist er genau ein Jahr nach "Fear..." gedreht worden, zum anderen schleppt er in der unvermeidlichen Frauenhauptrolle ebenfalls Joan Collins mit sich herum. Statt dem unvergeßlichen Peter Cushing ist hier sein kongenialer Partner Christopher Lee am Start und als Zuckerle rennen auch noch Herbert Lom (bekannt als "Dreyfuss" aus den "Pink Panther-Filmen), Jane Birkin und Jean Marsh durch die staubigen Hallen eines gruseligen Herrenhauses am Rande der wilden Natur.
Als dritter Grund könnten gewisse erzählerische Parallelen für Psychothriller herhalten, denn in beiden Fällen weiß die Hauptfigur gar nicht recht, wie ihr geschieht, ob sie bedroht wird oder sich alles einfach nur einbildet.
Im Zentrum des Films steht hier Edward Foster, dargestellt von Robert Hardy, den moderne Kinobesucher vermutlich kaum als den Cornelius Fudge aus den Harry-Potter-Filmen wiedererkennen, wenn sie es nicht wissen, denn Hardy war zum Produktionsstart erst Mitte Dreißig und hatte auch noch keine besondere Körperfülle angesetzt.
Foster bekommt von einem Insassen einer Nervenheilanstalt dessen Landhaus geschenkt, in dem, wie könnte es anders sein, auch noch 110.000 Pfund versteckt sind. Das vergrätzt natürlich den Arzt des verstorbenen Insassen, Dr.Mandeville (Lee) und dessen Schwester (Collins), die vor Geldgier kaum noch geradeaus laufen können. Als Konkurrenz haben sie den Familienanwalt an der Backe (Lom), der ebenfalls eine Finanzspritze schätzen würde.
Was läge da näher, als im Souterrain mal ein bißchen handgemachten Spuk vom Stapel zu lassen, der Foster den Besitz schon madig machen würde. Foster hat nämlich selbst einen gehörig mürben Keks, war er doch nicht Arzt, sondern selbst Insasse einer gepolsterten Zelle und ist so natürlich ziemlich empfänglich für seltsame Laute, Kinderlachen, fallende Gegenstände, Schritte im Korridor oder erleuchtete Fenster, wenn er gerade nicht daheim ist.
Mysteriös dazu, daß er dem jungen Andrew Marr, vor seinem Einsitzen in der Irrenanstalt Besitzer und Familienvater, enorm ähnlich sieht und schon bald ordentlich Visionen von vergangenen Ereignissen vor sich herschiebt, in der er als Marr einen Ehebruchskonflikt auskocht, bei dem er seiner Frau nicht die Scheidung auftischen will und gleichzeitig seine beiden fiesen Kiddies (hier ist in einigen Szenen übrigens Jennifer Thanisch zu sehen, die fünf Jahre später die "Anne" in "Fünf Freunde" spielen sollte) die neue Angebete (Birkin) quälen.
Während die Mandevilles also Foster irre einen vorgaukeln, wird es zunehmend bizarrer, denn die Visionen könnten (müßten?) ja eine Art Reinkarnation oder Geisterspuk sein, was aber letztendlich eh nur zur Folge haben wird, daß der neue Hausherr zur Spitzhacke greift.
Interessant an diesem Film ist vornehmlich die Grundsituation, daß nämlich die fiesen Verschwörer von Anfang an bekannt sind und sie alles tun, um den neuen Eigentümer auf die halb unangenehme Tour loszuwerden, bis ihnen schwant, daß in dem staubigen, mit zerschmetterten Kinderpuppen übersäten Haus tatsächlich nicht alles geradeaus läuft. Da ist Foster dann aber schon der Bregen schwammig geworden.
Leider leidet jedoch auch Don Sharps Film darunter, mit diesem Abgleiten in den Wahnsinn samt Backstory aus der Vergangenheit den fast kompletten Film füllen zu müssen und das ist dann doch enorm betulich und lange Zeit eher unspektakulär, vor allem weil die Visionen eher interessant sind, als das sie belasten. Die frisch frisierte Collins tut alles, um an die Kohle zu kommen, erst tut sie so, als könnte sie tatsächlich ein Haus putzen, anschließend hüpft sie mit Foster in die Kiste, was wiederum ihren Bruder verärgert - doch so richtig in Fahrt kommt der Film erst in den letzten 15 Minuten, als das Drama aus der Vergangenheit endlich den nötigen Drive bekommt und die Köpfe wirklich graphisch rollen.
Unabhängig produziert und vertrieben von "Cinerama Corp" (die auch mit Amicus arbeiteten) ist der Film wirklich ordentlich und strukturiert geraten, nur eben längst nicht so gruselig wie er eigentlich sein könnte. Anstatt mal den vollen Ernst aufzudrehen und die Geräusche und Laute in der staubigen Hütte zum totalen Terror aufzublasen, bleibt man sehr erdverbunden und Hardy ist so niedlich und soft gezeichnet, daß es keinen Spaß macht, einen so netten Kerl in einem finsteren Verschörerplot zu verheizen.
Bei so einem schwachen Protagonisten rutscht der Film automatisch ins Mittelfeld, aber die Nebendarsteller könnten sogar eine Jogurt-Werbung retten und so fällt auch "Dark Places" noch recht ordentlich aus, wird aber vermutlich nur bei Unkenntnis moderneren Horrors noch groß Aufregung verursachen.
Zwischen den vielen zu dieser Zeit heruntergedrehten Experimenten mit mehr Härte, bunteren Anthologien und sozialkritischen Untertönen ist Sharps Film jedoch noch alte Schule, ehe sich kurz darauf der Wind für den britischen Horrorfilm für lange Zeit drehen sollte. (6/10)