Review

Roy Ward Bakers "Carmilla"-Interpretation "Gruft der Vampire" ist um einiges besser und atmosphärischer als der Nachfolger "Draculas Hexenjagd". Er hat das alte Styling der Hammerprodukte wesentlicher verinnerlicht, bietet mehr Opulenz als karge Bilder und reichert das alles mit etwas Blut und Brüsten an, aber dennoch gelungener als beim Nachzieher.

Tatsächlich sind Beginn und Ende in einer Form, die auch den Größen der englischen Horrorlandschaft Konkurrenz machen können. Die Auferstehung in der Vortitelsequenz samt Off-Kommentar ist superb und endet im Stile des Grand Guignol mit einer Kopfabschlagung erster Güte. Auch der Schluß auf dem nebelverwaberten Totenacker bei gleichzeitig versuchter Rettung Emmas hat sowohl Hammer als auch Poe verinnerlicht und die Atmo dampft aus allen Ritzen.

Da sollte es keinen wundern, wenn der Mittelteil leider etwas abfällt. Hier sollte ganz offensichtlich der Tabubruch inszeniert werden, wenn Carmilla/Mircalla/Marcilla mit blanken Brüsten aus dem Bade hüpft und alle schönen Frauen wegknuspert, die bis dato hetero waren. Das sind zwar nackte Tatsachen, aber Baker ist so zurückhaltend, daß man sich einen Presseaufstand kaum noch vorstellen kann.
Exemplarisch störend mal wieder die geistige Gehemmtheit sämtlicher männlicher Figuren, die eh nie kapieren, wenn es den Damen ans Leder geht. Die wiederum, von ausnehmend jungem Alter, sind durch die Bank so naiv, es grenzt schon an Blödheit.

Optisch wird der Standard durchgehalten, es wird sogar subjektive Kamera eingesetzt und mit der nötigen Prise Blut wird auch nicht gespart, allerdings sind außer Brustwarzen wirkliche Novitäten auch nicht zu erwarten. Da erfreut man sich eher an den wie immer soliden Szenen mit Peter Cushing (die aber nicht sehr zahlreich sind), Ferdy Maynes Doktor und Douglas Wilmers grimmigem Hartog.

Ansonsten ein solider Beitrag zum Genre, streckenweise auch besser, doch manchmal kommt einem das alles so abgenutzt vor, daß die Gesichtsmuskeln vor Gähnen zucken. Wer oder was allerdings die Gräfin war, die Mircalla beförderte und was aus ihre wurde, bleibt ungeklärt, ebenso das Schicksal des Vampirkutschers. Aber wir müssen ja auch nicht alles wissen. (6/10)

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