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Peitschen, Pech & Pannen


Den schmalen Grat zwischen Gothic und Giallo wandert „The Night Evelyn Came Out of The Grave“ wie kaum ein anderer Grusler seiner Zeit. In dem italienischen Kultschocker geht es um einen adeligen Mann, der seine rothaarige Ehefrau verloren hat und nun traumatisch immer wieder ebenso rothaarige Frauen findet, verführt, foltert und auspeitscht in seinem weitläufigen Nahezu-Schloss. Doch dann häufen sich die Erscheinungen und Visionen seiner Evelyn, nachdem er einem weiteren attraktiven Redhead nun sogar das Jawort gegeben hat... 

„Die Nacht, in der Evelyn aus ihrem Grab stieg“ - wäre der Titel nicht fein und lyrisch genug gewesen, um Bahnhofskinofreunde aller Coleur anzulocken? Oh man, diese deutschen Verleiher der 70er/80er... Doch egal unter welchem Namen man diesem Mysteryspuk begegnet - er hat das Zeug zum Verzaubern. Seine unfassbar attraktiven, oft nackigen Damen, die deutlich sado-masochistischen Tendenzen, die traumwandlerischen Sequenzen zwischen Angst, Trauma und Sehnsucht. Dazu gotische Gewölbe, scharfe Peitschenhiebe, mehr Kurven als ein Hase auf Redbull. Über Letzteres muss man gerade gegen Ende zwar eher schmunzeln, wenn sich die Dinge konfus und maximal unglaubwürdig überschlagen. Stephen King persönlich nannte das Ding nicht zuletzt deswegen „an italian turkey“ - aber gehört dieser leicht trashige, pulpige und comichafte Charme nicht einfach dazu?! Ein fieses, perfides und morbides Vexierspiel der Leidenschaft und Gier. Nicht realistisch und nicht immer mit genug Zug zum Ziel - doch allgemein frivol und verspielt genug, um selbst dem modernsten Griesgrämer ein Schmunzeln und Staunen ins Gesicht zu bugsieren. 

Fazit: sinnlich, kurvig, sexy - lange Nächte, leere Gräber, schöne Frauen. Ein italienisches Techtelmechtel mit Trauma und Toten, mit rassigen Rothaarigen und doppelten Böden, viel Farbe und noch mehr Staub. Gruftig und groovy, nie grottig. 

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