Review

Eric Stanze schafft es seine Qualitäten als Filmemacher weiter zu verbessern und liefert ein optisch sehr ansprechendes Produkt, in Zusammenarbeit entstanden mit Robin Garrels – diese ist ebenfalls Underground-Regisseurin von Exploitation-Filmen. „China White Serpentine“ heißt Stanzes bislang letztes Werk, entstanden im Jahre 2003 und dennoch bis heute relativ unbekannt geblieben, selbst unter Genre-Fans. Hinsichtlich der deutlichen Verbesserung gegenüber Filmen wie „Ice from The Sun“ oder „I spit on your Corpse, I piss on your Grave“ ist das offensichtlich mangelnde Interesse (nicht nur in der OFDb) für mich nicht nachvollziehbar.

Alle Darsteller geben sich Mühe und wirken überzeugend in ihren Rollen, ähnlich wie Jörg Buttgereit weiß Eric Stanze sehr gut wie weit er mit seinem geringen Budget gehen kann, ohne ins Lächerliche abzudriften. So verlangt er seinen Schauspielern nicht zu viel ab und konzentriert sich mehr auf den technischen Aspekt des Films. Anders als bei den Independent-Meisterwerken von Buttgereit muss man aber klare Abstriche bei der Story machen. Denn so gelungen Schnitt, Kamera und Tondesign auch sein mögen, all diese Qualitäten täuschen nicht weg über das verquaste Skript und die öde Geschichte. Emily Haak (Fans bereits bestens bekannt, u.a. natürlich durch ihre Hauptrollen in „Scrapbook“ und „I spit on your Corpse, I piss on your Grave“) ist mal wieder dabei und mausert sich immer mehr zur glaubwürdigen Darstellerin, auch wenn aus ihr niemals ein Bond-Girl werden wird. Im Ernst, man merkt den Beteiligten stark an das mittlerweile eine gewisse Erfahrung vorhanden ist und man ohne weiteres von gehobener Amateur-Klasse sprechen kann.

Einige Sex-Szenen sind sehr grafisch, unter anderem durch zahlreiche Verfremdungstechniken wird aber nie die Grenze zum Hardcore überschritten. Künstlerisch sind gerade die kontroversen Szenen ansprechend, wobei positiv auffällt, dass Stanze auf plumpe Provokationen verzichtet und die bizarren Bildkompositionen wesentlich durchdachter anlegt als noch in früheren Werken. Da der Geschichte nur schwer zu folgen ist und diese darüber hinaus sehr dünn ist, kommt kein hoher Unterhaltungswert auf, was aber auch nicht in der Absicht der Macher lag. Sub Rosa ist bekannt für klobige und polarisierende Experimentalfilme und auch für die oftmals sinnlosen Inhalte. In „China White Serpentine“ versucht Stanze über solche Mankos hinweg zu kommen und ihm gelingt ein Schritt in die richtige Richtung. Zugeständnisse an den Mainstream gibt es immer noch keine, dennoch ist das neueste Werk viel anschaubarer geworden als früheren Ergüssen.

Die Home-Video-Optik stört auf den ersten Blick enorm, mit voran schreitender Laufzeit gewöhnt man sich aber dran. Schließlich zeigt Stanze (der für Regie, Drehbuch, Schnitt, Kamera und Produktion verantwortlich war) das er in allen Belangen gelernt hat und man darf sich schon jetzt auf ein künftiges Meisterwerk gefasst machen. Zwar vergebe ich „Scrapbook“ aufgrund der Intensität und des großartigen Konzeptes eine bessere Note, filmisch gesehen ist „China White Serpetine“ jedoch weitaus professioneller. Straffungen in der Handlung hätten gut getan, als Kurzfilm hätte die Story womöglich besser funktioniert. Immerhin wirken die Dialoge nicht gestelzt und ziehen den Film nicht wirklich runter, auch wenn es einige überflüssige Szenen gibt.

Bis auf einige kurze, aber heftige Gewalteruptionen wird der Gorehound unbefriedigt zurück bleiben, in erster Linie erzählt Stanze ein leidvolles Drama in drogengeschwängerten Bildern. Heroinkonsum und dysfunktionale Beziehungen, Einsamkeit und emotionale Leere werden in teils drastischen Bildern präsentiert und in der zweiten Hälfte mit einigen gelungenen Splatter-Effekten aufgepeppt. Nach dem Abspann gibt’s noch einen nett gemachten Epilog, und letztlich lässt sich sagen das die Atmosphäre ein großer Pluspunkt ist in der Bewertung von „China White Serpentine“. Trotz mangelnder Spannung ist diese nämlich extrem gelungen und stark bestimmt durch die geschickt eingesetzten Stilmittel.

Fazit: Für Fans des Regisseurs Stanze empfehlenswert, auch wenn sich längst nicht so viele extreme Szenen finden wie gewohnt. Eine konsequente Weiterentwicklung seines eigenen Stils und die technischen Verfeinerungen dürften gut ankommen in der Fangemeinde und die inhaltlichen Defizite kann man durchaus nachsehen.

Insgesamt gute 6 Punkte…

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