Lord George Cunningham ist seit dem Tod seiner Frau Evelyn wie paralellisiert. Um den Tod zu verkraften, garnt er reihenweise rothaarige Frauen um seinen Finger, die Evelyn ähnlich sehen und führt sie dann in sein heruntergekommenes Schloss, wo er sie foltert und anschliessend umbringt. Selbst sein Psychiater Richard kann ihm bald nicht mehr helfen und so begeht er eine Blitzhochzeit mit der blonden Gladis, in der Hoffnung Evelyn zu vergessen. Doch schon bald geschehen merkwürdige Dinge im Schloss. Gladis glaubt Evelyn gesehen zu haben und es werden 2 Morde an der Schwester von George und dem Bruder von Evelyn verbucht. Doch nicht nur das, die Grabstätte von Eveyln ist leer. Treibt der Geist von Evelyn sein Unwesen oder ist es bloss ein wahnsinniger Mörder?
Die Grotte der vergessenen Leichen, ein wahrlich reisserischer Titel, der wie Zucker auf der Zunge verbrennt, und dazu noch vollkommen irreführend ist, denn wie man laut des Titels vielleicht erahnt, handelt es sich nicht um einen schundigen Zombieklopper. Nicht einmal ansatzweise, auch wenn es hier um leidliche Leichen geht. Zwar bloss um eine, aber wenigstens etwas. Wer also in der Hoffnung war, einen unentdeckten Frühzombiefilm hier entdeckt zu haben, sollte lieber mit dem Lesen aufhören, denn The Night Evelyn came out of her grave, wie der Alternativtitel lautet, ist ein geschickt und in die Irre führender Giallo, der wahrhaftig geschickt mit dem Zuschauer spielt. Denn während George immer wieder rothaarige Frauen auf sein Schloss lockt und foltert, scheint noch alles normal. Von Bedeutung ist da sicher, dass die Frauen immer eine gewisse Ähnlichkeit zu Evelyn haben und dazu dienen sie Vergessen zu machen. Die Handlung baut sich dabei recht routiniert und nachvollziehbar auf, selbst wenn der einjährige Psychiater und Freund von George ihm unrealistische Lösungswege empfiehlt, scheint die Handlung solide, aber schon dort sollte man einen Knackpunkt feststellen. Tut man aber nicht, schliesslich scheint er gerade wohlwollend freundlich gesinnt, in Bezug auf Georges Genesung. So dauert es auch nicht lange, dass George tatsächlich auf einer Party von Richard Gladis kennenlernt und paar Tage später heiratet. Das Glück scheint perfekt, das Schloss renoviert und die Dienstmädchen eingestellt. Und da beginnt schon der Wendepunkt, an dem der Zuschauer vollkommen in die falsche Richtung gelotst wird, denn während man dem Bruder von Evelyn von Anfang an Misstrauen entgegenbrachte, weil er George bestach, verwickelt sich die behinderte Schwester noch in den Dunstkreis der Bösen, da sie mit Evelyns Bruder eine Affäre hat. Währenddessen führt uns dieser um Mord, Liebe, Lügen, effektreiche Pläne und Gelderben gestrickte Giallo in ein nie leicht nachvollziehbares Drahtseil von falschen Motiven oder Lösungen. Denn warum plötzlich der Bruder und die Schwester sterben, bleibt genauso unklar, weil man diese verdächtigt. Der Plot zeigt öfters Umschwünge, George steigert sich weiter in seine Psychose, vorallem wie er Evelyn als Tote umherwandern sieht. Zumindest eins kann man ja sagen. Es ist alles bloss ein Fake und George ist das grosse Opfer. Sollte man denken, denn das richtige Ende reisst wieder alles um. Dieser romantisch und sleazige Film, der uns mit wunderbaren Kulissen und schönen Drehorten verführt und träumen lässt, ist wunderbar gut durchdacht, glänzt neben seinen leichten Softsexszenen mit guten Gruselmomenten und bietet eine leicht morbide Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Der Score ragt zwar leicht in den Hintergrund, spannend ist das Ganze aber schon, vorallem weil man immerzu gewillt ist, den wahren Schuldigen zu suchen oder überhaupt zu entlarven, was es mit der anfänglichen Geistererscheinung auf sich hat.
Fazit:
The Night Evelyn came out of her grave ist ein schöner, stimmiger und atmosphärischer Giallo. Gut durchdacht und auf einen wunderbaren Fake aufgebaut. Alles ist nicht wie es scheint, doch am Ende ist es so, wie es eigentlich bloss vollkommen nachvollziehbar ist. Eine Geschichte um Geldgier, falsche Liebe und eine falsche Tote...als Vorwand.
71%