Eines vorweg ... ich war durchaus positiv überrascht, da ich wenig erwartet hatte. Giallo mit Gruselelementen, das kann ja nicht so prall sein, so dachte ich jedenfalls. Nach der ersten Sichtung empfinde ich den Film jedoch durchaus als relativ bodenständigen Giallo.
Zur Handlung: Lord Cunningham hat viel Geld und ein Problem mit rothaarigen Damen. Seine verstorbene Frau (Evelyn) hatte mit ihrem Rotschopf und ihrem Verhalten ihm gegenüber den Grundstein dafür gelegt. Von Zeit zu Zeit holt sich der Lord eine rothaarige Dame auf sein recht verfallenes Schloss, lässt sie schwarze Stiefel anziehen und lebt seine sadistischen Triebe an ihr aus. Dem Lord geht es im Hinblick auf seinen Geisteszustand nicht überragend, weshalb ihm empfohlen wird, sich eine neue Gattin zu suchen. Dies geschieht schließlich auch so schnell, wie es wohl nur im (italienischen) Kino gehen kann. Das Schloss wird renoviert und der Film nimmt eine gewisse Wendung, die sich schwer in Worte fassen lässt, sie sollte vielmehr erlebt werden. Die zweite Hälfte bietet schließlich auch mehr Giallo-Potential und allen, denen der Gruselkram wie mir anfangs quer im Magen liegt ... alles nur halb so schlimm. Das Ende ist letztendlich mit einigen "unerwarteten Wendungen" so genre-typisch, dass es eine wahre Freude für jeden Giallo-Freund sein müsste, der nicht auf die Neuerfindung des Rades hofft (Der Pfad war 1971 ja auch noch nicht wirklich ausgetreten).
Lange Verfolgungsszenen mit weitgehend unbekleideten Frauen gibt es nur in einem geringen Maße, Hände in schwarzem Leder und Schnittwerkzeuge gibt es auch nur wenig. Wirklich blutig wird es auch in der ungeschnittenen Version nur an wenigen Stellen, die Gorehounds sicherlich nicht befriedigen.
Ein klarer Pluspunkt besteht in der Damenbekleidung. Superklamotten! Ausschnitte, die tiefer nicht sein könnten. Die Inneneinrichtungen sind ebenfalls oberste Liga. Optisch ist der Film insgesamt ganz fein, auch wenn es nicht viele Kameraeinstellungen bzw. -fahrten gibt, die im Gedächtnis bleiben.
Fazit: Giallo mit einigen wenigen ungewohnten Elementen, der eine gewisse Portion Sadoerotik und weniger Grusel als die Werbung verspricht (Gott sei Dank) bietet. Für Genrefreunde ist er sicherlich einen Blick wert ist.