Review

"Der lief auf Arte, also muss er künstlerisch wertvoll sein!" könnte man sich beim Durchstöbern der existenten Fassungen denken. Nope, ist er nicht, zumindest nicht, was eine vermeidliche Message angeht. Technisch gesehen ist "Street Trash" mit spaßigen Effekten sowie teilweise interessanter Kameraarbeit gesegnet. Regisseur Jim Munro sollte später nicht umsonst Karriere an der Kamera machen. Drehbuchautor Roy Frumkes gab irgendwann mal bekannt, das Skript vornehmlich verfasst zu haben, um möglichst vielen Bevölkerungsgruppen der USA ans Bein zu pissen. Als junger Punk, der ich zum Zeitpunkt der Erstsichtung war eine Prämisse, die genügte, um meine Neugier zu wecken und später 1 - 2 Szenegenossen mit meiner "Liebe" zu diesem Film anzustecken.

Der Film besteht im wesentlichen aus einem Arsch voller Episoden und dieser Arsch ist ungewaschen und mit Ekzemen übersäht. 

Ein Versuch der Zusammenfassung: in einem New Yorker Elendsviertel ist die Scheiße so richtig am Kochen: Obdachlose, die meisten unter der Führung des paranoiden Ex - Soldaten Bronson, bekriegen sich um Nahrung, Schnaps und Bettelplätze. Der Schrottplatz, auf dem sich ein Großteil des Dramas abspielt wird von einem übergewichtigen Perversling geleitet, der seiner asiatischen Sekretärin bei jeder Gelegenheit unangenehm auf die Pelle rückt. Und als ob das noch nicht genug wäre tauchen hier und da Leichen auf und hier und da gibt es im Film auch einige Probleme mit der Mafia. Klingt so, als könnte es nicht schlimmer werden, was?

Auftritt des großen Lebowski. Nicht in Person, aber der unsympathische Besitzer des örtlichen Schnapsladens könnte durchaus als dessen assiger Cousin durchgehen, der  Anti-Dude. Der muss gerade irgendwie die Haushaltskasse seines maroden Geschäftes aufbessern und stößt bei der jährlichen Inventur im Keller des Ladens auf ein mysteriöses Gesöff, "Viper" genannt, welches er wider besseren Wissens für einen schlappen Dollar an die durstige Bevölkerung verteilt. 

Was unser Anti - Dude nicht weißt: das Zeug hats nicht nur prozentmäßig in sich! Bei dem vermeidlichen Schnaps handelt es sich nämlich um eine chemischen Kampfstoff aus seligen Vietnamkriegszeiten, den selbst die damalige US - Regierung für so unmenschlich hielt, dass er im Giftschrank verschwand. Jepp: irgendein Regierungsgenie hatte im Filmkosmos die geniale Idee, eine flüssige ABC - Waffe unter neuem Etikett in einem Schnapsladen zu verstecken! Und das ist auch gleichzeitig der Punkt, an dem der Zuschauer lachend kapitulieren und sich dem Wahnsinn hingeben darf: Scheiß auf die Story, auf zum fröhlichen Pennerschmelzen!

Jawohl, hier wird sich um nichts geschoren! Das Niveau sinkt kontinuierlich mit jeder Filmminute und die einzigen Helden des Filmes - die obdachlosen Brüder Fred und Kevin nebst Kumpel Burt - haben mit den Plotresten nicht wirklich viel zu tun, sind aber die einzigen halbwegs sympathischen Charaktere, was sicher auch an Kevin liegt, der wie ein verdrogter Ralph Maccio aussieht, der sein Karatetrauma auch nach dem All Valley 84 nicht wirklich überwunden hat.

Szene an Szene werden wir hier Zeugen immer absurderer Tode und anderer Unappetitlichkeiten. Darunter befinden sich ein spontanes Footballspiel mit einem amputierten Penis, der dreisteste Ladendiebstahl der Filmgeschichte (den Burt hier begehen darf), ein missglücktes Verhör eines übermütigen Mafiaschergen sowie eine sexuelle Eskapade des fetten Schrottplatzbesitzers, der sich notgeil an einer Leiche vergeht und sich dabei, so später angedeutet, die Syphilis einfägt. Neben den gerne gesehenen Schmelztoden einige gern gesehene Abwechslungen eines Filmes, der mitunter krassere Längen aufweißt als John Holmes zu Lebzeiten.

Unter den Schmelztoden ist meist der erste, bei dem ein zerfließender Obdachloser sich selbst versehentlich im Klo runterspühlt, der Go to - Splattermoment des Filmes. Mein Favorit bleibt aber jene Szene, in der Fred seinem Konkurrenten Wizzy, einem Spitzel und Schläger Bronsons, mittels umgekehrter Psychologie dazu bringt, eine Buddel Viper auf Ex zu leeren, um sich dann nachher höhnisch den Arsch über das Ableben des alten Ekels abzulachen: Rest in Piss, Wizzy!

Der Film macht Spaß. Aber mal ehrlich, etwas mehr Story hätte dem Ganzen gut getan. Die Lovestory zwischen Kevin und der Sekretärin des fetten Schrottplatzbesitzers wird hier eingestreut, Bronsons Vietnamtrauma an der anderen Stelle und irgendwo dazwischen haben wir noch Platz für 2 Minuten Mafiadrama. Mensch, ein Episodenfilm bietet sich doch gerade dazu an, die Stories wüst zu vermischen, mit einem guten Schuss Viper als splattriger Kleber, um alles zusammen zu halten!

Ich habe den FIlm vor 14 Jahren das letzte Mal gesehen, ihn aber seitdem in bester Erinnerung gehalten. Ja, der Film war infantil und provokant, aber das war ich auch. Der Film ist amüsant, wenn auch kein Hollywoodwerk und das genügt manchmal einfach. Darauf erst mal einen Schluck Viper!

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